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Einfach mobil machen

Mobile Shopping boomt. Falls noch nicht geschehen, sollten Webhändler ihren Webshop dringend für die mobile Kundschaft optimieren. Das geht auch mit einfachen Mitteln

Kein Händler würde in einem Ladenlokal Ware so weit oben platzieren, dass nur Kunden, die größer als 1,75 Meter sind, an diese herankommen. Schließlich soll es der Kunde so einfach wie möglich haben, im Shop einzukaufen. Genau aus diesem Grund sollten Händler ihren Online-Shop nicht nur für die Nutzung auf Desktop-PCs und Notebooks optimieren, sondern auch dafür sorgen, dass Kunden via Smartphone und Tablet komfortabel bei ihnen einkaufen können. Denn längst sind mobile Shopper keine Seltenheit mehr, wie eine aktuelle Bitkom-Studie belegt. Ihr zufolge nutzen bereits 27 Prozent der Online-Shopper ein Smartphone oder einen Tablet-PC.

Unterschiede zwischen Online- und Mobile Shop

Mit einem Smartphone oder einem Tablet zu shoppen unterscheidet sich grundlegend von der Nutzung eines Online-Shops auf einem Desktop-PC. Das Display ist deutlich kleiner, eine Tastatur nicht verfügbar, statt mit einer Maus klickt man per Touchscreen auf die Buttons. Nicht zu vergessen: Ist gerade kein WLAN-Netz verfügbar, ist die Internet-Verbindung zudem oft noch deutlich langsamer. All diese Faktoren sorgen dafür, dass ein Shop zwingend für die Nutzung auf solchen Endgeräten optimiert werden muss.

Um Smartphone- und Tablet-Kunden eine mobile Version des eigenen Shops anbieten zu können, haben Webhändler mehrere Möglichkeiten. Als Königsweg feiern Internet-Agenturen derzeit Responsive Design. Damit ist ein zentrales Template gemeint, welches das Shopdesign automatisch an das Endgerät des Kunden anpasst. Eine zweite Variante ist eine spezielle mobile Version des Online-Shops. Ruft ein Smartphone-Kunde die eigene Shop-Seite auf, leitet ihn eine Browser-Weiche automatisch um oder fragt ab, welche Shop-Version er nutzen will. Die dritte Möglichkeit ist eine native App, welche die Smartphone- und Tablet-Nutzer in jeweils für ihre Systeme angepassten Versionen installieren können.

Produktsuche von zentraler Bedeutung

Egal, welchen Weg Händler letztendlich für die Erstellung ihres mobilen Shops wählen: Ob dieser Shop von den Smartphone- und Tablet-Kunden auch angenommen wird und eine entsprechend gute Konversionsrate erzielt, hängt von einem entscheidenden Faktor ab: der Usability. Wer mit seinem Smartphone auf Shopping-Tour geht, stöbert meist nicht, sondern sucht gezielt nach Produkten. Der Grund dafür liegt auf der Hand: In unterschiedlichen Kategorien zu navigieren und sich durch lange Produktlisten zu scrollen, ist aufgrund der geringen Display-Größe nicht sehr komfortabel. Deshalb müssen die Mobile Shopper schnell zu den Produkten geführt werden, für die sie sich interessieren. Eine besonders wichtige Aufgabe erfüllt dabei eine intelligente Produktsuche, die im Mobile Commerce sogar von noch größerer Bedeutung ist als im klassischen Online-Handel. Das Suchfeld sollte auf der Startseite prominent platziert werden und dem Nutzer sofort ins Auge fallen. Da es für Kunden extrem mühselig ist, per Touchscreen lange Texte einzugeben, sollte die Suche unbedingt eine Autovervollständigung anbieten und fehlertolerant sein. Auch die Ergebnisliste nach einer Suche muss für die mobilen Kunden komfortabel nutzbar sein. Hilfreich sind hier spezifische Kategorien-Filter, mit denen die Auswahlliste so weit eingeschränkt wird, bis nur noch die Produkte angezeigt werden, die für den Kunden relevant sind.

Auch wenn die Navigation über Kategorien von den mobilen Kunden nur selten genutzt wird, muss sie trotzdem angeboten werden. Diese Produktkategorien permanent eingeblendet zu lassen macht aber auf einem Smartphone wenig Sinn. So blockiert man den ohnehin knappen Platz auf den Displays. Als Standard etabliert hat sich inzwischen ein prominent platzierter Menü-Button, mit dem eine Auswahlliste aufgerufen wird, über die der Kunde seine Wunschkategorie anklickt.

Lange Ladezeiten sind die größten Konversionskiller

Eines der größten Ärgernisse für mobile Shop-Kunden sind die mitunter langen Ladezeiten, die durch eigene Aktionen wie zum Beispiel das Aufrufen einer Produktdetailseite ausgelöst werden. Die Performanz der Internet-Verbindung ist bei Smartphones und Tablets meist geringer als bei stationären PCs. Zudem kann die Geschwindigkeit unterwegs auch noch schwanken. Jede Sekunde, die der Nutzer warten muss, bis er mit dem Shoppen fortfahren kann, erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass er den Kauf abbricht. Das komplette Shop-Frontend eines mobilen Shops muss deshalb gestrafft und in Bezug auf die Ladezeit optimiert werden. Das bedeutet: Grafiken und Banner mit großem Datenvolumen sind tabu. Bei Produktbildern muss hingegen ein Kompromiss gefunden werden. Zwar sollten auch diese keine XXL-Auflösung mitbringen, aber dennoch eine ausreichend gute Qualität bieten, um das Produkt ansprechend zu illustrieren.

Kaufabbrüche senken mit Express-Check-out

Kaufabbrüche drohen beim mobilen Shoppen vor allem beim Check-out, und das direkt aus mehreren Gründen. Hier lässt es sich nicht vermeiden, dass der Kunde Text eingeben muss. Auf eine Lieferanschrift kann schließlich kein Händler verzichten. Ansonsten gilt jedoch: Je kürzer und straffer der Check-out organisiert ist, desto wahrscheinlicher ist ein Kaufabschluss. Auf Abfragen, die nicht unbedingt nötig sind, sollte daher verzichtet werden. Händler, die plakativ kommunizieren, dass Kunden bei ihnen den Einkauf innerhalb kürzester Zeit abschließen können, vermeiden unnötige Kaufabbrüche. Die beste Konversion verspricht ein Express-Check-out ohne Registrierungspflicht, beispielsweise über Paypal oder Amazon-Checkout.

Der Check-out ist nicht nur wegen der Dateneingabe und der nötigen Abfragen ein Nadelöhr. Viele Kunden springen hier in letzter Minute ab, da sie keine Zahlungsart auswählen können, die ihnen zusagt. Spätestens seitdem die NSA zugegeben hat, dass sie Angela Merkels Mobiltelefon abgehört hat, haben Verbraucher Hemmungen, auf ihrem Smartphone sensible Daten wie Kreditkarteninformationen oder eigene Kontodaten für eine Zahlung per Lastschrift einzutragen. Deutlich beliebter sind Zahlungsarten wie der Rechnungskauf oder auch Paypal, bei denen die Eingabe der eigenen Adresse oder die Eingabe von Benutzernamen und Passwort genügen, um die Bezahlung abzuschließen. Das lästige Aufstehen von der Couch, um die Kreditkartendaten zu suchen, oder das Eintippen der Daten inmitten von Menschentrauben entfällt. ❚

Markus Siek


Test: Fit für Mobile Commerce?

Folgende Kriterien sollten Sie in einem ausführlichen Test prüfen

• Wie nutzerfreundlich ist Ihr mobiler Shop?

• Wie sieht das Shop Frontend auf unterschiedlichen Geräten wie iPhone oder Galaxy Tab 3 aus?

• Wie ändert sich das Layout, wenn der Kunde sein Smartphone oder Tablet hochkant oder quer hält?

Auf der Website www.responsive.cc lässt sich dies ganz einfach testen: Die Shop-URL eingeben, und schon lässt sich die Ansicht der eigenen Website auf diversen unterschiedlichen Smartphones und Tablets simulieren.


Mobile ist definitive angekommen

Johannes Altmann

Gründer und Geschäftsführer des E-Commerce-Beratungsunternehmens Shoplupe.com

www.shoplupe.com

Warum weniger bei mobilen Shops oft besser ist als mehr, erklärt Usability-Experte Johannes Altmann.

Herr Altmann, wie gut sind Ihrer Meinung nach die deutschen Online-Shops schon auf den Mobile Commerce eingestellt?

Johannes Altmann: Die Potenziale von Mobile Commerce wurden ja schon vor Jahren gepredigt. Shop-Betreiber, die damals investiert hatten, waren sicherlich zu früh dran. Dadurch waren viele Shops sehr zögerlich und haben das Thema lange vor sich hergeschoben. Wir haben aktuell sehr viele Projekte zu mobilen und responsiven Shops. Je mehr das Sortiment Produkte rund um „Hobby und Freizeit“ anspricht, desto höher ist der mobile Anteil, teilweise schon 50 Prozent vom Umsatz. Mobile ist damit definitiv angekommen.

Welche Faktoren sind am wichtigsten, damit Kunden mit ihrem Smartphone bequem shoppen können?

Altmann: Endlich ist das „Weglassen“ tatsächlich eine sinnvolle Usability-Optimierung. Smartphone-Shoppen ist häufig Zielkauf, Tablet-Shoppen ist Stöbern. Beim Zielkauf muss ich das Produkt finden, eine Kaufentscheidung treffen und schnell zahlen können. Funktionen wie Merkliste, Produktbewertung, Produktvergleich etc. sind für das Smartphone unsinnig. Ein Tablet ist zwar ein ähnliches Gerät, aber die Nutzung und die Shopping-Situation sind vollkommen anders. Der User hat mehr Zeit, stöbert mehr, spielt mehr und braucht ein besseres Einkaufserlebnis.

Macht es für Shop-Betreiber Sinn, zugunsten von mehr Übersichtlichkeit das mobile Angebot zu begrenzen?

Altmann: Ich finde schon, dass man die Artikel vorsortieren sollte, denn das Stöbern und Blättern auf dem Handy macht nun mal wenig Sinn. Dabei ist aber die richtige Reihenfolge der Artikel schon entscheidend und hilfreich. Komplett weglassen würde ich allerdings keinen Artikel.


Serie: Quick Wins für den Mobile-Commerce-Erfolg

Welche Faktoren für den mobilen Erfolg entscheidend sind und wie der eigene Shop fit für Mobile Commerce wird, erfahren sie in dieser zweiteiligen Serie.

Folge 1: Erfolgsfaktoren für den mobilen Webshop (Ausgabe 12/2014)

Folge 2: Strategien und Tools, wie Ihr Shop schnell mobil wird (Ausgabe 13/2014)

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