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Basis für On- und Offline

Um den Webshop mit der IT-Landschaft aus dem stationären Geschäft zu verbinden, setzt die Handelskette Kodi seine Diskontläden auf eine Middleware

seit 33 Jahren kennen die Kunden Kodi, zumindest in Nordrhein-Westfalen, wo der Haushaltswaren-Discounter mit den meisten seiner rund 250 Filialen vertreten ist. Seit Oktober 2014 ist das mittelständische Unternehmen auch mit einem Online-Shop für seine Kunden da – und wurde damit vom klassischen stationären Einzelhändler zum Multichannel-Anbieter. „Für uns stellte sich im Vorfeld die wichtige Frage: Müssen wir unser bestehendes Geschäft komplett neu aufstellen, also quasi den großen Wurf wagen mit neuer Warenwirtschaft, oder gelingt es, ein System anzudocken, ohne die traditionellen Prozesse groß verändern zu müssen?“, beschreibt Thomas Schwachenwalde die damalige Ausgangslage. Schwachenwalde verantwortet bei der Kodi Diskontläden GmbH die Abteilung Multichannel, E-Commerce und Marketing.

Die IT-Lösungen, auf denen das Stationärgeschäft basiert, waren für das Online-Business nicht geeignet. Ein- und Verkauf, Buchhaltung und die Verwaltung wickelt Kodi zentral über die Enterprise-Resource-Planning-Lösung (ERP) „Dynamics AX 2009“ von Microsoft ab. In den Filialen sorgt die Warenwirtschaftslösung „Dewas“ vom Lösungsanbieter Perits für die Verwaltung des Warenbestands, die Preisgestaltung sowie die Kassenabrechnung.

Wenn aber die bewährte Technik für das Kerngeschäft infrage gestellt wird, provoziert dies in vielen Unternehmen verständlicherweise erst einmal Gegenwind, gibt Schwachenwalde zu bedenken. Zudem stellt sich das Problem der Finanzierung eines umfassenden Systemwechsels.

Deswegen suchte Kodi nach einer Lösung, die eine möglichst leichte und kostengünstige Anbindung des Online-Shops an die bestehende IT-Landschaft erlaubte. Fündig wurde das Unternehmen aus Oberhausen in der Middleware von eFulfilment Transaction Services. Die Plattform dient als Vermittler zwischen den unterschiedlichen Lösungen, indem sie Daten und Prozesse angleicht und über Schnittstellen austauscht.

Offline-Lösung nachgebaut

Bei Kodi hieß das konkret: Die Middleware verbindet das Online-Shop-System, in diesem Fall Oxid eSales in der Enterprise-Version, mit der ERP-Lösung von Microsoft. „Unsere Idee war, den Online-Shop für die ERP-Lösung wie eine weitere Filiale aussehen zu lassen. Dafür hat eFulfilment für uns die Dewas-Lösung als eine Art Miniwarenwirtschaft für den Online-Shop nachgebaut“, erklärt Schwachenwalde. Für das ERP-System macht es somit keinen Unterschied, ob die Daten aus einer Filiale oder dem Online-Shop stammen, die Prozesse, die im Hintergrund laufen, bleiben immer die gleichen. So kann zum Beispiel sowohl Click & Collect als auch die Retourenannahme über jede beliebige Filiale abgewickelt werden. „Schließlich ist das kein anderer Prozess als der Versand von Filiale A nach Filiale B, und den gab es schon immer“, erklärt Schwachenwalde.

Gleichzeitig nutzt Kodi die eFulfilment-Plattform als Backend des Webshops. Sowohl das Ordermanagement als auch das Content-Management, die Kundendatenverwaltung und die Logistik laufen über die Middleware. „Oxid verwenden wir letztlich nur als Schaufenster im Internet und für den Checkout“, sagt Schwachenwalde.

Vier bis fünf Monate hat die individuelle Anpassung und Einrichtung der Middleware gedauert. „Das war bei uns schon relativ komplex, bei einfacheren Strukturen geht das sicher auch schneller“, so der Multichannel-Leiter. Die Einrichtungskosten lagen im knapp sechsstelligen Bereich. Als Mietlösung zahlt Kodi zudem pro Transaktion eine von der Warenkorbhöhe abhängige Gebühr an eFulfilment. „Das war für uns von den Kosten her sehr interessant, denn eine andere Shop-Lösung wie etwa Hybris, die für diese Anforderungen auch geeignet gewesen wäre, ist für ein mittelständisches Unternehmen wie Kodi zu teuer.“

Er schätzt an der Middleware zudem die hohe Flexibilität – auch mit Blick auf die Zukunft. „Die Lösung ist in alle Richtungen skalierbar“, hebt Schwachenwalde hervor, „auch wenn wir an einen Vertrieb über Marktplätze wie Ebay oder Amazon reden oder den Aufbau weiterer Shops.“

Eine andere Zukunftsvision ist die Digitalisierung der stationären Filialen, etwa mit Tablets. Über sie könnte das Verkaufspersonal beraten, auf den Warenbestand anderer Filialen zugreifen, Bestellungen abwickeln. Die Technik dafür steht dank der Middleware schon bereit. ❚


KODI Besser HAUSHALTEN

• Gegründet 1981, Sitz in Oberhausen

• Rund 250 Filialen, vorwiegend in NRW, 2.100 Mitarbeiter

• Sortiment: ca. 2.500 Artikel plus 60 bis 90 Aktionsartikel pro Woche

• Online-Shop seit Oktober 2014

• Jahresumsatz: knapp 200 Millionen Euro

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