INTERNET WORLD Business





Flexibel und individuell

Online-Shopper werden immer anspruchsvoller und wollen die Zustellung zu jeder Zeit an jeden Ort. Auf der Internet World zeigen Logistikanbieter die Lösungen der Zukunft

Rund 2,8 Milliarden Pakete haben Paketdienstleister im vergangenen Jahr quer durch Deutschland transportiert – 1,3 Milliarden davon waren Online-Bestellungen, hat der Bundesverband Paket- und Expresslogistik ermittelt. Die Logistikbranche boomt, gleichzeitig steht sie aber vor großen Herausforderungen. Welche Entwicklungen werden die kommenden zwei bis fünf Jahre prägen? Was wird sich verändern? INTERNET WORLD Business hat Logistikaussteller, die auf der Internet World Messe am 1. und 2. März 2016 in München ausstellen werden, im Vorfeld nach ihrer Einschätzung gefragt.

Das ganz große Thema der kommenden Jahre heißt Flexibilität, da sind sich die Experten einig. Im Mittelpunkt wird der Online-Shopper als Kunde mit seinen Bedürfnissen, Ansprüchen und Erwartungen stehen. Ein Beispiel: „Stellen Sie sich vor, Sie machen einen kurzen Ausflug in den Park, sitzen auf einer Bank und genießen die wärmenden Sonnenstrahlen. Sie denken sich, dass ein gutes Buch diesen Moment vervollständigen könnte. Sie zücken Ihr Smartphone, klicken auf das Buch Ihrer Wahl und 30 Minuten später liefert Ihnen ein Kurier das bestellte Buch direkt an Ihren Standort. Wir bezeichnen diesen Kundennutzen als ‚shop and deliver everywhere ‘“, beschreibt Dirk Haschke, Geschäftsführer des Warenwirtschafts- und Versandhandelssoftware-Herstellers Pixi Software (Halle B6 / C158) seine Vision.

Digital und mobil

Treibende Faktoren sind die zunehmende Digitalisierung des Handels und die Verfeinerung mobiler Technologien, sodass Omnichannel für die Kunden zum Normalfall wird. Click & Collect sowie Click & Reserve und auf der anderen Seite das Zurückgeben online bestellter Ware im Ladengeschäft sowie die sofortige Online-Bestellung eines in der Filiale nicht verfügbaren Artikels verlangen flexible Lösungen – sei es die Lieferung binnen weniger Stunden oder zu einem festgelegten Zeitpunkt oder die Zustellung an jeden gewünschten Ort. Mittlerweile nehmen diese seit Jahren diskutierten Veränderungen immer mehr Gestalt an. „Heute orientieren sich unsere Kunden an den Wünschen ihrer Kunden, kurz, man ist kundenorientierter“, sagt Michael Schaberg, Mitglied der Geschäftsleitung beim E-Commerce- und Versandhandelssoftware-Hersteller E-Velopment (Halle B6 / E240). Entsprechend werden Software-Lösungen immer umfangreicher und flexibler, verbinden Online- und Offline-Handel, erlauben schnellere Anpassungen und Updates. Anton Eder, Gründer des Versandoptimierers Parcellab (Halle B5 / Start-Up Street), geht sogar noch einen Schritt weiter: „In fünf Jahren werden die Pakete den Kunden finden: Ortungsfunktionen etwa im Mobiltelefon ermöglichen eine flexible Auslieferung, sodass Zustellungen unabhängig von festgelegten Zustellorten erfolgen werden.“

Das Ziel, dem Kunden möglichst alle Wünsche zu erfüllen, wenn es um Zustellzeit und -ort geht, führt gleichzeitig zu einer breiter werdenden Palette an Zustelloptionen. So werden die Angebote immer umfangreicher, egal ob es um die Zustellung an einem bestimmten Tag, innerhalb eines festgelegten Zeitfensters, am Abend oder am Wochenende geht oder um die kurzfristige Änderung der gewünschten Zustellzeit oder die Umleitung des Pakets an einen anderen Lieferort.

Die beiden größten Paketdienstleister in Deutschland, Deutsche Post DHL (Halle B6 / D183) und Hermes (Halle B6 / B102), arbeiten mit Hochdruck am Ausbau solcher Services. „Die Bereitschaft, auf eine Sendung zu warten, nimmt weiter ab – die Paketdienstleister sind künftig verstärkt aufgefordert, sich auf die Lebensgewohnheiten der Konsumenten einzustellen und die Zustellung entsprechend zu takten“, meint Martin Frommhold, Unternehmenssprecher von Hermes. Er erwartet, dass der Verbraucher in fünf Jahren ein deutlich größeres Mitspracherecht beim Versandprozess haben wird als heute und dieses auch aktiv einsetzen wird.

Ein Grund dafür ist, dass Händler ihren Kunden immer mehr bieten wollen und müssen, um sich einen Wettbewerbsvorteil zu verschaffen. „Das Service-Angebot wird sich immer stärker in Richtung des flexiblen, individuellen Paketempfangs weiterentwickeln. Dabei wird es sicher nicht eine einzelne Zustelllösung geben“, betont Ole Nordhoff, Geschäftsbereichsleiter bei DHL Paket Deutschland. So verzeichnet DHL beispielsweise einen Boom bei Feierabendzustellungen. Gleichzeitig arbeitet der Konzern weiter an Konzepten zum flexiblen Paketempfang: Der Paketkasten, ein Briefkasten für Pakete, soll noch in diesem Jahr auch für Mehrfamilienhäuser bundesweit angeboten werden.

Ebenfalls auf diesem Feld tätig ist der Wettbewerber Parcellock (Halle B6 / D226), der seinen für alle Paketdienstleister nutzbaren Paketkasten in diesem Sommer bundesweit auf den Markt bringen will – ergänzt um eine Pakettasche. „Die Anforderungen an eine zeit- und kostensparende sowie kundefreundliche, direkt beim ersten Versuch erfolgreiche Zustellung werden weiter wachsen“, ist sich Parcellock-Geschäftsführer Dirk Reiche sicher.

Zustellquote verbessern

In der Verbesserung der Zustellquote sieht auch Claus Fahlbusch, Geschäftsführer des Versand-Service-Providers Shipcloud (Halle B5 / H395), eine der großen Herausforderungen, schließlich kostet jeder vergebliche Zustellversuch Geld und verschärft den sowieso schon teils erheblichen Kostendruck. Das Unternehmen, das alle Versanddienstleister über eine Schnittstelle für Online-Händler bündelt, hat deswegen eine Partnerschaft mit der LGI Logistics Group International (Halle B5 / H395) vereinbart. Der Logistiker aus Herrenberg bietet mit Pakadoo einen Zustellservice am Arbeitsplatz an.

Fahlbusch glaubt an innovative Ideen: „Wir sehen die Dominanz des einen marktbeherrschenden Players in Deutschland schwinden und eher viele kleine innovative Logistikmodelle, die über Plattformen und Schnittstellen miteinander interagieren und komplexe Kundenanforderungen bedienen.“

Gleichzeitig wird es zu einer Marktbereinigung kommen, Start-ups werden aufgekauft oder pleitegehen. „Kleine Marktteilnehmer mit großer Abhängigkeit von einzelnen Kunden werden es schwer haben. Der Markt wird in fünf Jahren gewaltig gewachsen sein, gleichzeitig wird aber dienstleisterseitig eine Konsolidierung stattgefunden haben“, glaubt Arndt Holzmeier, Marketing Manager von Docdata Germany (Halle B6 / C139). Der Fulfillment-Anbieter wurde Ende 2015 von US-Konzern Ingram Micro übernommen.

Große, marktdominierende Händler wie Amazon und Zalando setzen immer wieder neue Maßstäbe bei der Liefergeschwindigkeit – Stichwort Same Day Delivery – und beim Kundenservice. „Marktführer wie Amazon und Zalando heben mit ihrem Erfolg und jeder neuen Innovation die allgemeinen Kundenerwartungen an Fulfillment- und Retourenstandards im Online-Handel immer weiter an und erhöhen direkt oder indirekt den Leistungsdruck auf die gesamte Branche“, meint Holzmeier. Das sieht auch Samuel Vogel, Geschäftsführer von Viison (Halle B6 / D190), Hersteller der Warenwirtschaft Pickware, so: „Angesichts der Entwicklungen beim Branchenprimus Amazon – Stichwort Lieferung am gleichen Tag – wird es für KMUs immer schwerer, Schritt zu halten und die Erwartungen der Kunden zu erfüllen.“

Der Paketdienstleister DPD (Halle B5 / A042) lässt die Verbraucher seine Zusteller ganz à la Amazon mittlerweile bewerten – bequem per App. Wer will, kann dem Zusteller via Paypal auch ein Trinkgeld geben.

Die App dient auch der Sendungsverfolgung. Ein gutes Tracking ist unabdingbar für zufriedene Kunden: Mehr als 90 Prozent der Shopper überprüfen den Versandstatus ihrer Bestellung, hat die Studie „Delivering Consumer Choice: 2015 State of E-Commerce Delivery“ des Verpackungsspezialisten Metapack ergeben. „Es wird zukünftig verstärkt einen hohen Fokus auf die Transparenz und Nachvollziehbarkeit der Sendungsverfolgung geben“, sagt Jan Brück, Sales Manager beim Versanddienstleister Spring Global Delivery Solutions (Halle B6 / D194). Deshalb arbeitet der Dienstleister wie viele andere auch an der Optimierung der Tracking-Services.

Besonders wichtig ist dies im grenzüberschreitenden Handel. „Eine lückenlose Sendungsverfolgung auch über Ländergrenzen und über verschiedene Logistikdienstleister hinweg ist unabdingbar“, meint Parcellab-Gründer Eder. Denn die Internationalisierung wird weiter voranschreiten, auch da sind sich alle Experten einig – schließlich suchen immer mehr Shop-Betreiber im Ausland nach neuen Kunden. „Den Löwenanteil setzen die meisten deutschen Online-Händler noch im Heimatmarkt um, wohl auch, weil viele Shop-Betreiber beim Auslandsversand große Hürden befürchten“, so Hermes-Sprecher Frommhold. Hier gebe es noch ein deutliches Entwicklungspotenzial. ❚


Logistikaussteller auf der

Deutsche Post DHL

Halle B6 / D183

Docdata Germany

Halle B6 / C139

DPD

Halle B5 / A042

E-Velopment

Halle B6 / E240

Hermes

Halle B6 / B102

LGI Logistics Group International

Halle B5 / H395

Parcellab

Halle B5 / Start-Up Street

Parcellock

Halle B6 / D226

Pixi Software

Halle B6 / C158

Spring Global Delivery Solutions

Halle B6 / D194

Shipcloud

Halle B5 / H395

Viison

Halle B6 / D190

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