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Paydirekt will ein Stück vom Kuchen

Erste Händler haben das neue Bezahlverfahren der Banken eingeführt und sind zufrieden. Dennoch verstummt die Kritik nicht – Paydirekt will nachbessern

Ein Notebook, eine Kaffeemaschine, erlesener Wein, ein Laufband oder auch einfach nur eine Tüte Gummibärchen: Was sich wie ein verspäteter Weihnachtswunschzettel liest, ist eine Auswahl der Produkte, die Online-Shopper momentan mit Paydirekt bezahlen können. Im Dezember – mitten im Weihnachtsgeschäft – haben die deutschen Banken ihr neues Online-Bezahlverfahren ins Rennen geschickt. Die ersten 20 Shops haben das Bezahlsystem integriert und sind offensichtlich zufrieden.

Der Elektronik-Shop Alternate etwa hat Paydirekt Ende November nach einer vierwöchigen Testphase für alle Kunden freigeschaltet. „Es haben sich seit dem Start bereits über 300 Kunden für die neue Zahlart entschieden. Alle Buchungen haben von Anfang an reibungslos funktioniert“, zieht Alexander Bachmann, Projekt-Manager Marketing bei Alternate, eine erste Bilanz. Auch das Feedback der Käufer sei durchweg positiv gewesen. „Das zeigt uns, dass die Entscheidung, Paydirekt als neue Zahlart aufzunehmen, die richtige war“, freut sich Bachmann.

Ähnlich positiv ist die Resonanz bei Sport-Tiedje, einem Shop für Fitnessgeräte. „Wir erhalten täglich neue Bestellungen mit der Zahlweise Paydirekt, und die Zahlungen laufen problemlos. Nach anfänglichen Käufen mit niedrigem Durchschnittswarenkorb, die bestimmt auch mit viel Neugier auf das neue Verfahren zu tun hatten, sind die Warenkörbe inzwischen auf dem von uns gewohnten Level angekommen“, sagt Geschäftsführer Christian Grau. Seine Kunden loben vor allem die Einfachheit des Zahlverfahrens und die Datensicherheit.

Der Datenschutz scheint ein wesentlicher Faktor zu sein, mit dem Paydirekt die Händler überzeugen kann: Viele führen als Begründung für die Einführung an, dass Paydirekt eine Lösung der deutschen Banken ist – das schafft offensichtlich Vertrauen. „Neben dem großen Konkurrenten Paypal wird Paydirekt beim Kunden sicherlich im Bereich Datensicherheit punkten können“, urteilt beispielsweise Grau.

Zufrieden sind die Händler auch mit der technischen Implementierung. „Effektiv war mit der kompletten Anbindung ein Kollege fünf Tage beschäftigt“, sagt Andreas Gruber, Vertriebsleiter beim Musikhaus Korn. Bei Alternate dauerte die Anbindung inklusive einer laut Bachmann „sehr ausführlichen Testphase“ vier Wochen.

Da alle drei genannten Händler ihre Shops auf Basis einer selbst entwickelten Software betreiben, haben sie alle das System über die bereitgestellte API-Schnittstelle angebunden. Für derzeit 18 Shop-Systeme wie Magento, JTL, XT Commerce, Gambio, Oxid eSales, Prestashop und Shopware gibt es bereits entsprechende Plug-ins. Angeboten werden diese laut Franz Zahn, Leiter Global Transaction Banking Deutschland der Hypovereinsbank, über den Schweizer Lösungsanbieter und Kooperationspartner Customweb. Sie kosten jeweils 172 Euro. „Das ist ein attraktives Angebot, bei guter Vorarbeit ist die Implementierung über die Plug-ins binnen eines Tages möglich“, betont Zahn.

Auch Payment Service Provider können das System anbinden. Zahn zufolge haben die acht Dienstleister Cardprocess, Computop, Evo Payments, Girosolution, Masterpayment, Payone, Payon und Wirecard das Bezahlsystem im Angebot.

Kritik am Vertragsverfahren

Ein ganz großes Problem muss Paydirekt allerdings noch lösen: Da hinter Paydirekt nahezu alle deutschen Banken stehen, verbietet das Bundeskartellamt aus wettbewerbsrechtlichen Gründen einheitliche Preise. Die Folge: Theoretisch muss jeder Händler, der Paydirekt anbieten will, dies mit allen deutschen Banken vertraglich vereinbaren. In der Praxis haben die Banken ihre jeweiligen Dachverbände als sogenannte Konzentratoren eingerichtet, sodass die Händler mit nur sieben Banken verhandeln müssen. Dies sind die Deutsche Bank, die Commerzbank, die Hypovereinsbank, die Postbank, die DZ Bank, die WGZ Bank und die Targobank.

Konkret funktioniert das so: Der Händler wendet sich mit seinem Wunsch, Paydirekt anzubinden, an eine Bank seines Vertrauens. Diese gibt seine Anfrage an Paydirekt weiter. Paydirekt bittet die Konzentratoren, dem Händler Preisangebote zu unterbreiten. Dazu muss der Händler Standardangaben wie Umsatz, Warenart, durchschnittliche Warenkorbgröße und Retourenanzahl bereitstellen. Sagt dem Händler das vorgelegte Angebot der jeweiligen Bank zu, kann er den Vertrag direkt unterzeichnen. Will er nachverhandeln, kann er dies unmittelbar mit dem angegebenen Ansprechpartner bei der Bank tun.

„Ein verhältnismäßig aufwendiges Verfahren“, wie Christian Grau von Sport-Tiedje einräumt. Dennoch sollen die Abschlüsse relativ schnell möglich sein. Zahn zufolge sollen die Angebote binnen drei Geschäftstagen vorliegen. „Bis alle Verträge abgeschlossen waren, hat es bei uns eineinhalb bis zwei Wochen gedauert“, erinnert sich Carmen Ferder, Assistentin der Weingutleitung beim Staatlichen Hofkeller Würzburg.

Die Preise können dementsprechend von Bank zu Bank und von Händler zu Händler variieren. Zudem darf keiner der Beteiligten den Preis kundtun. Bezahlt werden wie bei Paypal eine Transaktionsgebühr und ein Prozentsatz an der Bestellsumme. Der Standardpreis bei Paypal liegt je nach Umsatzvolumen derzeit zwischen 1,5 und 1,9 Prozent plus 0,35 Euro je Transaktion. „Paydirekt liegt bei uns darunter“, sagt Ferder, „ansonsten bräuchte Paydirekt ja gar nicht erst anzufangen.“ Auch für Sport-Tiedje ist Paydirekt laut Grau günstiger als Paypal.

An dem komplizierten Verfahren stößt sich ein Paydirekt-Partner allerdings noch ganz massiv: Die Sparkassen, die sich erst später zur Teilnahme entschlossen haben und das Bezahlsystem daher auch noch nicht ausgerollt haben, bewerten das Prozedere als viel zu komplex und nicht marktgerecht. Sie fordern eine Vereinfachung. Paydirekt hat bereits Nachbesserungen angekündigt. So soll schon in den kommenden Wochen ein sogenannter Händlerkonzentrator die Verhandlungen mit den Banken gebündelt übernehmen können. Das Bundeskartellamt steht einem solchen Verfahren Paydirekt zufolge aufgeschlossen gegenüber.

Reichweite ist entscheidend

Die Lösung dieses Problems wird maßgeblich Anteil an den Zukunftschancen von Paydirekt haben: Denn mit der Reichweite bei Händlern und Verbrauchern steht und fällt der Erfolg. Ist das Verfahren für Händler zu kompliziert oder zu teuer, bleibt die Zahl der Shops, in denen Kunden mit Paydirekt bezahlen können, überschaubar. Gelingt es auf der anderen Seite nicht, die Sparkassen zufriedenzustellen, fehlen rund 30 Millionen der versprochenen 50 Millionen potenziellen Online-Banking-Kunden.

Mittlerweile laufen erste Werbemaßnahmen: Die Postbank hat Online-Spots geschaltet, Commerz- und Hypovereinsbank versuchen ihren Privatkunden Paydirekt per Brief schmackhaft zu machen und Paydirekt selbst bereitet ebenfalls eine Marketing-Kampagne vor. Neben den Großbanken haben auch viele Volks- und Raiffeisenbanken (insgesamt derzeit rund 1.000 Geldinstitute) Paydirekt eingeführt, um sich in Konkurrenz zum Platzhirsch Paypal ein Stück vom lukrativen Payment-Kuchen zu sichern. Eine gewisse Marktdurchdringung ist allerdings zwingend. „Es wird unserer Einschätzung nach mindestens zwei Jahre dauern, bis Paydirekt relevant ist im Markt“, so Carmen Ferber. ❚

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