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Günstig zum Webshop

Welches Shop-System für welches Geschäftsmodell? INTERNET WORLD Business hat über 20 Anbieter nach ihrer Hauptzielgruppe und aktuellen Entwicklungen gefragt

Am Online-Handel kommt niemand mehr vorbei: Händler, die bislang „nur“ ein stationäres Geschäft hatten, suchen nach Wegen, um auch online präsent zu sein. Hersteller und Marken, die ihre Produkte bislang indirekt über den Handel vertrieben haben, gehen nun in den direkten Kundenkontakt über das Web. Und im Handel zwischen Unternehmen, dem Business-to-Business(B2B)-Geschäft, verlagern sich die Einkaufswege ebenfalls zunehmend ins Internet.

Alle Anbieter benötigen für den Online-Verkauf eine Shop-Software, doch vor dem Kauf stellen sich viele Fragen: Welche Lösung ist am besten geeignet? Ist es sinnvoll, auf eine Eigenentwicklung zu setzen? Welche langfristige Strategie wird mit dem Online-Vertriebskanal verfolgt und was bedeutet das für die Wahl des Shop-Systems?

Die Mehrheit der Online-Shops setzt noch immer auf eine Eigenentwicklung, hat das Kölner EHI Retail Institute in der Anfang 2015 erschienenen Studie „Shopsysteme in Deutschland“ festgestellt. Neben den Eigenentwicklungen haben die Studienautoren bei den deutschen Top-1.000-Shops 69 verschiedene Shop-Systeme gefunden. Das zeigt: Der Markt für Shop-Software ist groß und unübersichtlich. INTERNET WORLD Business hat deshalb insgesamt 22 Shop-Software-Anbieter befragt, für welche Geschäftsmodelle und für welche Shop-Größe ihre Lösung besonders geeignet ist.

Die Ergebnisse der Befragung werden in einer zweiteiligen Serie in dieser und in der nächsten Ausgabe (16/2015) vorgestellt. Die beiden Artikel enthalten keine Bewertung des Funktionsumfangs. Die Anbieter sind alphabetisch gelistet. Der erste Teil in diesem Heft listet Lösungen für kleine und mittelständische Unternehmen auf. In der folgenden Ausgabe geht es um Enterprise-Lösungen: Unterscheidungskriterien waren hier die von den Unternehmen angegebene Zielgruppe sowie der durchschnittliche Einstiegspreis.

Wer beabsichtigt, ein Shop-System für kleine und mittelständische Unternehmen zu kaufen, kann auf Ecomparo.de die Funktionen angeben, die der Shop erfüllen soll, und erhält dann eine Auswahl an Anbietern. Lesen Sia dazu auch das Interview mit Alexander Hofmann auf Seite 29. Aus den Ergebnissen der Befragung geht auch hervor, woran die Anbieter gerade arbeiten. Hier ein schneller Überblick:

Commercetools sieht den Schwerpunkt der Lösung „Commercetools Platform“ (vormals Sphere.io) im Bereich Omnichannel Business-to-Consumer (B2C). Die Lösung „kann in allen denkbaren E-Commerce-Szenarien eingesetzt werden – vom Online-Shop, über Smartphones und Wearables bis hin zum Ladengeschäft“, sagt Christian Müller, Head of Global Marketing & Communications bei Commercetools.

Anfang des Jahres hatte sich Zaunz Publishing in Cosmoshop unbenannt. Gleichzeitig hatte sich das Unternehmen auch als Agentur des Lösungsanbieters Shopware positioniert und damit ein zweites Shop-System ins Portfolio aufgenommen. Kunden können nun wählen, welche Lösung besser zum jeweiligen Projekt passt: Shopware oder Cosmoshop. Im Juni 2015 kam das Major Release „Cosmoshop 11“ heraus. Diese neue Version bringt jetzt Online-Shops mit Responsive Design auf unterschiedliche Bildschirmgrößen.

Ein Schwerpunkt bei E-Matters ist das Vorantreiben der Digitalisierung am Point-of-Sale, um die Verknüpfung der Kanäle zu ermöglichen. Zudem soll für die spezifischen Anforderungen im B2B-Geschäft das Modul für Customer Relationship Management (CRM) erweitert werden. Der Anbieter der „eCommerce Suite“ ist außerdem im Gespräch mit Agenturen, um andere Shop-Systeme über Konnektoren an eigene Module anzudocken.

Um die Vernetzung und das Öffnen der eigenen Software für Dritte geht es bei ePages. Voraussichtlich im September 2015 startet ein App Store, über den Online-Händler weitere Anwendungen hinzukaufen können. Neu ist auch ein „Theme Store“, in dem ab dem dritten Quartal 2015 Gestaltungsvorlagen für Online-Shops zur Verfügung stehen. Im ersten Quartal 2016 wird ePages einen komplett neuen Storefront-Editor im Responsive Design starten.

Die Parsberger Electronicsales GmbH zielt mit ihrer Shop-Software auf mittelständische Unternehmen im Bereich Business-to-Business, „also im Wesentlichen auf Unternehmen, die zum Beispiel an die Industrie oder das Handwerk verkaufen“, beschreibt Martin Pfisterer, Geschäftsführer bei Electronicsales sein Produkt „es:shop“. Das Alleinstellungsmerkmal der Lösung aus seiner Sicht: „Der Standard enthält Funktionen, die bei anderen Systemen projektindividuell teuer programmiert werden müssen. Dadurch können wir bei Projektvolumina von 50.000 bis 150.000 Euro ein Segment abdecken, das sonst nur durch die sehr hochpreisigen Projekt-/Softwareanbieter abgedeckt wird und dadurch vielen in der Zielgruppe zu teuer ist.“

Profi-Funktionen für alle

Mit „Profi-Features“, die bereits im Standardumfang enthalten sind, wirbt auch Gambio. Das Unternehmen aus Bremen möchte, dass Händler ohne Programmierkenntnisse einen Shop einrichten und betreiben können. „Dieser Spagat aus Einfachheit bei sehr großem und professionellem Funktionsumfang unterscheidet Gambio von den meisten anderen Shop-Lösungen“, sagt Lennard Kläfker, bei Gambio für Online-Marketing zuständig.

Bei der JTL-Software-GmbH soll bald die Veröffentlichung des neuen Releases „JTL-Shop 4“ erfolgen. Mit ihm soll die Shop-Performance deutlich verbessert werden. Zudem stehen dann neue Templates im Responsive Design bereit. JTL-Shop 4 enthält Rich Snippets für eine bessere Auffindbarkeit der Produkte in Suchmaschinen sowie die Integration von Paypal Plus und Paypal Express.

Da Magento sowohl von kleinen als auch von großen Online-Händlern eingesetzt wird, erscheint der Anbieter in dieser wie auch in der Übersicht im folgenden Heft, in der es um Shop-Lösungen für große Unternehmen gehen wird. Magento arbeitet an der nächsten Generation der Magento-Plattform, teilt jedoch noch nichts Genaueres dazu mit. Zudem investiert das Unternehmen in die Bereiche Mobile und Business-to-Business.

Jan Griesel, Gründer und Geschäftsführer von Plentymarkets, hatte im März beim Händlerkongress des Unternehmens die neue Strategie vorgestellt. Nun kommen Neuerungen an der E-Commerce-Plattform in kleineren Einheiten und häufiger. Bislang gab es zwei bis drei Mal pro Jahr größere Releases. Außerdem läuft Plentymarkets nun in zwei weiteren Cloud-Umgebungen, wodurch die Ausfallsicherheit erhöht wurde.

Zurzeit richtet sich Plentymarkets vorrangig an Business-to-Consumer-Händler. Seit einigen Monaten laufen Entwicklungsprojekte, um die Module Customer Relationship Management (CRM) und Artikelstammdaten zu erweitern. „Dadurch wird Plentymarkets auch für den B2B-Handel eine optimale Lösung sein“, ist Jan Griesel überzeugt.

Ab August ändert das Unternehmen das Preismodell. Die Software für den Plentymarkets-Shop und die Auftragsabwicklung werden kostenlos. Jeder Anwender wählt weitere benötigte Module und zahlt dafür eine Gebühr.

Der französische Shop-Software-Anbieter Prestashop verfolgt mit seiner kostenlosen Open-Source-Shop-Lösung ein ähnliches Geschäftsmodell. Eine Erlösquelle ist der Addons-Marketplace, in dem es rund 5.000 Erweiterungen gibt. Jedes Modul, Template oder Schnittstelle kostet mindestens 29,99 Euro. 70 Prozent des Umsatzes, der mit den Erweiterungen für Prestashop erzielt wird, fließen an den Entwickler, 30 Prozent bleiben bei Prestashop. Die zweite Einnahmequelle sind strategische Partnerschaften: Anwendungen Dritter, zum Beispiel Payment-Lösungen, werden in das Backoffice integriert. Nutzen Händler diese Anwendung, erhält Prestashop eine Umsatzbeteiligung oder eine Provision.

Shopware hatte im Frühjahr 2015 das Major Release Shopware 5.0 veröffentlicht. Das Frontend wurde überarbeitet, sodass nun ohne größeren Aufwand multimediale Shop-Seiten entstehen können. Im Moment konzentriert sich das Unternehmen auf die Vorbereitung der Lösung für den Bereich Business-to-Business. Anfang September findet der nächste Shopware Community Day in Ahaus statt.

Die Xt:commerce GmbH gehört seit 2010 zum Payment-Technologie-Anbieter Safecharge International Group Limited, der an der Londoner Börse notiert ist. Auch bei Xt:commerce erscheinen ein bis zwei Major-Updates im Jahr. So wurde im letzten Update die Multi-Shop-Funktion stark erweitert. Beim nächsten Update soll das Mobile Template einem Remake unterzogen werden.

In der folgenden Ausgabe von INTERNET WORLD Business werden Software-Anbieter vorgestellt, die für Marken und große Unternehmen Shop-Lösungen in der Enterprise-Klasse bieten.


„Zuerst eigene Anforderungen zusammenstellen“

Alexander Hofmann ist Geschäftsführer bei Howado, Anbieter des Vergleichsdienstes www.ecomparo.de

Mit Ecomparo.de bieten Sie eine Dienstleistung für die Wahl der passenden Shop-Lösung für kleine und mittelständische Unternehmen an. Welche Vorgehensweise empfehlen Sie generell beim Selektionsprozess?

Alexander Hofmann: In Gesprächen mit Kunden haben wir festgestellt, dass es nicht sinnvoll ist, im ersten Schritt auf Agenturen zuzugehen, weil diese in der Regel die Lösungen empfehlen, die sie kennen. Es ist zielführender, zuerst die eigenen Anforderungen an die Lösung zusammenzustellen.

Es ist ganz schön kompliziert, auf der Ecomparo-Webseite alle Fragen zum Funktionsumfang zu beantworten.

Hofmann: Es kommt immer darauf an, wie tief jemand in die Filterauswahl einsteigen will. Unsere Lösung bietet einen schnellen oder einen umfangreicheren Vergleich und lässt auch Vergleiche von einzelnen Funktionsbereichen zu.

Der Service ist für Unternehmen, die eine Shop-Lösung suchen, kostenlos. Wie finanziert sich der Dienst?

Hofmann: Wir erhalten Gebühren von den Shop-Software-Herstellern, die auf Ecomparo gelistet sind. Aktuell haben wir über 60 Anbieter mit mehr als 160 unterschiedlichen Editionen beziehungsweise Tarifen in der Übersicht.

Viele Lösungen bieten in App Stores Erweiterungen an. Ist es nicht schwierig bis unmöglich, diese Funktionen von Dritten abzubilden?

Hofmann: Es ist tatsächlich eine Herausforderung, die Schnittstellenvielfalt der Lösungen abzubilden. Die Entwicklung solcher Erweiterungen erfolgt meist im Zuge eines Kundenprojekts. Häufig handelt es sich um Funktionen, die so kein anderer Wettbewerber bietet. Darauf sind die Shop-Hersteller dann stolz und teilen uns dies auch gerne mit.

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