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Real kauft Hitmeister

Der Handelskonzern holt sich Technologie und Know-how fürs Marktplatzgeschäft

Gut zehn Millionen Produkte finden die Käufer auf dem Hitmeister-Marktplatz

Rewe und Engelhorn haben es vorgemacht: Der Lebensmittelkonzern hat mit Commercetools Shop-Technologie und E-Commerce-Know-how zugekauft, der Herrenausstatter Engelhorn hat dies mit der Übernahme von Agentur und Shop-System-Schmiede Shopmacher getan. Nun ist die Supermarktkette Real, genauer gesagt die Real Holding, diesem Beispiel gefolgt und hat den Online-Marktplatz Hitmeister übernommen. „Wir wollen Real ganz klar in Richtung Online-Marktplatz weiterentwickeln – natürlich immer mit dem Multichannel-Aspekt“, begründet Jan-Philipp Blome, Leiter Real Multichannel und E-Commerce, den Schritt. „Deswegen haben wir jetzt mit Hitmeister ein Team erfahrener E-Commerce-Spezialisten an Bord. Zusätzlich profitieren wir von Hitmeisters Technologie-Know-how.“

Real wird Online-Marktplatz

Real hat bereits vor einiger Zeit angefangen, sein Sortiment durch Drittanbieter auszubauen. Auf Dropshipping-Basis – dabei wird Ware zwar im Real-Shop verkauft, aber direkt vom Handelspartner verschickt – sind mittlerweile rund 140 Lieferanten angebunden. „Wir wollen unser Markenversprechen ‚Einmal hin. Alles drin‘ auch online einlösen. Um mit anderen Playern wie Amazon oder Ebay vergleichbar sein zu können, müssen wir uns für wesentlich mehr Handelspartner öffnen als bisher“, so Blome. Hitmeister ist hier eine nahezu perfekte Ergänzung: Mehr als 5.000 Lieferanten und Marktplatzteilnehmer verzeichnen die Kölner derzeit, dazu ein Sortiment mit mehr als zehn Millionen Produkten in gut 5.000 Kategorien. Das Sortiment deckt vor allem die Bereiche Möbel, Medien, Musik, Elektronik, Haushalts- und Gartenartikel, Sportausrüstung, Kosmetik, Babyartikel, Auto- und Outdoor-Produkte ab und „adressiert somit den typischen Real-Kunden“, betont Blome. Rund 2,5 Millionen Kunden zählt Hitmeister im Moment.

Auf technologischer Seite waren Blome zufolge sowohl die Marktplatztechnologie mit der Anbindung und dem Datenaus tausch der Handelspartner sowie das Produktinformationssystem interessant. Beides sind Eigenentwicklungen von Hitmeister auf Basis verschiedener Open-Source-Technologien. Auch von der Suchtechnologie innerhalb des Marktplatzes und der SEO-Erfahrung der Hitmeister-Crew will Real profitieren.

In welcher Form dies künftig geschehen wird, soll in den kommenden Monaten erarbeitet werden. Parallel zum Betrieb des Real-Online- und des Hitmeister-Geschäfts wird ein mehrköpfiges Team ausloten, an welchen Stellen von den Stärken des jeweils anderen profitiert werden kann. ❚

Christiane Fröhlich


So lässt sich der Erfolg von automatisierten Marketing-Kampagnen ermitteln

Holger Behnsen, Managing Director bei Emarsys www.emarsys.de

Tools für automatisierte Online-Marketing-Kampagnen helfen, Kunden anhand ihres Lebenszyklus zielgruppenspezifisch anzusprechen. Inaktive Kunden etwa werden so reaktiviert. Doch wie kann der Erfolg der Kampagnen richtig gemessen werden?

1. Eine Kontrollgruppe erstellen

Ein Beispiel: 10.000 inaktive Kunden eines Shops werden monatlich mithilfe einer automatisierten Reaktivierungskampagne angesprochen. 1.000 davon kaufen, das heißt, die Konversionsrate beträgt zehn Prozent. Die Käufer generieren einen Umsatz von 100.000 Euro. Für die Erfolgsmessung wird gefragt, welcher Umsatz auch ohne Kampagne entstanden wäre. Dazu wird mit einer Kontrollgruppe gearbeitet. Deren Größe sollte etwa zehn Prozent der „Programm-Gruppe“ betragen, um aussagekräftige Ergebnisse zu erhalten, in diesem Fall also 1.000. In unserem Beispiel kaufen 50 dieser Kunden im gleichen Zeitraum und generieren einen Umsatz von 3.750 Euro. Im Vergleich ergibt sich mit Programm eine zehnprozentige, ohne Programm eine fünfprozentige Konversionsrate. Der durchschnittliche Warenkorbwert ist dabei mit 100 Euro höher als mit 75 Euro ohne Programm. Die Kampagne war also ein Erfolg.

2. Strategie anpassen

Marketer können mit unterschiedlichen Incentives zur Reaktivierung experimentieren und ihre Strategie entsprechend anpassen: etwa mit einem Zehn-Prozent-Rabatt, einem Zehn-Euro-Gutschein, ohne Gutschein und alles auch in Kombination mit verschiedenen Mindestbestellwerten. Ein Gutschein kann sehr gut funktionieren, jedoch ist der durchschnittliche Warenkorb oft recht niedrig. Ein Rabatt konvertiert eventuell etwas schlechter, führt aber zu höheren Bestellwerten – je höher der Bestellwert, desto höher der absolute Rabatt für den Kunden. Zudem müssen bei einer Gutscheinvariante die Gutscheinkosten berücksichtigt werden.

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