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Teure Webadresse

Für über 40 Millionen Dollar ging die Internet-Endung .shop an ein japanisches Unternehmen. Es will daraus eine zentrale Anlaufstelle für E-Commerce machen

Die GMO Registry, ein Unternehmen aus Japan, feiert den Zuschlag für die Endung .shop. „Wir sind hoch erfreut“, so CEO Hiro Tsukahara (Mitte).

Drei, zwei, eins ... meins. Kein überflüssiger Ramsch aus dem heimischen Keller wurde Ende Januar in einer Online-Auktion versteigert, sondern eine ganze besondere E-Commerce-Endung: .shop. Für die Domain-Endung hatte es gleich neun konkurrierende Bewerbungen gegeben, darunter auch von Amazon und Google. Da sich der Bewerberkreis intern nicht einigen konnte, wurde die Top-Level-Domain am 27. Januar von der internationalen Vergabestelle ICANN versteigert.

Für 41,5 Millionen Dollar ging .shop am Ende an die japanische GMO Registry. Das im Weltmaßstab eher kleinere Domain-Unternehmen betreibt vor allem regionale Endungen wie .tokyo.

Der Preis stellt den bisherigen Spitzenreiter .app weit in den Schatten. Google hatte für die Endung im Februar letzten Jahres 25 Millionen Dollar bezahlt. „Wir sind hocherfreut, dass wir eine der begehrtesten Namen des TLD-Programms der ICANN erworben haben. .shop ist kurz, relevant und wird weltweit verstanden“, meint Hiro Tsukahara, CEO von GMO Registry. Er glaubt, dass mit .shop ein mächtiges Marketing-Tool für den E-Commerce entstehen kann, das Internet-Nutzern Orientierung bietet.

Zum Preismodell, zu konkreten Vergabekriterien und zum Launch-Termin ist noch nichts in Erfahrung zu bringen. Es heißt nur, dass es gegen Herbst 2016 losgehen soll. Vage bekannt ist bisher, dass .shop keine Standardendung werden soll. Der Weiterverkauf von .shop-Adressen soll eingeschränkt werden, um Domainer fernzuhalten. Käufer von Adressen müssen einen Bezug zum E-Commerce haben, zudem sollen noch nicht weiter spezifizierte Zusatzdienste für Inhaber einer .shop-Domain angeboten werden. CEO Tsukahara ist zuversichtlich, dass das Konzept die Branche überzeugt: „Wir glauben, dass es für E-Commerce-Unternehmen weltweit die Endung der Wahl werden wird.“

Jetzt muss GMO viel insMarketing investieren

In der Branche gibt es Zweifel, ob der Kaufpreis für .shop angemessen war. 12,3 Millionen Domains wurden laut Angaben des Branchendienstes nTLDStats unter allen bisher freigeschalteten neuen Endungen verkauft. Die meisten TLD-Betreiber und Registrare hatten mit einer deutlich höheren Anzahl gerechnet. Allerdings ist das Interesse an den .shop-Adressen ausgesprochen hoch. Der Registrar United Domains veröffentlicht ein Ranking zu unverbindlichen Vorbestellungen, dort führt .shop mit mehr als 140.000 klar.

Auch bei Strato ist .shop der Favorit: „Auf unserer Wunschliste befindet sich die .shop unangefochten auf Platz 1 unter den neuen Top-Level-Domains – gefolgt von .online und .web.“ Die Firma Hexonet verrät keine konkreten Zahlen, meint aber, dass es ein ziemlich großes Interesse gebe, wobei die E-Commerce-TLD auf Platz 2 hinter .web stehe.

Andrew Allemann von dem US-amerikanischen Branchenblog Domainnamewire.com räumt ein, dass .shop eine großartige Top-Level-Domain sei. Trotzdem sei der Preis kaum zu rechtfertigen: „Die Firma wird noch weitere Millionen ins Marketing investieren müssen, um auf eine größere Zahl an Registrierungen zu kommen. Es ist schwer vorstellbar, wie sie einen guten ROI aus diesem Investment ziehen wollen.“

Die GMO-Pläne, Domainer fernzuhalten und Zusatzdienste anzubieten, findet er interessant. Die Erfahrung zeige allerdings, dass Registrare, die Domains im Auftrag der TLD-Betreiber an Endkunden verkaufen, nicht sonderlich scharf auf solche Produktbündel seien und dass Domainer einfach eine wichtige Käufergruppe seien. Allemann glaubt, dass es in jedem Fall viele defensive Registrierungen geben wird, vor allem durch einen der ursprünglichen .shop-Interessenten: „Ich rechne damit, dass Amazon.com Hunderte, wenn nicht Tausende .shop-Domains registrieren wird.“

40 Millionen – doch ein Schnäppchen?

Florian Hitzelberger, Rechtsanwalt und Blogger beim United-Domains-Blog Domain-recht.de, antwortet schlicht, dass eine Top-Level-Domain eben genau das wert sei, was ein Käufer zu zahlen bereit ist. Der Preis von 41,5 Millionen Dollar liege in jedem Fall an der oberen Grenze des Erwartbaren.

Im Hinblick auf die hohen Vorbestellungszahlen bei United Domains hält er die Erfolgsaussichten von .shop allerdings für überdurchschnittlich hoch. Jetzt werde es darauf ankommen, wie der Betreiber strategisch vorgeht: „Viel wird nun davon abhängen, dass die designierte Verwalterin GMO Registry Inc. ein für die Internet-Nutzer wirtschaftlich attraktives Vergabe- und Gebührenmodell schafft und technische Rahmenbedingungen zur Verfügung stellt, die eine unkomplizierte und rasche Registrierung ermöglichen“, so die Einschätzung von Anwalt Hitzelberger.

Letztlich ließen sich die Erfolgsaussichten aber nur langfristig beurteilen. Hitzelberger meint daher: „Insoweit könnte sich durchaus in einigen Jahrzehnten noch ergeben, dass selbst ein Betrag von über 40 Millionen Dollar ein Schnäppchen war.“ ❚

Stefan Mey

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