INTERNET WORLD Business





Blick in die Zukunft

Mehr Baukastenprinzip, mehr Cloud und Integration des Internet of Things: So sehen die Anforderungen an künftige Shop-Software aus

Mobile Shopping wird bald alltäglich sein und Handelssoftware wird das stationäre und das Online-Geschäft verzahnen, um mittels einer präziseren Datenauswertung eine genauere und persönlichere Kundenansprache zu erreichen. Von diesen Trends werden die meisten schon einmal gelesen oder gehört haben, doch wie werden die Shop-Software-Lösungen etwa in fünf Jahren aussehen? Welches sind die großen Linien jenseits der halbjährlichen Veröffentlichung von neuen Modulen, Minor oder Major Releases – wo also wird die Reise hingehen?

Was kennzeichnet Shop-Systeme in der Zukunft

INTERNET WORLD Business hat rund 20 namhafte Shop-Software-Anbieter befragt, mit welchen Entwicklungen sie rechnen. Hierbei besteht zwar die Gefahr, dass die Unternehmen das promoten, woran sie selbst arbeiten, da jedoch 18 Shop-Software-Hersteller geantwortet haben, lassen sich aus dem Ergebnis allgemeine Trends destillieren.

Software as a Service (SaaS) gibt es schon seit über zehn Jahren. Während das Mieten von Software in der Cloud lange nur distanziert beäugt wurde, ist es heute selbstverständlich geworden. Viele Anbieter sind überzeugt, dass die Verlagerung von Anwendungen in die Cloud zunehmen wird. „Software as a Service beziehungsweise Cloud-Shop-Software-Lösungen werden wesentlich wichtiger als lokale Installationen sein“, ist Stefan Grieben, Chief Operating Officer bei der Novomind AG, überzeugt. Kaum jemand werde in fünf Jahren noch in Lizenzen und in komplexe Betriebsszenarien investieren. Ähnlich sieht das Wilfried Beeck, CEO von ePages: „Nahezu alle Shop-Systeme werden als Cloud-basierte SaaS-Lösung laufen. Statische On-Premise-Lösungen werden vom Markt verschwunden sein.“

Weniger „monolithisch“, mehr modular

Das Stichwort „statisch“ leitet zum nächsten Trend über: Die Anforderungen an die Shop-Software werden komplexer. Märkte verändern sich schnell, die Shop-Software muss diese Änderungen flexibel und rasch abbilden können. Als Gegenentwurf zu Shop-Lösungen, die über Jahre hinweg gewachsen sind und als relativ „unbeweglich“ wahrgenommen werden, entstehen gerade Shop-Plattformen, die sich selbst als „Framework“ oder mit dem Adjektiv „modular“ beschreiben.

Diesen Ansatz verfolgen beispielsweise Spryker Systems oder das „Commerce Cockpit“, eine neue Lösung der E-Commerce-Agentur Shopmacher. Thomas Gottheil, Geschäftsführer von Shopmacher, beschreibt künftige Verkaufslösungen so: „Es wird eine stärkere Trennung von Prozessebene und Inszenierungsebene geben. Auf beiden Seiten werden sich serviceorientierte Architekturen durchgesetzt haben, Monolithen sind vom Markt verschwunden.“ Serviceorientierte Architekturen sind für ihn viele kleine Applikationen, die miteinander verbunden sind. Jede löst eine spezifische Herausforderung. So ein modularer Baukasten ersetzt das eine „All in One“-Paket, das für professionelle Nutzer irgendwann nicht mehr wartbar sein werde, so Gottheil, weil die Anforderungen immer komplexer werden: „Zukünftig wird es so sein, dass man sich die benötigten Programme sehr frei zusammenstellt – statt eine große Software zu nutzen.“

Triebkraft ist die Kundenzentrierung

Alexander Graf, Geschäftsführer von Spryker Systems, beobachtet diese Entwicklung bereits: „Bei größeren Unternehmen sehen wir jetzt schon, dass diese ihre monolithischen Shop-Strukturen auf lösen und ihre IT-Infrastruktur komplett neu planen.“ Bisher sei der Shop nur eine Art Fenster zum ERP-System gewesen. Nun werde er, getrieben durch eine hohe Kundenzentrierung, zum Mittelpunkt der IT-Landschaft, während das Enterprise Resource Planning (ERP) in die Rolle des Zulieferers gedrängt werde. „Das wirkt sich gerade sehr stark auf die Entwicklung neuer Shop-Systeme aus“, meint Graf.

Stefan Hamann, Vorstand der Shopware AG, betont ebenfalls, dass Shop-Software anpassungsfähig sein muss: „Entscheidend wird die flexible Anpassbarkeit und Time-to-Market der Software sein, um auch unentdeckte oder sich neu öffnende Absatzkanäle möglichst schnell zu erschließen.“

Offene Schnittstellen sichern Flexibilität

Um Shop-Software flexibler werden zu lassen, integrieren viele Anbieter offene Schnittstellen. So arbeitet Speed4Trade zum Beispiel an einer REST-API, um Drittsysteme wie die Warenwirtschaft an das Shop-System anzubinden. Auch ePages hat diesen Schritt 2015 getan und die Soft ware mit einer REST-API für externe Entwickler geöffnet (REST steht für REpresentational State Transfer). Diese Art der Programmierung soll zu einer

Softwarearchitektur führen, die einfacher verwaltbar ist.

Ein weiteres Beispiel dafür, wie entscheidend Schnittstellen für Shop-Software werden, ist das US-Start-up Moltin. Auf der Unternehmens-Webseite erklärt Moltin, es biete „den schnelleren Weg, um E-Commerce-Anwendungen zu bauen“.

Das basiert auf dem Prinzip, dass die Prozesslogik, also das Backend, für den E-Commerce in die Cloud verlagert wird. Über eine Schnittstelle werden unterschiedliche Frontends – individuelle Verkaufslösungen für Webseiten, Applikationen, stationäre Geschäfte oder die Lagerverwaltung – angebunden. In den Frequently Asked Questions (FAQ) beschreibt das Start-up seinen schnittstellenbasierten Ansatz: „Wir kümmern uns um das Backend für Sie, einschließlich Upgrades. Sie müssen nur Ihren Shop über unser Dashboard einrichten und Ihr Frontend mit unserer API integrieren.“ Es gebe bereits zahlreiche Plugins, um die Integration zu erleichtern.

Moltin bereitet sich damit auf eine Entwicklung vor, die auch in vielen Antworten zur Zukunft von Shop-Systemen auftaucht: Der Einkaufsprozess löst sich vom Desktop, vom Smartphone und vom stationären Geschäft. Waren werden in einer nicht allzu fernen Zukunft über neue Geräte wie Amazon Dash oder über vernetzte Oberflächen beziehungsweise Bildschirme an den unterschiedlichsten Orten bestellt werden.

Einkauf findet überall statt

E-Matters, Anbieter der „E-Commerce-Suite“, geht ebenfalls davon aus, dass Einkaufen künftig über wesentlich vielfältigere Weise geschehen wird als heute. Für die Shop-Software heißt das, dass sie zum Backbone für die unterschiedlichsten Bezugskanäle werden wird und neue Anwen dungen geschmeidig integrieren muss. Johannes W. Klinger, Vorstand der Websale AG, spricht noch einen weiteren Aspekt an, nämlich neue Möglichkeiten der Interaktion: „Die Shop-Software wird nicht nur in der Lage sein, nahtlos verschiedenste Devices bis hin zu Datenbrillen, sondern auch Spracheingabe und Gestensteuerung zu unterstützen.“ Hagen Meischner, Country Manager für Deutschland, Österreich und die Schweiz bei Prestashop, stimmt zu: „Die Interaktion mit dem Shop-System wird sich nachhaltig verändern. Sprachsteuerung oder spezielle Shopping-Devices werden eine zunehmende Rolle spielen.“

Dazu hat Wolfgang Vogl, Director Business Development bei Speed4Trade, eine Zahl parat: „Bis 2020 wird prognostiziert, dass bis zu 30 Prozent der Online-Bestellungen nicht mehr über den klassischen Bildschirm getätigt werden, Stich wort Amazon Dash Button.“ Speed4Trade entwickelt deshalb das Shop-Frontend flexibel, um neben den Kanälen Online, Offline und Mobile auch Bestellungen über das Internet of Things unterstützen zu können.

Herausforderung durch neue Devices

Meischner von Prestashop ist der Ansicht, dass die Integration neuer Shopping-Devices oder -Kanäle den Shop-Plattformen einiges abverlangt: „Um solche Trends aufzugreifen, bedarf es nicht nur einer technischen Integration dieser Technologien, sondern das Online-Shop-System muss komplett neu konzeptioniert werden. Dies wird einen ähnlichen Einfluss auf die Online-Shop-Systeme haben wie aktuell das Thema Mobile Shopping.“

Für alle Online-Händler, die ihren Shop gerade mit viel Aufwand für das mobile Zeitalter fit gemacht haben, bedeutet das: Die nächste Technologiewelle, die neue Anforderungen an den Online-Shop stellen wird, rollt bereits heran. ❚


E-Commerce Messe

Shop-Software-Hersteller auf der Internet World

OXID eSales AG Halle B6 / B 072

Plentymarkets Halle B5 / J 437

Prestashop Halle B6 / A 003

Shopgate Halle B5 / E 287

Shopware Halle B6 / D 190

Speed4Trade Halle B6 / D 181

Spryker Systems Halle B6 / E 265

Websale Halle B6 / E 270


E-Commerce Messe

Shop-Software-Hersteller auf der Internet World

A Eins IT (21st Mall E-Shop) Halle B6 / A036

Commercetools Halle B6 / B 112

Cosmoshop Halle B5 / F 330

E-Matters Halle B6 / E253

ePages Halle B6 / A 031

Intellishop Halle B6 / D180

Intershop Communications Halle B6 / D 216

Novomind Halle B6 / C 136


<strong>Auf der Internet World stellen namhafte Shop-Software-Anbieter ihre Lösungen vor. Einige bringen zur Messe in München ganz frische Releases mit:</strong>

Premieren auf der Internet World

Device Management: Intellishop bietet für das neue Release ein Modul an, mit dem Geräte registriert und verwaltet werden können

Intellishop (Halle B6 / D180) stellt das Release 7.9 der gleichnamigen E-Commerce-Plattform mit zwei neuen Modulen vor. Intellishop wendet sich mit seiner Software vor allem an Unternehmen, die eine B2B-Lösung benötigen. Vor diesem Hintergrund ist das neue Modul „Account Management“ sinnvoll: Mit diesem Modul können Beschaffungsprozesse und die Organisationsstruktur von Kunden im Shop abgebildet werden, und zwar vom Kunden selbst. In Unternehmen kaufen häufig verschiedene Abteilungen ein, das soll dadurch erleichtert werden. Das Modul wird im Standard-Update enthalten sein.

Das Modul „Device Management“ hingegen wird ein Premium-Modul sein, das eigens hinzugebucht werden muss. Damit können Unternehmen ihre Geräte oder Maschinen online registrieren und darüber die Garantie oder die Wartung verwalten.

E-Matters (Halle B6 / E253) bringt ebenfalls ein neues Modul für die E-Commerce-Suite mit nach München. Es trägt den Arbeitstitel „Customer Experience Designer“. Marketingverantwortliche können damit verschiedene Kontaktmöglichkeiten mit ihren Kunden definieren und sie mit personalisierten Aktionen hinterlegen. Dadurch soll die Personalisierung gestärkt werden und die Customer Journey einfacher gesteuert und ausgewertet werden können.

Die Websale AG (Halle B6 / E270) präsentiert das neueste Release der Shop-Plattform „Websale V8“ auf der Internet World. Es erscheint mit zusätzlichen Suchmaschinenmodulen für SEO-Agenturen und beinhaltet weitere Schnittstellen zu Payment-Diensten, wodurch Shop-Betreiber ihren Online-Shop noch individueller an die Zahlungsvorlieben ihrer Kunden anpassen können. Auch das Thema Mobile-Optimierung wurde weiter intensiviert. So stellt Websale das neue Websale Backend vor, das im Responsive Design entwickelt wurde und eine verbesserte Usability bietet.

Weitere Bilder
comments powered by Disqus