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Saisonauftakt mit Bombe

[Eine Fliegerbombe brachte das Programm des BVDW-Neujahrsempfangs in Hamburg durcheinander]

BVDW-Präsident Matthias Wahl (re.) mit Gastredner Carsten Brosda

Bereits seit 2010 begrüßt der Bundesverband Digitale Wirtschaft im Januar seine Mitglieder im Business Club Hamburg zum Meinungsaustausch. Dass in diesem Jahr die Gäste deutlich schleppender in der Plangeschen Villa an der Elbchaussee eintrudelten, hatte einen Grund: Eine 250-Kilo-Fliegerbombe aus dem 2. Weltkrieg war am Nachmittag im Stadtteil Eppendorf gefunden worden und drohte zu explodieren. Ganze Straßenzüge mussten evakuiert werden. Die Folge: ein komplettes Verkehrschaos.

Nicht nur deshalb wurde allgemein positiv aufgenommen, dass BVDW-Präsident Matthias Wahl die Veranstaltung mit einer Rede eröffnete, die entschieden und dabei dennoch erfrischend kurz war. Wahl stellte die gesellschaftlichen Aufgaben des Verbands in den Vordergrund, vor allem bei der Gestaltung der Digitalisierung. Ein besonderes Anliegen ist dem Verband in diesem Zusammenhang die Ausformung des Datenschutzes. Dieser „darf nicht zum Hemmschuh werden“, forderte er. Daten müsse man auch als Schatz sehen. Wahl forderte einen anderen Umgang mit diesem Thema.

Ein weiteres wichtiges Thema des BVDW ist das Internet of Things. Auch hier will der Verband gesellschaftlich gestalten, statt nur auf Forderungen zu reagieren. Ob jedoch Themen wie Internet of Things und Industrie 4.0 vom BVDW vorangebracht werden oder ob hier nicht eher größere Verbände wie der Bitkom die Definitionshoheit erringen werden, wird die Zukunft zeigen.

Dieses Dilemma brachte der Gastredner des Abends, Carsten Brosda, spöttisch auf den Punkt. Brosda, der sich als Beauftragter des Hamburger Senats für Medien auch um Digitalisierungsprojekte der Hansestadt kümmert, bemerkte, dass man ja herkömmliche Industrieverbände wie den BDI auflösen könne, wenn der BVDW für alle Industrien sprechen wolle, die digital arbeiten. Denn in Zukunft werde es kaum noch ein Unternehmen geben, das nicht digitalisiert sei.

Anschließend gab der Jurist in einem Parforceritt einen Überblick über eine Vielzahl möglicher Herausforderungen, denen sich öffentliche Verwaltungen bei der Digitalisierung stellen müssen. Künftig wolle die Verwaltung „digital first“ denken, versprach er.

Für die Probleme der Verbandsmitglieder aus der Internet-Wirtschaft signalisierte Brosda Verständnis. Gegen Dinge wie Adblocker müsse man gegebenenfalls gesetzgeberisch vorgehen, denn „man muss Inhalteproduktion auch finanzieren können“.

In einem Punkt waren sich Politik und Verband zumindest an diesem Abend aber einig: Immer nur dagegen zu sein hilft nicht. Für seine Stadt wünschte sich Brosda, dass sie „nicht immer nur Technikfolgenabschätzung betreiben, sondern auch einfach mal an den Fortschritt glauben und sich auf ihn freuen sollte“. (fk)

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