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Die Gemeinschaft zählt

Warum ein Brexit eine Katastrophe für den britischen Online-Handel ware

„Zu wenige britische Unternehmen sehen und nutzen die Vorteile des Binnenmarktes“

Philip Rooke, Brite, Royalist und CEO der Spreadshirt AG www.spreadshirt.com

Spätestens Ende 2017 wollen die Briten über einen eventuellen EU-Ausstieg abstimmen. Meiner Ansicht nach wäre ein Brexit ein Desaster. UK-Online-Händler stünden isoliert da und wären im Wettrennen mit Global Playern beeinträchtigt.

Eine Umfrage der Federation of Small Businesses ergab 2015, dass nur eine knappe Mehrheit der UK-Firmen der Meinung ist, dass eine EU-Mitgliedschaft sich positiv auf die gesamte Volkswirtschaft auswirkt. Und nur 35 Prozent sehen Vorteile für ihr eigenes Geschäft. Das bedeutet: Zu wenige britische Unternehmen erkennen und nutzen die Vorteile des EU-Binnenmarkts. Besonders für den E-Commerce ist dieser eine Chance, Wettbewerbern aus anderen großen Märkten – allen voran USA und China – auf Augenhöhe zu begegnen oder ihnen sogar gefährlich werden zu können.

Es ist kein Zufall, dass viele Internet-Giganten aus den USA oder aus China kommen. Der Grund: Sie entwickeln sich in einem riesigen Markt, in dem sie schnell wachsen können. Das macht sie vom ersten Tag an skalierbarer und attraktiver für Investoren. Aus ihrem Heimatmarkt heraus bringen sie sich für die globale Disruption in Stellung.

Ein amerikanischer Online-Händler macht seine ersten Schritte in einem Markt von 227 Millionen Internet-Nutzern, sein chinesisches Pendant hat Zugang zu 644 Millionen. In Großbritannien gibt es gerade einmal 57 Millionen Internet-Nutzer und somit potenzielle Kunden. Wenn sich ein Unternehmen aber als Teil eines europäischen Ganzen betrachtet, dann kann es sich in einem Markt von 399 Millionen Internet-Nutzern entwickeln.

Online-Händler haben in der EU vor allem drei Vorteile: Freizügigkeit, Gemeinsamkeiten und – vielleicht überraschend – weniger Bürokratie. Cross-Border-Commerce ist auf den freien Warenverkehr über Ländergrenzen hinweg angewiesen. Ebenso wichtig ist aber auch die Freizügigkeit der Arbeitnehmer. In unserem Hauptquartier in Leipzig arbeiten Kollegen aus 15 Nationen. Ohne dieses Team wären wir nicht in der Lage, entsprechend international zu agieren. Natürlich gibt es große Unterschiede zwischen den EU-Ländern. Für den E-Commerce zählen aber vor allem die Gemeinsamkeiten: Marketing und Versand sind relativ einfach zu handhaben, Steuer- und Rechtssysteme sind verhältnismäßig ähnlich. Natürlich ist die Sprachenvielfalt groß, aber Übersetzungen sind kein Problem und bezahlbar. Angesichts der großen Chancen sind diese kleinen Hürden leicht zu nehmen.

Es wird viel über den Bürokratiekraken EU geschimpft. Meiner Meinung nach hat die EU aber den Verwaltungsaufwand in einigen Bereichen sogar verringert, besonders für Retailer. Vielleicht haben wir vergessen, wie zäh und schwierig der Im-und Export von Produkten früher sein konnte. Auch Datenschutz, Verbraucherrechte und Beschäftigung werden in Ländern, die EU-Vorgaben vernünftig handhaben, zunehmend einfacher.

Deshalb: Ein Brexit wäre aus meiner Sicht eine Katastrophe. Britische Unternehmen – und letzten Endes die gesamte Bevölkerung – würden darunter leiden. Von der Insel stammende Start-ups hätten schlechte Chancen, den Sprung auf den Weltmarkt zu schaffen, und auch etablierte Unternehmen wären gefährdeter, von Konkurrenten überrollt zu werden, die in größeren und flexibleren Märkten gedeihen. Statt sich zu isolieren, sollte die britische Wirtschaft die Chancen nutzen, die ihnen die EU bietet. ❚

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