INTERNET WORLD Business





Tricks ziehen nur bedingt

Gesichter und große Schrift funktionieren nicht immer als Blickfänger in einem Shop

Gesichter ignoriert – auf der Landing Page von Levi’s orientierten sich die Probanden stattdessen an der Überschrift

Das menschliche Gesicht gilt als der Eyecatcher schlechthin, wenn es darum geht, auf Websites Aufmerksamkeit zu erzeugen. Das haben etliche Studie immer wieder belegt. Aber: Es ist offensichtlich kein ehernes Gesetz, wie eine neue Eye-Tracking-Studie zeigt, die das Software-Unternehmen Eyequant gemeinsam mit dem Labor für Neurobiopsychologie der Universität Osnabrück erarbeitet hat.

Die Auswertung von mehr als 260.000 Blickkontakten auf rund 200 E-Commerce-Sites hat selbst die Forscher erstaunt. Denn wiederholt konzentrierten sich die Probanden nicht auf die Gesichter, ihr Blick wurde vielmehr von Überschriften, der Suche oder Call-to-Action-Buttons angezogen, wie das Beispiel einer Landing Page von Levi’s (Bild Mitte) zeigt.

Auch die Annahme, dass wir uns als soziale Wesen mit anderen Menschen identifizieren und daher ihrer Blickrichtung auch auf einer Website folgen, ließ sich nicht ohne Weiteres bestätigen. Auf etlichen Sites schweiften die Blicke der Probanden ab. Andere Design-Kniffe, die vermeintlich als Blickfang wirken, ließen sich ebenso wenig eindeutig belegen. So ignorierten die Testpersonen beispielsweise auch große Überschriften – selbst wenn sie wie bei Canadian Railways einen Rabatt versprechen (Bild links).

Ebenso verblüfft waren die Studienautoren, dass Bezeichnungen wie „kostenlos“ oder „gratis“ keineswegs garantiert Aufmerksamkeit sichern. Nicht immer stechen solche Wörter heraus und sprechen den Nutzer an, wie die Walmart-Site zeigt (Bild rechts).

Fazit: Gesichter, große Schrift und „Gratis“-Versprechen auf der Website können, müssen aber nicht wirken. Als Allheilmittel taugen sie daher nicht. Wer es genau wissen will, muss selbst testen. cf

Weitere Bilder
comments powered by Disqus