INTERNET WORLD Business





Größe zeigen im Shop

Die Größenangaben der Hersteller unterscheiden sich, das erhöht im E-Commerce die Retourenquote. Diverse Tools helfen den Kunden, die richtige Passform zu finden

Mit Schiebereglern senkt Sportscheck die Retourenquote. Der Händler von Sportsachen hat die Software von Fitanalytics integriert. Bei Wanderjacken, Hosen und Schuhen prüft der Käufer so, ob die Größe stimmt. Dazu gibt er per Schieberegler Körpergröße und Gewicht ein – und sofort folgt die Empfehlung: „Die Größe M wurde von 84 Prozent der Kunden mit identischen Angaben zu Größe und Gewicht gekauft und nicht zurückgeschickt.“

Wie Fitanalytics, True Fit, Virtusize oder Fits.me (s. links) versuchen etwa ein Dutzend weiterer Unternehmen, die Größenprobleme im E-Commerce zu lösen. Sie entstehen, weil sich Mode- und Schuhhersteller nicht an Standardgrößen halten und ihre Schnitte mal großzügiger, mal genauer bemessen. Außerdem kennen auch die Kunden ihre Maße nicht. Sie bestellen daher keine Kleidung online oder von einem Stück gleich mehrere Größenvarianten: Beides gefällt dem Handel nicht.

„Falsche Passform und Größe sind die wichtigsten Gründe für den Rückversand“, sagt Sebastian Schulze, Geschäftsführer von Fitanalytics aus Berlin. Mit den Werkzeugen zur Größenempfehlung lassen sich Retourenquoten um bis zu 50, 60 Prozent senken, außerdem steigt damit die Zahl der Kaufabschlüsse. Die Geschäftsmodelle der Anbieter ähneln sich: Sie nehmen bis zu 15 Prozent Provision von den Verkäufen. Noch zeigen erst einige Händler Größe im Shop und setzen auf die Tools.

Vor wenigen Jahren waren diese nämlich für Kunden noch kompliziert. So basierte etwa Upcload, das erste Tool, das Schulze und sein Team entwickelten, auf Fotos per Webcam, für die die Nutzer den Laptop und sich selbst exakt ausrichten und mit einer CD posieren mussten – „für Kleidung von der Stange ein zu hoher Aufwand“, so Schulze. „Maßschneider wie Hemdwerk.de und ihre Klientel schwören auf die Genauigkeit von Upcload.“

Heute vereinfacht und beschleunigt die Datenanalyse die Größenempfehlungen:

Fitanalytics etwa zieht Kauf- und Retourenerfahrungen heran und gleicht sie mit den individuellen Maßen ab. Daraus lassen sich sogar Prognosen für Eltern ableiten, wie lange dem Nachwuchs der Pullover einer Größe passen wird. Auf ähnliche Daten aus dem Backoffice greift auch der Größen- und Modeberater von Otto-Tochter Sheego zurück sowie Zalando für die Einschätzung, wie Schuhmodelle ausfallen.

„Die Modeberatung wird gern genutzt“, berichtet Anastasia Lazaridou, Shop-Managerin von Sheego. „Kundinnen, die es nutzen, verweilen länger bei Sheego.de.“True Fit wiederum verarbeitet Herstellerangaben mit Retourendaten und nennt den Kunden Marken mit ähnlicher Schnittführung. Mit weiteren Angaben zu Figur und Maßen verbessert sich die Einschätzung. Fits.me und Virtusize indes basieren auf Bilddatenbanken und verarbeiten dazu Absatzzahlen. Die Kunden messen sich oder gut sitzende Kleidung aus, die Tools vergleichen diese Angaben mit Herstellermaßen und zeigen anhand von Skizzen, in welchen Größen ein Hemd oder ein Kleid enger anliegt oder weiter sitzt.

Die Technik schreitet fort: Zu erwarten ist, dass die genannten und andere Tools Größenfragen bald noch besser lösen werden – Rundumkameras und Virtual Reality liefern nämlich noch mehr Daten. ❚


Vier Tools zum Größen messen

Vergleichen und empfehlen

Der Größenberater von Fitanalytics basiert auf Datenanalyse und wird von rund 70 Online-Shops eingesetzt. Die Kunden geben auf einer Produktdetailseite Schlüsselwerte wie Körpergröße, Gewicht und Alter ein. Die Software empfiehlt danach Größen, die ähnlich proportionierte Kunden bei vergleichbarer Kleidung kauften und nicht zurückschickten. www.fitanalytics.com

Passformen und Tipps

Fits.me ist eine virtuelle Anprobe auf Basis einer Bilddatenbank und eine Größenempfehlung. Die Kunden geben detailliert ihre Maße (Brust, Hüfte, Taille, Armlänge) ein. Anhand dieser Daten wird eine Figur berechnet, die zeigt, wie die diversen Größen eines Kleidungsstück sitzen werden. In der einfacheren Variante empfiehlt Fits.me durch Datenanalyse passende Größen.

www.fits.me

Ableiten und lernen

True Fit leitet Empfehlungen aus den Kaufdaten von Händlern und den Mess- und Größenangaben von Marken ab. Die Kunden werden nach der Marke und Größe eines gut sitzenden Kleidungsstücks gefragt. Danach gleicht die lernende Datenbank dieses mit den Angaben anderer Marken und Retourenerfahrungen ab und empfiehlt die Größe für das Kaufobjekt.

www.truefit.com

Messen und zeigen

Virtusize ist eine App, in der die Kunden die Maße gut sitzender Kleidungsstücke aus ihrem Schrank abspeichern und beim Online-Shoppen mit den Größen der Marken vergleichen. Damit das funktioniert, integrieren die Händler wiederum die Datenbank von Virtusize, die weitgehend aus den Größenangaben der Hersteller und ihren Retourendaten besteht.

www.virtusize.com

Weitere Bilder
comments powered by Disqus