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Die Payment-Trends

Sie bleibt die beliebteste Zahlart der deutschen Shopper, verliert jedoch an Bedeutung: die Rechnung. Eine Studie zeigt, wie Online-Shopper ihre Einkäufe bezahlen wollen

Da reibt man sich erstaunt die Augen: Seit Jahren predigen Payment-Experten, Online-Händler sollten ihren Kunden den Kauf auf Rechnung anbieten – trotz hohen Ausfallrisikos und hoher Retourenquoten. Denn die Käufer lieben diese Zahlart, ist sie doch für den Konsumenten das sicherste Bezahlverfahren überhaupt. Schließlich bezahlt er erst nach Erhalt der Ware, und zwar nur die Artikel, die er auch wirklich behalten möchte. Der Rechnungskauf gilt daher als Umsatz-Booster.

Doch nun scheint diese Dominanz langsam zu bröckeln: Erstmals sinkt der Kauf auf Rechnung in der Gunst der Shopper, wie die neueste Studie des ECC Köln belegt. Für die Erhebung „ECC-Payment-Studie Vol. 20“ haben die Marktforscher aus Köln 883 deutsche Konsumenten und 394 deutsche Online-Händler befragt (November 2015 bis Januar 2016). Ergebnis: Nur noch knapp 40 Prozent der Online-Einkäufer bezeichnen die Rechnung als ihr liebstes Bezahlverfahren, im Vorjahr waren es noch gut 50 Prozent.

Damit belegt die Rechnung zwar noch immer Rang eins auf der Liste der beliebtesten Bezahlverfahren, Paypal folgt mit fast 31 Prozent aber schon dicht dahinter. Vor allem Kunden, die häufig online bestellen, präferieren Paypal. Dennoch ist die Rechnung aus bestimmten Branchen und Zielgruppen nicht wegzudenken. Insbesondere Frauen schätzen diese Bezahlmöglichkeit. Da sie oft Mode online ordern, ist der Rechnungskauf für Fashion-Shops daher quasi ein Muss. Daneben lieben ihn vor allem sicherheitsbewusste Nutzer und solche, die seltener online einkaufen.

Kreditkarte wird beliebter

Auf Platz drei in der Nutzergunst liegt die Lastschrift. Die SEPA-Umstellung hat trotz der langen IBAN-Nummern keinen negativen Einfluss gehabt. Deutlich zulegen konnte in der Akzeptanz der Shopper die Kreditkarte. Gut elf Prozent bezeichnen sie nun als ihre präferierte Zahlart – vor allem Männer mit höherem Einkommen. Im Vorjahr waren es nur 7,7 Prozent.

Die meisten Händler kommen diesen Vorlieben ihrer Kunden nach: 5,3 Bezahlmethoden haben Shops durchschnittlich im Angebot. Knapp 88 Prozent bieten Vorkasse an, 87 Prozent Paypal, 60 Prozent die Rechnung. Platz vier belegt die Kreditkarte, die in gut 57 Prozent der Shops zu finden ist, Rang fünf geht mit gut 53 Prozent an Sofortüberweisung. Je umsatzstärker der Händler, desto umfassender ist das Zahlartenportfolio: Shops mit mehr als zehn Millionen Euro Jahresumsatz bieten im Schnitt 6,4 Bezahlverfahren an.

Auch wenn die Anzahl der Bezahlmethoden nahezu unverändert geblieben ist, optimieren viele Händler ihre Auswahl kontinuierlich. Rund 43 Prozent haben in den vergangenen zwei Jahren neue Zahlarten eingeführt, am häufigsten Paypal (13,5 Prozent), den Rechnungskauf (9,2 Prozent), Sofortüberweisung (9,2 Prozent) und Amazon Payments (8,0 Prozent). Bei Amazon Payments prognostizieren die Händler für die kommenden zwei Jahre auch den größten Zuwachs: 17 Prozent der befragten Shop-Betreiber wollen die Bezahllösung einführen.

Ebenfalls im Kommen sind abgesicherte Zahlarten, bei denen ein Dienstleister gegen eine Gebühr das Risiko eines Zahlungsausfalls übernimmt. Gut 15 Prozent der Shop-Betreiber wollen den gesicherten Rechnungskauf einführen, 12,4 Prozent die Lastschrift und 11,4 Prozent den Ratenkauf. Der meistgenutzte Dienstleister für einen abgesicherten Rechnungskauf ist Billsafe: Rund 44 Prozent nutzen die Paypal-Tochter oder planen, sie zu verwenden. 22,5 Prozent haben sich für Klarna entschieden, 8,6 Prozent für Billpay, 5,3 Prozent für Paymorrow, 2,6 Prozent für Ratepay.

Beim Finanz- beziehungsweise Ratenkauf, den Billsafe nicht anbietet, haben die Schweden dafür die Nase vorn: Fast 39 Prozent der Händler, die Ratenkauf anbieten oder anbieten möchten, tun dies mit Klarna. Rang zwei geht hier mit zehn Prozent an die Otto-Tochter Ratepay.

Dienstleister im Kommen

Überhaupt verlassen sich immer mehr Händler auf externe Dienstleister. So greifen 29 Prozent der Shop-Betreiber auf die Dienste eines Payment Service Providers (PSP) zurück, um ihre Bezahlverfahren im Shop einzubinden. Knapp neun Prozent arbeiten konkret an einer künftigen Zusammenarbeit mit einem PSP. Nur für gut

36 Prozent kommt ein Outsourcing nicht infrage. Es fällt auf, dass vor allem Shop-Betreiber mit weniger als fünf Jahren Erfahrung im E-Commerce sich auf das Know-how der Dienstleister verlassen.

Die meisten Händler sehen den Hauptvorteil einer Zusammenarbeit mit einem Payment Service Provider im geringeren Integrationsaufwand.

Ähnlich ist die Lage bei Anbietern kompletter Payment-Pakete. Bei solchen vorgefertigten Bezahllösungen bündelt ein Provider eine Auswahl der beliebtesten Zahlarten und stellt sie den Händlern mit nur einem Vertrag und einer technischen Integration zur Verfügung. Der Anbieter fungiert damit quasi als „PSP light“. Die bekanntesten Paketangebote sind hier Paypal Plus und Klarna Checkout. Knapp 30 Prozent der Händler greifen auf eine solche Lösung zurück, zehn Prozent planen dies für die Zukunft. Zwei Drittel der Shop-Betreiber, die eine vorgefertigte Lösung einsetzen, nutzen Paypal Plus, zwölf Prozent vertrauen dem Klarna Checkout.

Für die Zukunft setzen die Händler vor allem auf Schnelligkeit: Rund ein Drittel bietet bereits einen oder mehrere schnelle Express-Checkouts an, zwölf Prozent planen dies konkret. Bei fast drei Viertel der Händler kommt Paypal Express zum Einsatz – diese Lösung ist mit Abstand am längsten im Markt verfügbar. Dahinter liegt Amazon Express mit gut 26 Prozent. Bei der Einschätzung von Paydirekt, dem neuen Bezahlverfahren der Banken, warten die Händler noch ab: Zwar findet die Mehrheit es gut, dass die Banken nun eine eigene Payment-Lösung anbieten, aber nur ein Drittel hält dies für eine ernst zu nehmende Konkurrenz für bestehende Bezahlverfahren wie Paypal. Mehr als drei Viertel der Shop-Betreiber kann sich vorstellen, Paydirekt künftig zu nutzen – allerdings nur, wenn es günstiger ist als andere Verfahren. Zehn Prozent planen die Integration schon konkret. ❚

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