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Flexibilität mit Webhosting in der Cloud

Nur zahlen, was gebraucht wird. So lautet das Versprechen von Cloud Hosting

Beim Webhosting geht der Trend zur Cloud: Cloud Hosting ermöglicht es, dass immer ausreichend Serverkapazitäten zur Verfügung stehen und zudem nicht zu viele und unnötige Leistungen bezahlt werden. Die Webpräsenz lässt sich so jederzeit fast beliebig um Rechenkapazität und Speicherplatz erweitern. Und wenn die Unternehmen die Volumina nicht mehr benötigen, können sie einfach abbestellt werden und müssen nicht mehr bezahlt werden.

Damit eine Webpräsenz Bedarfsspitzen abfangen kann, wird bislang oft ein deutlich größeres und performanteres Webhosting-Paket gebucht als benötigt wird. So sitzen die Unternehmen die meiste Zeit auf überflüssigen Serverkapazitäten und zahlen für ungenutzte Ressourcen. Eine Alternative ist, dass ein Unternehmen nur die Ressourcen bucht, die es im Regelfall benötigt. Bei Lastspitzen kann es dann aber passieren, dass die Webpräsenz nicht verfügbar ist. Und dann wird man doppelt abgestraft: Die Seitenbesucher bleiben weg, und auch Google lässt unter Umständen eine Webseite in den Suchergebnissen weit nach hinten rutschen.

Es ist gar nicht so einfach, sich für ein genau den eigenen Anforderungen entsprechendes Webhosting-Paket oder Server zu entscheiden. Denn es ist schwierig vorauszusehen, wie die Anforderungen exakt aussehen werden. Welche Serverkapazitäten benötigt werden, zeigt sich meist erst in der Praxis. Ein Problem ist zudem, dass die Performance, die gebraucht wird, mitunter von Tag zu Tag variiert.

Hier schafft Cloud Hosting Abhilfe. Firmen mieten ihre Webpräsenz nach Bedarf und bezahlen für die Leistung, die sie pro Stunde in Anspruch genommen haben. Anstatt für ein ganzes Jahr einen üppigen Arbeitsspeicher oder eine hohe CPU-Leistung zu buchen und zu bezahlen, wird das Webhosting-Paket mehr oder weniger in Echtzeit entsprechend den aktuellen Anforderungen skaliert.

„Pay as you use“ heißt das Zauberwort. Bezahlt wird nur, was wirklich gebraucht wird: Wird eine Webseite oder ein Webshop häufig besucht, fallen höhere Kosten für das Webhosting an. Wenn weniger Besucher kommen, kostet auch das Webhosting weniger.

Von den Kostenvorteilen beim Cloud Hosting profitiert jedoch nur, wer mit den zubuchbaren Leistungen gut haushaltet und sie nur abruft, wenn sie benötigt werden. Sonst kommt es wie beim herkömmlichen Hosting zu ungenutzter Rechenleistung mit den entsprechend hohen Kosten.

So funktioniert’s

Cloud Hosting bedeutet, dass eine Webpräsenz nicht auf einem einzigen realen Server liegt, sondern auf einem virtuellen Server, der auf einer Hardware-Plattform installiert ist. Auf dieser IaaS-Plattform (Infrastructure as a Service) buchen Unternehmen im laufenden Betrieb je nach Bedarf oder zeitgesteuert Ressourcen wie Prozessoren, Speicherplatz oder Arbeitsspeicher hinzu – oder umgekehrt.

Man spricht hier meist nicht von Servern, sondern von Instanzen. Ein virtualisierter Server ist sozusagen eine Instanz. Auf einer Instanz läuft ein Linux-oder Windows-System, auf das man vollen Root-Zugriff hat. Darauf können beliebig viele Dienste installiert werden.

Ressourcen automatisch anpassen Einige Anbieter skalieren die Ressourcen je nach Anforderungen sogar automatisch. Man spricht hier von Auto Scaling: Wenn eine Webpräsenz gerade besonders häufig abgerufen wird und die Server-Last stark steigt, dann werden beim Auto Scaling automatisch mehr Prozessorkerne und Arbeitsspeicher zugeschaltet.

Instanzen einfrieren Je nach Anbieter lassen sich Dutzende Instanzen anlegen und bei Bedarf wieder „einfrieren“. Das bedeutet, dass eine momentan nicht benötigte Instanz beziehungsweise ein Server deaktiviert wird – die Daten bleiben erhalten, aber der Server ist nicht verfügbar. Wird eine eingefrorene Instanz wieder gebraucht, dann lässt sie sich binnen Minuten reaktivieren. Für eingefrorene Instanzen fallen deutlich geringere Kosten an als für aktive Instanzen. So lässt sich zum Beispiel zu Testzwecken eine Kopie des Webservers erstellen, mit der dann herumexperimentiert werden kann. Wenn man den Testserver gerade nicht braucht, dann friert man ihn kostengünstig ein.

Public Cloud vs. Private Cloud Für das Cloud Hosting kommt bei den meisten Anbietern eine Public Cloud zum Einsatz: Der Webhosting-Anbieter stellt umfangreiche Hardware-Ressourcen bereit. Alle Kunden teilen sich gemeinsam eine große Cloud-Umgebung.

Cloud Hosting lässt sich aber auch in einer Private Cloud realisieren. Hierbei nutzt jeder Kunde eines Hosting-Anbieters seine eigene Infrastruktur. Das ist zwar etwas teurer, aber die Daten liegen dafür auch auf eigenen Servern.

Abrechnungsmodelle

Die Abrechnungsmodelle beim Cloud Hosting unterscheiden sich grundlegend von denen des herkömmlichen Webhostings, bei dem in der Regel ein monatlicher Festpreis für ein Shared-Hosting-Angebot oder einen dedizierten Server bezahlt wird. Beim Cloud Hosting werden für jede Instanz die tatsächlich benötigten Ressourcen wie CPU-Leistung, Arbeitsspeicher oder Festplattenspeicher sekunden-, minuten-oder stundengenau abgerechnet. Meist erfolgt die Abrechnung stundenweise.

Ein Beispiel: Bei der Jiffy Box von Domainfactory kostet eine Serverinstanz in der kleinsten Ausbaustufe mit drei Prozessorkernen, 2 GByte Arbeitsspeicher und 75 GByte Festplattenspeicher 2 Cent pro Stunde beziehungsweise 14,88 Euro im Monat (31 Tage). Eingefroren kostet die Instanz 0,5 Cent pro Stunde.

Wird etwas mehr Leistung benötigt, kostet die Jiffy Box in der zweitkleinsten Ausbaustufe mit vier Prozessorkernen, 4 GByte RAM und 150 GByte Festplattenspeicher 0,04 Euro pro Stunde oder 29,76 Euro pro Monat. Eingefroren fällt 1 Cent pro Stunde an.

Die Technik dahinter

So unterschiedlich die Produkte beim Cloud Hosting sind, so unterschiedlich sind auch die technischen Umsetzungen. In diesem Abschnitt zeigen wir den technischen Aufbau des Cloud Hostings am Beispiel der Jiffy Box des Webhosting-Anbieters Domainfactory.

Hard- und Software Als Host-Systeme setzt Domainfactory sogenannte Blade-Server ein. Blade-Server sind im Gegensatz zu Rack-Servern keine vollwertigen Rechnereinheiten. Sie enthalten nur einzelne Baugruppen eines Servers. Blade-Server werden in ein entsprechendes Gehäuse geschoben, das Backplane. Es übernimmt zum Beispiel die Stromversorgung und stellt weitere Systemfunktionen zur Verfügung. Die Blade-Server von Domainfactory sind jeweils mit zwei stromsparenden 4-Kern-Prozessoren bestückt, die auf Intels Nehalem-Architektur basieren. Hinzu kommen viele Gigabyte Arbeitsspeicher und sechs angeschlossene SAS-Festplatten (Serial Attached SCSI). Für ausreichend Performance sorgt RAID 10. RAID steht für „Redundant Array of Independent Disks“ (redundante Anordnung unabhängiger Festplatten). Die zugehörigen Blade Center verfügen über vier redundante Netzteile. Strom beziehen sie über zwei getrennte unterbrechungsfreie Stromversorgungen.

Domainfactory nutzt als Host-System die Virtualisierungs-Software Xen, die um eigene Patches erweitert wurde. Der Anbieter betreibt für jede Festplatte einer Instanz ein eigenes Block Device. Damit wird das Dateisystem einer Jiffy Box nicht mit anderen Instanzen geteilt. Für die Netzwerkinfrastruktur kommen Switches und Router von HP und Cisco zum Einsatz.

Backups und Speicherplatz Wenn ein Backup angelegt oder eine Instanz eingefroren wird, dann erstellt Domainfactory jeweils auf Blockebene ein komplettes Image der Festplatte. Das lässt die Datenmenge zwar anwachsen, hat gegenüber einer dateibasierten Sicherung aber den Vorteil, dass die vielen Daten auf den Festplatten nebeneinander liegen und schnell sequenziell gelesen werden können.

Der hohe Bedarf an Speicherplatz wird durch Storage Pods abgedeckt. Dabei handelt es sich um Speicherserver, die jeweils über 18 TByte umfassen und als Cluster zusammengeschaltet sind. Sämtliche Daten werden immer zweifach und auf unterschiedlichen Storage Pods abgelegt. Als Software wird Hadoop FS genutzt.

Control Panel Das Bediencenter für die Jiffy Box wird mit einer Reihe von Servern und Technologien umgesetzt – etwa im Backend mit Lighttpd als Webserver und Postgres-Datenbanken sowie im Frontend mit den Techniken JQuery und JSON.

Das Cloud-Hosting-Angebot ist vor allem eines: unübersichtlich. Und nicht überall, wo Cloud draufsteht, ist auch wirklich Cloud drin. So gibt es etwa von 1Blu die Cloud Homepage. Dabei handelt es sich um ein herkömmliches Webhosting-Paket, das sich mehr oder weniger flexibel konfigurieren lässt. Die Abrechnung erfolgt bei der Prozessorleistung beispielsweise tageweise.

Welcher ist nun der richtige Dienstleister? Die Tabelle dient als erste Orientierung. Die Angebote sind jedoch zu unterschiedlich, um sie vergleichen zu können. Vor Vertragsabschluss sollten Unternehmen daher den Leistungsumfang der Anbieter sowie das Kleingedruckte genau studieren.

Wer in Zeiten staatlicher Schnüffelaktionen seine Daten ausschließlich auf Servern in Deutschland ablegen will, hat nur eine sehr eingeschränkte Auswahl.

Besonderes Augenmerk sollte auf die Verfügbarkeit gelegt werden: Welchen Leistungsumfang regeln die Service Level Agreements (SLA)? Welche Verfügbarkeit wird garantiert und welche Kompensation erhalten Sie, wenn die SLAs nicht eingehalten werden?

Host Europe rechnet damit, dass künftig auch mehr E-Commerce-Anbieter auf Cloud-Lösungen setzen werden. Sebastian Bluhm, Vorstand der Profihost AG, differenziert: Shops, die noch nicht so viele Besucher haben, nutzen klassische Shared-Hosting-Lösungen, weil für sie der Preis meist die wichtigste Rolle spielt. Sobald ein Online-Händler wächst und ein eigenes Serversystem benötigt, steht er vor der Entscheidung: Managed Server im klassischen Hosting oder Cloud Server? „Bei unseren Serverbestellungen macht der Anteil der Flexserver mehr als 95 Prozent aus“, erklärt Bluhm.

Konstantin Pfliegl


Glossar

Dediziertes Hosting

Beim dedizierten Hosting mieten Sie einen eigenen Server für Ihre Webpräsenz. Das hat den Vorteil, dass Ihnen je nach gewähltem Server eine Menge Performance zur Verfügung steht, die Sie mit keinem anderen Kunden zu teilen brauchen. Zudem haben Sie vollen Root-Zugriff auf den Server und können ihn nach Belieben konfigurieren. Dafür kostet ein dedizierter Server auch deutlich mehr als ein Shared-Hosting-Paket. Sie zahlen je nach Hardware-Ausstattung zwischen 50 und mehreren Hundert Euro pro Monat.

Der Nachteil: Sie sind selbst nicht nur für die Konfiguration des Servers verantwortlich, sondern auch für dessen Sicherheit. Es ist Sache Ihres Administrators, den Server mit aktuellen Sicherheits-Updates zu versorgen und ihn sicher zu konfigurieren.

Managed Server

Ein Sonderfall sind sogenannte Managed Server: Hier steht Ihnen ebenfalls ein eigener Server mit allen seinen Ressourcen zur Verfügung. Um die Konfiguration und die Sicherheit kümmert sich aber der Webhosting-Anbieter. Dafür haben Sie aber meist keinen Root-Zugriff auf den Server und können nicht alle Funktionen nutzen.


Glossar

Beim klassischen Webhosting mieten Firmen einen festen Webspeicherplatz auf einem Server zusammen mit Hunderten weiterer Kunden (Shared Hosting oder Virtual Hosting) oder gleich einen eigenen dedizierten Server (Dedicated Hosting).

Shared Hosting

Für Shared Hosting sprechen vor allem Kostengründe. Dank der Nutzung eines Servers durch Hunderte von Kunden sinkt der Preis für jeden Kunden deutlich. Nachteile dieser preiswerten Lösung sind meist eine geringere Performance und eingeschränkte Funktionen und Zugriffsmöglichkeiten. So stehen Ihnen für die Konfiguration Ihrer Webpräsenz nur die Weboberfläche des Webhosting-Anbieters und je nach Tarif ein eingeschränkter SSH-Zugang(Secure Shell) zur Verfügung.Beim Shared Hosting garantiert der Webhosting-Anbieter meist nur die Größe des Speicherplatzes, die Anzahl der Datenbanken und die Höhe des Inklusiv-Traffics, meist handelt es sich ohnehin um eine Flatrate. Bei einigen Tarifen, etwa von 1&1, wird sogar die Größe des Arbeitsspeichers garantiert. Ein solches Webhosting-Paket mit ordentlicher Ausstattung bekommen Sie bereits für wenige Euro pro Monat.

Virtual Server

Ein virtueller Server ist eine Mischung aus Shared Hosting und dediziertem Server (siehe Glossar Seite 34). Dabei teilen sich zwar auch mehrere Kunden einen Server, jedem Kunden steht aber eine eigene Betriebssystem- und Software-Umgebung mit fest definierter Hardware-Ausstattung und vollem Root-Zugriff zur Verfügung. Einen solchen Virtual Server gibt es bereits ab rund 10 Euro pro Monat.

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