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Die Logistik der Zukunft

Wie könnte der Online-Handel und die dazu passende Logistik 2025 aussehen? Eine DHL-Studie stellt vier Szenarien vor

Um die Welt? Welche Herausforderungen im nächsten Jahrzehnt auf die Transportwirtschaft warten könnten

Welche Veränderungen könnten in den kommenden Jahren auf die Welt zukommen? Was würde das für die Einkaufsgewohnheiten bedeuten? Und welche Auswirkungen auf die Logistik könnte das alles haben? Diesen Fragen ist die Deutsche Post DHL in ihrer Studie „Global eTailing 2025“ nachgegangen und hat vier unterschiedliche Szenarien entwickelt.

Szenario eins ist das konservativste: Die Weltwirtschaft ist moderat weitergewachsen, aufstrebende Volkswirtschaften vor allem in Asien sind treibende Kräfte. Einkaufen muss primär bequem und effizient sein. Stationärer und Online-Handel sind weitgehend miteinander verschmolzen, der Online-Handel hat je nach Region einen Anteil von 15 bis 20 Prozent. Schnelle und flexible Lieferungen an jeden gewünschten Ort sind gefordert, Expresslieferungen binnen 90 Minuten machen dem stationären Handel das Leben schwer. Der Logistikmarkt ist von starkem Wettbewerb geprägt, kleinere Anbieter setzen auf erweiterte Services wie etwa den Aufbau beim Kunden.

Szenario zwei setzt auf Wachstum: Die Weltwirtschaft hat rasant zugelegt, es gibt eine konsumfreudige globale Mittelschicht. Der E-Commerce hat einen Anteil von 20 bis 30 Prozent. Er ist geprägt von vielen Nischenplattformen mit Lifestyle-Community-Charakter. Auch das Transportvolumen ist stark gewachsen. Um dem Verkehrsinfarkt zu entgehen, ist die Zustellung vielerorts reguliert, Logistikanbieter kooperieren eng miteinander. Mehrwertleistungen sind Standard, kleinere Logistiker verfügen über großes Produktwissen und bieten entsprechende Serviceleistungen an.

Digitale Hochkultur

Szenario drei legt den Fokus auf Technologie: Das Wachstum schwankt, aber die Welt ist geprägt von einer digitalen Hochkultur. Wearables, Sensortechnik und Avatare gehören fest zum Alltag. Der Online-Anteil am Handel liegt bei 30 bis 40 Prozent. Lieferung, noch bevor der Kunde bestellt hat, ist verbreitet, die Logistik hoch automatisiert. Pakete, Packstationen und Paketkästen sind mit intelligenten Sensoren ausgestattet. Die Logistikbranche profitiert vom stark gewachsenen Retourengeschäft, die Zustellung binnen einer Stunde ist in Metropolen Standard. Szenario vier skizziert eine Kehrtwende: Eine stagnierende Weltwirtschaft lässt den Handel stark zurückgehen, die Menschen haben eine hohe Gemeinschaftsorientierung entwickelt. Persönliches Eigentum ist nicht mehr so wichtig, Leasing- und Sharing-Modelle haben große Bedeutung, ebenso Recycling und Reparaturen. Der Online-Handel hat nur einen Anteil von zehn bis 15 Prozent am Gesamthandel, die Logistiknachfrage ist kaum gewachsen. Stattdessen bieten viele Logistiker standardmäßig Reparatur- und Wartungsservices an sowie eine Ersatzteillogistik. Der Transportmarkt ist stark regional geprägt.

Klar ist: Keines dieser vier Szenarien wird so eintreten. Die Studienautoren erheben auch nicht den Anspruch, die Zukunft vorauszusagen. Ziel ist vielmehr, den Blick für neue Sichtweisen zu öffnen und eine Diskussion anzustoßen. ❚

Christiane Fröhlich

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