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Einer für alle

Die EK Servicegroup ebnet ihren Mitgliedern den Weg ins Omnichannel-Zeitalter

Viele Verbundgruppen in Deutschland suchen ihn noch, den heiligen Gral für das Omnichannel-Zeitalter. Denn mit einer zentral gesteuerten Lösung alle Händler glücklich zu machen ist fast ein Ding der Unmöglichkeit. Den Kopf in den Sand zu stecken ist aber auch keine Lösung, fand zumindest Stefan Paffenholz, Multichannel-Bereichsleiter der EK-Servicegroup, einer Einkaufsgemeinschaft, in der rund 2.200 Händler im Bereich Haushaltswaren, Gartenmöbel, Spielwaren und Fashion gebündelt sind.

„Das Warenversorgungsdiktakt, von dem die Händler früher profitierten, ist längst Geschichte“, sagt Paffenholz. „Heute ist der Kunde König. Und wer als Händler mittelfristig nicht online ist, wird es schwer haben.“ Weil jedoch vor allem kleine, inhabergeführte Geschäfte nicht das notwendige finanzielle Polster haben, um online gegen die Konkurrenz aus aller Welt zu bestehen, sah es die EK Servicegroup als ihre Aufgabe an, ihren Mitgliedern den Weg ins Web zu ebnen. Statt eines Marktplatzkonzepts, wie es andere Verbundgruppen realisierten, entschied sich die Verbundgruppe für die Entwicklung einer Software-Lösung namens „myWeb“, die jedem Händler einen individuellen Auftritt im Web ermöglicht. Auf diese Weise sollen regional bekannte Händlermarken wie beispielsweise Spiel & Spass, Kaufring, Igeka oder Toy Partner auch im Web und nach Ladenschluss für ihre Stammkundschaft auffindbar sein.

Herzstück von myWeb (für Grundlayout, Konzept und Umsetzung zeichnet die Serviceplan-Tochter HMMH verantwortlich) ist der Content, der auf Geschäft, Branche und Kunden abgestimmt ist. Hierfür wurden die E-Commerce-Plattform Magento und das Redaktionssystem Typo3 über eine eigens entwickelte Schnittstelle so miteinander gekoppelt, dass ein skalierbares und zukunftssicheres Shop- und Content-Management-System im Responsive Design entstand, das zudem suchmaschinenoptimiert ist.

Schlüsselfertige Lösung

Händler können sich aus einem Baukasten mit passenden Inhalten wie Produktdaten, Beratungsinhalte, Messer-Einkaufsführer oder Mode-Trendguide bedienen. Das Aufsetzen der Händlerseiten auf der myWeb-Plattform übernimmt die EK Servicegroup in Dienstleistungsfunktion für die Händler. Sie selbst müssen dafür Bilder von ihrem Ladengeschäft sowie Informationen über Öffnungszeiten und das Logo zur Verfügung stellen. Die Sortimentsstruktur in der Hauptnavigation wird gemeinsam mit dem Händler definiert, sodass sein Stationärsortiment entsprechend kompetent abgebildet wird. Die notwendigen Rechtstexte erstellt der Händler im Zusammenspiel mit einem externen Dienstleister. Wenn alles aufgebaut ist, bekommt der Händler einen Vorschau-Link zugeschickt und gibt diesen frei. Seit Anfang Januar stellt die EK Servicegroup ihren Mitgliedern auch ein Shop-Modul zur Verfügung, das zurzeit mit 2.500 Basisartikeln gefüllt ist und um eigene Produkte ergänzt werden kann. Bestellt ein Kunde über die Händler-Website, organisiert die EK Servicegroup den Versand im Namen des Händlers via Dropshipping an den Endverbraucher aus ihrem Zentrallager in Eisenach.

Als Zielgruppe für ihre Mitglieder sieht die Verbundgruppe weniger die überregionale Online-Kundschaft als vielmehr die Stammklientel am Ort. „Unsere Händler sind in ihren lokalen Märkten bekannt, profitieren von einer hohen Stammkundenquote und einer hohen Vertrauensbasis. Der Webshop soll Stammkunden die Möglichkeit geben, auch nach Geschäftsschluss bei ihnen einkaufen zu können.“

Loyale Kunden notwendig

Doch die einst loyale Kundschaft der Platzhirsche am Ort stirbt aus: „Sicher werden es die Händler bei der nachwachsenden Generation noch schwerer haben“, gibt Paffenholz zu. „Ich sehe insgesamt eine Teilung zwischen Online-Kunden, die rein auf Rabatte abzielen, und solchen, die in fünf bis zehn Jahren in den Ruhestand gehen und denen ihre Freizeit viel wert ist. Und genau die wollen wir als Verbundgruppe ansprechen.“

Dass ihr Online-Shop zumindest bei der Stammklientel bekannt wird, dafür müssen die Händler selbst sorgen. Und genau da liegt oft auch das Problem. Die weitere Pflege der einmal erstellten Seite ist ebenfalls für den Erfolg notwendig, bleibt im Arbeitsalltag der Händler aber gern auf der Strecke. Dabei könnten Händler den Pflegeaufwand beispielsweise dadurch minimieren, dass sie sich in einer Region zu zweit oder dritt zusammentun und gemeinsam eine Aushilfe einstellen, die die Backend-Einträge im System übernimmt.

Insgesamt kostet die Teilnahme an myWeb für jeden Händler eine einmalige Grundgebühr von 600 Euro plus weitere 69 bis 379 Euro im Monat, abhängig vom Grad der Integration. 50 von 2.200 Händlern sind bereits in myWeb eingebunden, bis zum Jahresende sollen es 100 werden. Doch Paffenholz hat festgestellt, dass nach der ersten Begeisterung nicht immer zur Tat geschritten wird: „Viele Händler lassen sich zwar anfangs für die Idee begeistern, der Schritt bis zur tatsächlichen Vertragsunterzeichnung ist dann aber doch noch eine große Hürde.“ Trotzdem ist der Multichannel-Verantwortliche davon überzeugt, das bis zum Jahr 2017 mindestens eine bis 1,5 Millionen Euro Online-Umsatz zu erzielen sind. ❚


Das Unternehmen

Die EK Servicegroup, kurz EK, ist eine der größten Handelskooperationen Europas. Die 2.200 angeschlossenen selbstständigen, mittelständischen Händler bedienen die Geschäftsfelder Living, Comfort, Hobby, Family und Fashion und sind in diesen fünf Branchen Unternehmensangaben zufolge Marktführer in Deutschland. Zur Gruppe zählen unter anderem die Handelsgesellschaft Spiel & Spass, Kaufring oder Igeka. Der Nettoerlös lag 2014 bei 1,3 Milliarden Euro.

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