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Bitcoin und der Handel

Die Kryptowährung Bitcoin ist für innovative Shops ein gutes Aushängeschild

„Derzeit sind Bitcoin-Nutzer noch eine kleine, aber exklusive Zielgruppe“

Ralf Gladis, Gründer und Geschäftsführer des Zahlungsdienstleisters Computop www.computop.com

Weit über 7.000 Online-Händler weltweit akzeptieren schon Bitcoin-Zahlungen, darunter Größen wie Expedia und Microsoft. Welche Vorteile hat die Kryptowährung für den Handel? Ich selbst bin Payment-Experte und wurde vom Bitcoin-Gegner zum Befürworter. Dieser Kommentar erklärt, warum Bitcoin-Zahlungen heute seriös und vorteilhaft sind

Für den Handel sind Bitcoin-Zahlungen garantiert und risikofrei wie Bargeld. Händler, die Bitcoin akzeptieren, bekommen ihr Geld in Euro, Dollar oder Pfund, und zwar ohne Währungsrisiko. Bitcoin-Zahlungen sind mit rund einem Prozent Disagio sehr preiswert, zumal es keinerlei Bankgebühren oder Kosten für Währungskonversion gibt. Das sind besonders im internationalen Geschäft große Vorteile.

Anfangs störte viele Payment-Experten, dass das digitale Zahlungsmittel keiner Regulierung von einer Finanzbehörde unterliegt, denn erst dadurch wird sichergestellt, dass die Gelder von Konsumenten und Händlern seriös und sicher verwaltet werden. Inzwischen haben sich seriöse Anbieter wie Bitnet freiwillig der Bankenregulierung unterzogen. Deshalb können wir sicher sein, dass Geldwäsche bekämpft, Gelder sicher verwahrt und sowohl Händler als auch Bitcoin-Nutzer geschützt werden.

Und wer ist die Zielgruppe für Bitcoin-Zahlungen? Die Nutzer sind zu 90 Prozent männlich und Technik-affin. 55 Prozent sind zwischen 19 und 34 Jahre alt. Rund 33 Prozent liegen im Alter von 35 bis 54 Jahren. Zum Beispiel für Elektronikhändler ist das eine wichtige Zielgruppe.

Interessant ist der Bitcoin-Einsatz vor allem für internationale Kunden: Bei Konsumenten in innovationsfreundlichen Ländern wie den USA oder Großbritannien ist Bitcoin besonders erfolgreich, ebenso in Regionen wie China und Südamerika. Denn dort umgehen die Bürger mit der Kryptowährung die hohe Inflation und die hohen Kosten des grenzüberschreitenden Geldtransfers. Viele wohlhabende Menschen in Ländern mit protektionistischer Währungspolitik besitzen größere Summen an Bitcoin. Wer Schmuck, Uhren oder andere Luxusartikel verkauft, kann diesen Leuten die Chance geben, ihr Cyber-Vermögen auch auszugeben.

Bei Transaktionen großer Beträge zeigt sich ein weiterer Vorteil der digitalen Währung: Zahlungen für Luxusgüter über 10.000 Euro lassen sich mit Karten, Paypal oder Online-Überweisung nicht sicher abwickeln – mit Bitcoin ist das ganz einfach. Auch Retourenprozesse und Gutschriften sind mit Bitcoin möglich.

Doch machen wir uns nichts vor: Derzeit sind Bitcoin-Nutzer noch eine kleine, aber exklusive Zielgruppe. Zwar berichten Händler mit Bitcoin-Akzeptanz auf Konferenzen von wiederkehrenden, treuen Kunden mit sehr hohen Warenkorbwerten, trotzdem erzielt man mit Bitcoins noch keine großen Umsätze. Bitcoin als Zahlungsoption im Checkout erzeugt aber Aufmerksamkeit und ist ein innovatives Aushängeschild, das einen positiven Image-Effekt auf die Marke haben kann. Bitcoin-Zahlungen sind sicher, günstig und international – gut für den Handel. ❚

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