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Marketing aus der Hölle

Der Mobilfunkanbieter Vodafone wagte ein Marketing-Experiment und übertrug das 24-Stunden-Rennen am Nürburgring live im Netz. Der Versuch gelang

Aufheulende Motoren, packende Überholmanöver und gefährliche Unfälle: Das 24-Stunden-Rennen am Nürburgring führte im Mai dieses Jahres bereits zum 43. Mal durch „die grüne Hölle“. Mehr als 20 Kilometer zieht sich die berüchtigte Nordschleife durch die Wälder der Eifel –ein Muss für jeden Motorsportfan, ein eintägiger Albtraum für Fahrer, eine Herausforderung für die Sender und die Werbungtreibenden.

Events wie das 24-Stunden-Rennen sind ein beliebtes Marketing-Tool. Marken können sich vor Ort als Sponsoren präsentieren und damit eine Menge Zuschauer erreichen. Der Mobilfunkanbieter Vodafone wollte aber einen Schritt weitergehen und beschloss, das Rennen live im Internet zu übertragen. Damit sich der Aufwand rechnete, musste das Unternehmen aber auch diejenigen vor den Bildschirm locken, die sich sonst wenig aus Motorengeheul und Rennwagen machen.

Livestream durch leistungsstarkes Netz

Um den 24-Stunden-Livestream im Web durchführen zu können, stattete Vodafone vier Autos mit LTE-Datenchips aus, die Live-Bilder aus den Boliden lieferten. Mit zusätzlichen Übertragungsmasten wurde die erforderliche Signalstärke sichergestellt.

Flankiert wurde die Übertragung von einem Mix aus verschiedensten Marketing-Elementen, beispielsweise der Einbindung von Youtube. Durch die Kooperation mit Youtube-Stars wie „Dner“ oder „Izzi“, die ihren Followern unterhaltsame

Geschichten direkt von der Strecke erzählten, wurde plötzlich ein Personenkreis angesprochen, der bislang noch nicht mit Motorsport in Berührung gekommen war. „Durch die Youtube-Stars, die vor Ort Inhalte produziert haben, konnten wir eine neue Zielgruppe glaubhaft erreichen“, erklärt Kristof Seibt, der als Senior Marketing Manager bei Vodafone für die Umsetzung des Projekts verantwortlich war.

Für die Fachkompetenz in der Kommentatorenkabine sorgten dann bekannte Sportmoderatoren, zum Beispiel Jan Stecker und Matthias Malmedie. Den Nutzern von Internet-fähigen HbbTV-Geräten wurden Teaser gezeigt, die zu einer Microsite mit dem Livestream führten. Das brachte 23.000 Klicks und eine durchschnittliche Verweildauer von mehr als zehn Minuten – üblicherweise verbringen die User auf einer solchen Landing Page nur 42 Sekunden. Auf Youtube wurden 1,9 Millionen Klicks generiert, der Stream wurde hochgerechnet 33 Millionen Minuten lang verfolgt. Auch die Interaktionsrate auf Twitter war überdurchschnittlich hoch. Über alle Kanäle hinweg zählte Vodafone 2,7 Millionen Engagements im Social Web.

Am meisten freut sich Seibt über das positive Feedback der Zuschauer, die die Einblendungen des Logos nicht als störend empfanden: „Wir haben aus dem Stand ein Millionenpublikum erreicht und in der Community eine sehr hohe Wertschätzung erfahren, nicht nur für das Livestreaming, sondern auch für die Marke Vodafone“. ❚


Steckbrief

• Der Mobilfunkanbieter wurde 1992 gegründet und hat seinen Sitz in Düsseldorf

• Vodafone Deutschland hat 45 Millionen Kunden und rund 14.000 Mitarbeiter

• Das Geschäftsjahr 2014/2015 wurde mit einem Gesamtumsatz von 10,8 Milliarden Euro (plus 1,4 Prozent) abgeschlossen

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