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Frust mit Netzwerken

Wer einen Youtube-Kanal vermarkten lässt, muss aufs Kleingedruckte achtenüber

Simon Unge ist ein Youtube-Star. Der Themenkanal „Ungespielt“, auf dem der 24-Jährige Video-Sequenzen von Online-Games veröffentlicht, gehört mit stolzen 32 Millionen Klicks pro Monat zu den reichweitenstärksten deutschen Angeboten auf Youtube. Kurz vor Weihnachten kündigte Unge das Ende seiner Zusammenarbeit mit dem Vermarktungsnetzwerk Mediakraft an – standesgemäß per Video-Botschaft. Eine Konsequenz aus dem Bruch mit dem Vermarkter: „Ungespielt“ wird geschlossen. Ein möglicher Grund: Unges Vertrag mit dem Vermarkter, der die Millionen Klicks monetarisieren soll.

Die Verträge der großen Netzwerke können in vielen Fällen als Knebelverträge bezeichnet werden. Zahlreiche Klauseln sind nicht transparent, da diese häufig viel zu schwammig formuliert sind. Nicht wenige sind schlicht unwirksam. Vor Vertragsunterzeichnung sollte man als Content-Lieferant daher auf wichtige Schlagworte wie Exklusivität und Transparenz, Rechte und Leistungen sowie auf Vergütung und Laufzeit achten.

Nach Abschluss eines Vertrags mit einem Youtube-Netzwerk ist der Youtuber in der Regel nicht befugt, weitere Kontrakte über seine Kanäle und Videos abzuschließen. Auch hier fehlt oftmals die gebotene Transparenz der Vertragsklauseln. Es empfiehlt sich, in solchen Vereinbarungen die Regelungen zum Mitspracherecht und der Entscheidungsbefugnis genau zu prüfen, damit die eigene kreative Freiheit nicht begrenzt wird.

Eindeutige Formulierungen im Vertragswerk sind entscheidend. Der Wortlaut „nach billigem Ermessen“ ist zum Beispiel nicht hinreichend bestimmt. Wenn das Netzwerk dem Youtuber ein Zustimmungsrecht einräumt, muss dies vertraglich fixiert werden.

Als Content-Anbieter sollte man auch die Vergütung im Auge behalten. Netzwerke lassen sich allzu häufig ihre Leistungen zu hoch vergüten. Der Youtuber sollte darauf bestehen, die tatsächlichen Werbeeinnahmen einsehen zu dürfen, denn Transparenz schafft Vertrauen.

Eine Kündigungsfrist von mehr als drei Monaten sollte nicht akzeptiert werden. Dies gilt insbesondere für befristete, sich automatisch verlängernde Verträge. ❚

Christian Solmecke


Abmahnung wegen Facebook Like Button

Sabine Heukrodt-Bauer LL.M.

Rechts- und Fachanwältin für Informationstechnologierecht in Mainz

www.res-media.net

Falsche Datenschutzinformationen zum Like Button vom Facebook berechtigen nicht zur Abmahnung (Landgericht Frankfurt, Urteil vom 16.10.2014, Az.: 2-03 O 27/14).

Ein Online-Händler hatte in der Datenschutzerklärung informiert, dass er keine personenbezogenen Daten an Dritte weitergebe. Gleichzeitig war im Shop jedoch der Facebook Like Button installiert. Der Händler erhielt daraufhin eine Abmahnung, da das Plug-in ohne Einverständnis der Nutzer Daten an Facebook übertrage und die Datenschutzerklärung fehlerhaft sei.

Das Landgericht Frankfurt hat – ohne inhaltlich auf die Datenschutzerklärung und deren Fehlerhaftigkeit einzugehen – bereits einen Verstoß gegen eine wettbewerbsbezogene Norm verneint. Paragraf 13 Telemediengesetz, der die Informationspflicht beim Datenschutz normiert, sei keine Vorschrift, die dazu bestimmt sei, im Interesse der Marktteilnehmer das Marktverhalten zu regeln.

Die Rechtsprechung ist uneinheitlich. So hatte das Oberlandesgericht Hamburg zuletzt gegenteilig entschieden (Urteil vom 27.06.2013, Az.: 3 U 26/12). Datenschutzinformationen sollten daher korrekt sein und den Einsatz etwaiger Plug-ins berücksichtigen.


Darauf müssen Sie achten:

• Bei Verträgen mit Vermarktungsnetzwerken sind eindeutige, transparente Formulierungen wichtig.

• Eine Kündigungsfrist von mehr als drei Monaten sollten Sie nicht akzeptieren.

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