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Angriff auf Google

Amazon startet ein Äquivalent zu Google Adwords. Marken sollten das Format im Auge behalten – und Amazon-Verkäufer die Gunst der Stunde nutzen

Den Rang als erste Anlaufstelle bei der Produktsuche hat Amazon Google bereits abgelaufen (siehe Chart). Jetzt wildert der E-Commerce-Riese, auch im Anzeigengeschäft von Google. Unter dem Dach der Amazon Marketing Services startet Amazon mit den „Sponsored Search Ads“ zusätzlich zu den schon länger verfügbaren eCommerce Ads ein Äquivalent zu den Search- und Google-Shopping-Anzeigen des Suchmaschinen-Riesen.

Bei 100 Euro geht es los

Über die „Sponsored Search Ads“ können Amazon-Handelspartner Kampagnen auf Keywords und Produkte buchen, die potenzielle Kunden in das Suchfeld bei Amazon eingeben. Ihre Anzeige erscheint dann über der normalen Suchergebnisliste. Voraussetzung für die Buchung von Sponsored Search Ads ist, dass Amazon-Partner einmalig und kostenfrei eine Amazon Page einrichten, auf die die Sponsored Search Ads dann verlinken. Wie Amazon betont, können Kampagnen schon für ein monatliches Budget von 100 Euro gebucht werden. Abgerechnet wird auf Cost-per-Click-Basis ab 20 Cent pro Klick. Da jedoch immer nur eine Anzeige ausgespielt wird, wird die Konkurrenz um umsatzstarke Keywords schnell zunehmen.

Insbesondere Marken sollten sich mit dem neuen Werbeformat auf Amazon auseinandersetzen. Auch wenn der Handelsriese selbst beteuert, dass der Markenschutz gewahrt bleibt, hat der E-Commerce-Berater Markus Fost von der Management-Beratung Fostec auf Amazon ein Beispiel gefunden, bei dem bei der Suche nach dem Markennamen „Brita“ die Werbeanzeige des Wasseraufbereitungsspezialisten BWT eingeblendet wird – mit der Headline: „Entdecken Sie den Shop von BWT – Europas Nr. 1 in der Wasseraufbereitung.“ Fost zweifelt nicht daran, dass solch ein Jagen in fremden Gefilden den Verkauf fördert: „Unseren Schätzungen zufolge kann eine solche Anzeige bis zu 30 Prozent des Keyword-Traffics von der Suchergebnisliste abziehen, da die Visibilität sehr hoch ist“, sagt er.

Und selbst wenn Kunden nicht gezielt nach einer Marke, sondern nach einer Produktkategorie wie beispielsweise „Wasserfilter“ suchen, sind Marken, die ihr Umsatzniveau auf Amazon halten wollen, künftig fast gezwungen, gängige Suchanfragen mit entsprechenden Kampagnen abzufangen. Tun sie es nicht, macht es die Konkurrenz – zumindest irgendwann. Denn noch sind sich die meisten Hersteller des Problems gar nicht bewusst, entsprechende Kampagnen sind selten. „Bosch blau nutzt Amazon AMS bereits“, weiß Fost. „Außerdem bereiten wir gerade einige AMS-Kampagnen für Hersteller zusammen mit unserem Amazon-SEO-Partner Factor A vor.“

Früh dabei sein lohnt sich

Für Händler, die auf Amazon Produkte anderer Marken verkaufen, sind die „Sponsored Search Ads“ mehr Option als Zwang. Doch nachdem die Konkurrenz in dem Bereich noch nicht groß ist, sind dies jetzt die besten Voraussetzungen, um mit dem Format zu experimentieren. „Vor allem kleine Anbieter haben gute Chancen, mit einem pfiffigen Anzeigenkonzept den Markt ordentlich durcheinanderzuwirbeln“ glaubt Frank Fischer von Adcologne. Große Händler mit eigenen Shops sehen die SEM-Profis eher weniger als Zielgruppe für Amazon: „Strategisch ist es in jedem Fall für namhafte Händler mit eigenem Webshop sinnvoller, das Werbebudget bei Partnern auszugeben, die Traffic auf die eigene Präsenz leiten, um so selbst Kundendaten zu sammeln“, betont Markus Schindler, Head of Sales & Marketing bei Hurra.com.

Dass Amazon Google zum aktuellen Zeitpunkt ernsthaft das Wasser abgraben könnte, erwartet Martin Röttgerding, Head of SEM bei Bloofusion, nicht: „Google hat 15 Jahre lang an Adwords gefeilt. In Bereichen wie Targeting, Aussteuerung, Auswertung und Automatisierung liegt Adwords weit vorne“, gibt er zu bedenken. Da habe Amazon noch Nachholbedarf.


Das steckt hinter den Amazon Marketing Services

Amazon Pages

Kostenlose Brand Page, die die Hersteller und Händler einmal bei Amazon einrichten können (Muster: www.amazon.de/brandname ). Dient als Zielseite für Links von Sponsored Search Ads und eCommerce Ads.

Sponsored Search Ads

Werden auf Keywords oder Produkte gebucht und erscheinen prominent an der Topposition der Suchergebnisliste. Buchung erfolgt auf CPC-Basis. Verlinkt auf die Amazon Page oder auf eine Seite mit mindestens drei Produkten eines Unternehmens.

eCommerce Ads

Werden auf verschiedenen Amazon-Seiten eingebunden. Die Aussteuerung der Kampagnen funktioniert nach Interessen oder Keywords. Abgerechnet wird auf Cost-per-Click-Basis. Verlinkt wird auf die Amazon Page.

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