INTERNET WORLD Business





IBM auf Agentureinkauf

Mit Aperto und Ecxio gehören bald zwei deutsche Digital-Schmieden zu dem Konzern

Nach 20 Jahren: Übernahme von Ecxio und Aperto

Konsolidierung auf dem Agenturenmarkt: Zwei Dinosaurier der Branche, die Berliner Agentur Aperto und die Düsseldorfer Agentur Ecxio, wandern unter das Dach von IBM. Der Konzern wird beide Firmen zu 100 Prozent übernehmen.

Die Begründung für den Verkauf klingt in beiden Häusern ähnlich: Die Komplexität und die Dimension der Kundenprojekte wachse stetig, die digitale Transformation verlange eine enge Verzahnung mit dem Know-how aus den Bereichen Big Data, Datenanalyse und IT-Integration. „Für so etwas braucht man ab bestimmten Projektdimensionen einen Partner. Es ist selbst mit unserer Größe schwierig, diese Kompetenzen selbst aufzubauen“, betont Dirk Buddensiek, CEO und Gründer von Aperto. Zudem sei seine Agentur mit ihren gut 300 Mitarbeitern an den drei Standorten Berlin, Basel und Peking an ihre Wachstumsgrenzen gestoßen.

Das gilt auch für Ecxio: „Wir wollen und müssen unsere Agentur weiterentwickeln. Wachstum aus eigener Kraft ist gut, aber jetzt machen wir einen Sprung in eine neue Liga. Wir wollen die Chance ergreifen, den Markt für digitale Transformation langfristig mitbestimmen zu können“ erklärt Gerald Lanzerits, CEO von Ecxio. Excio beschäftigt rund 200 Mitarbeiter und verfügt neben Düsseldorf über sechs Standorte in Europa. Beide Agenturen wurden 1995 gegründet, haben also über 20 Jahre Branchenerfahrung. Aperto belegte im BVDW-Agentur-Ranking zuletzt Platz 14, Ecxio Platz 22.

IBM wird die beiden Agenturen in IBM Interactive Experience, kurz IBM IX, integrieren. IBM IX ist Teil von IBM Global Business Services, der Geschäftseinheit für Unternehmensberatung. Das US-Magazin „Advertising Age“ hat IBM IX in seinem „Agency Report 2014“ zum zweiten Mal in Folge zur weltgrößten Digital-Agentur gekürt. Mehr als 10.000 Mitarbeiter sind dort weltweit beschäftigt. Der Konzern reagiert mit den Zukäufen ebenfalls auf die Bedürfnisse seiner Kunden. „Wir sehen, wie fundamental wichtig und unverzichtbar digitale Marketing- und E-Commerce-Plattformen für Unternehmen in der Interaktion und Ansprache für ihre Kunden werden. Damit verändert sich die Geschäftsstrategie vieler Unternehmen massiv“, so Paul Papas, Global Leader von IBM IX. Beide Agenturen bringen das dazu nötige Wissen mit, Aperto vor allem in den Bereichen Strategie, Kreativität und Technologie, Ecxio als offizieller Partner von Adobe, SAP Hybris und Sitecore primär technologisches Know-how. Zudem sollen die Übernahmen die Expansionsstrategie in der DACH-Region unterstützen. Marken, Standorte und Mitarbeiter bleiben bestehen und agieren eigenständig. ❚

Christiane Fröhlich


Was ist eigentlich „Header Bidding“?

Eric Hall,

Country Manager DACH bei der Supply-Side-Plattform Pubmatic

www.pubmatic.com

Das Schlagwort „Header Bidding“ beschäftigt Publisher, die sich mit der automatisierten Versteigerung von digitalen Werbeplätzen befassen. Header Bidding wird manchmal auch als „Pre-Bidding“ bezeichnet.

Worum geht es dabei? Ein Publisher bietet eine Ad Impression mehreren Anbietern der Nachfrageseite gleichzeitig an. Bislang war oder ist es so, dass die Vergabe von Ad Impressions nach einer Prioritätenliste erfolgt. So werden beispielsweise direkt verkaufte Kampagnen zuerst „bedient“, und erst dann kommt die Belegung der Werbeplätze durch zum Beispiel eine Demand-Side-Plattform an die Reihe.

Dieses im automatisierten Mediahandel etablierte „Wasserfallprinzip“ könnte schon bald ersetzt werden. Denn das kaskadierende System, bei dem die Demand-Quellen nach Prioritätenvergabe nacheinander auf die Impressions zugreifen, schließt den direkten Wettbewerb teilweise aus. Experten sprechen von Umsatzverlusten in Einzelfällen von bis zu 50 Prozent.

Das Ziel von Header Bidding ist, Publishern zu höheren Tausend-Kontakt-Preisen (TKP) zu verhelfen. Indem verschiedene Demand-Quellen gleichzeitig auf ein und denselben Werbeplatz bieten, sozusagen um ihn konkurrieren, soll der Publisher höhere Einnahmen generieren. Der effektive TKP wird verbessert und die Füllrate, also die Zahl der verkauften Werbeplätze, steigt.

Möglich wird Header Bidding durch eine Tag-Integration im Header der Website des Publishers. Dieses sogenannte Header-Tag ermöglicht es, dass die diversen Demand-Anfragen zeitgleich vor dem ursprünglichen Adrequest des Adservers erfolgen. Multiple Tags wie beim Wasserfallprinzip, die zu einer Verzögerung beim Laden der Webseite führen können, fallen weg.

Auch im Hinblick auf die rasante Entwicklung der mobilen Nutzung ist Header Bidding spannend: Das System ist sowohl für Desktop- als auch für Mobile-Anwendungen einsetzbar.


IBM IX im Überblick

• IBM IX ist Teil von IBM Global Business Services, der Geschäftseinheit für Unternehmensberatung

• Laut „Advertising Age Agency Report 2014“ mit 10.000 Mitarbeitern die größte Digital-Agentur weltweit

• Sitz in Armonk (USA), weltweit 20 Standorte, darunter Hamburg

comments powered by Disqus