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„Wir wollen vorne mitspielen“

Der Shopping-Club Limango meldet ein solides Umsatzwachstum und sucht die Expansion in Europa. Die Pläne der Otto-Beteiligung für 2016 erklärt Mitgründer Sven van den Bergh im Interview

Sven van den Bergh 2007 gründete van den Bergh gemeinsam mit Johannes Ditterich und Martin Oppenrieder den Private Shopping Club Limango. 2009 übernahm die Otto Group das Unternehmen

Der Zielgruppe Familie haben sich viele E-Commerce-Anbieter angenommen – auch in Deutschland. Und der Markt boomt: Hat man als Händler das Vertrauen der Eltern gewonnen, stehen die Chancen gut, sie lange als Kunde an seiner Seite zu wissen. Ein Anbieter, der in diesem Segment vorn mitspielen möchte, ist der Private Shopping Club Limango. Die aktuellen Geschäftszahlen weisen ein Umsatzwachstum von 40 Prozent auf 129 Millionen Euro aus. Rund 80 Prozent der Bestellungen stammen von Bestandskunden. Grund genug, um bei Mitgründer Sven van den Bergh nachzufragen, welche Faktoren für diesen Erfolg verantwortlich sind und was für 2016 auf dem Plan steht.

Was läuft beim Private Shopping im Vergleich zum klassischen E-Commerce-Modell anders?

Sven van den Bergh: Beim klassischen Online-Shopping meldet sich ein User erst an, wenn er einen Kauf tätigt. Beim Private Shopping registrieren sich User bereits, um die Angebote zu sehen. Beim klassischen Modell muss man seinen Traffic täglich neu einkaufen. Private Shopping bietet den Vorteil, dass man schon vor dem Kauf mit dem Kunden in Dialog treten kann, ohne zusätzliche Kosten.

Wie bringen Sie Hersteller dazu, über Ihren Shopping Club Markenartikel anzubieten?

Van den Bergh: Es gibt unterschiedliche Gründe, warum Partner mit uns arbeiten. Zum einen bieten wir Marken die Möglichkeit, Überhänge in zeitlich begrenzten Aktionen abzuverkaufen. Darüber hinaus integrieren uns viele Hersteller in ihre Jahresplanung. Zum Beispiel werden Teile der Kollektionen zeitversetzt bei uns angeboten und die Produktion im Vorfeld daraufhin angepasst. Ein dritter Aspekt ist unser enormer Marktzugang mit rund acht Millionen Mitgliedern: Davon profitieren vor allem kleinere Marken, die über unsere Plattform schnell wachsen können.

Was hat sich für Limango mit der Übernahme durch die Otto Group verändert?

Van den Bergh: 2009 wurde das Feld im Private Shopping immer mehr bespielt und wir mussten entscheiden, welche Strategie wir fahren: Wir wollten in unserer Zielgruppe vorne mitspielen, dafür brauchten wir Geld. Letztendlich haben wir uns gegen ein Venture Capital und für den Strategen Otto Group entschieden. Ein Stratege bringt einem Unternehmen viel Ruhe, weil man nicht jedes Jahr aufs Neue die „Roadshow“ für potenzielle Geldgeber machen muss und systematisch seine Ziele verfolgen kann.

Es gab Gerüchte, dass Otto sich von der Mytoys Group, zu der Limango seit 2013 gehört, trennen könnte. Ist da etwas dran?

Van den Bergh: Mir ist diesbezüglich nichts bekannt und ich denke nicht, dass Otto so etwas plant. Ganz im Gegenteil: 2015 haben wir mit der Mytoys Group eine halbe Milliarde Umsatz erzielt. Wir sehen uns als starkes und erfolgreiches Duo. Allerdings ist es nicht unser Ziel, die Online-Shops von Limango und Mytoys enger zu verzahnen.

Bisher hat Limango seinen Fokus nicht auf Expansion gelegt. Welche Expansionsstrategie verfolgen Sie in diesem Jahr?

Van den Bergh: Für unsere weitere Expansion haben wir drei wichtige Eckpunkte: Unsere Priorität liegt darauf, unsere Relevanz in der Zielgruppe auszubauen und unser Angebot zu erweitern.

Das zweite wichtige Thema ist Mobile. Fast die Hälfte unseres Umsatzes wird hie rüber generiert. Auch als Dialogkanal ist Mobile für uns wichtig. Hier wird der Ausbau der Markenalarmfunktion ein Schwerpunkt sein.

Der dritte Punkt ist die Erweiterung der Märkte in den Niederlanden und Polen sowie die Erschließung neuer Märkte. Welche das sein werden, kann ich aber noch nicht verraten.

Welche Learnings haben Sie aus der Erschließung neuer Märkte mitgenommen?

Van den Bergh: Zum einen haben wir festgestellt, dass man für jeden neuen Markt eine individuelle Strategie braucht. Die Geschmäcker und Bedürfnisse sind in jedem Land anders. Eine Folge daraus ist, dass unser Sourcing international ist, auch wenn wir derzeit nur in drei Ländern präsent sind.

Planen Sie für die Zukunft ein Multichannel-Konzept?

Van den Bergh: Das kann ich vom heutigen Standpunkt aus klar verneinen. Es gibt aktuell viele Anbieter, die stationäre Läden eröffnen. Aber zu unserem aktionsgetriebenen Geschäftsmodell passt das nicht. Allerdings eröffnen wir ein- bis zweimal im Jahr Pop-up Stores. Diese Events finden über einen Zeitraum von zwei bis drei Tagen in Berlin und München statt. In diesen Stores verkaufen wir unsere Überhänge. Es sind immer erlebnisreiche Tage, für die wir auch von unseren Kunden gutes Feedback bekommen.

Um welche Produkte planen Sie Ihr Sortiment zu erweitern?

Van den Bergh: Seit einiger Zeit bauen wir den Bereich Home & Living weiter aus. Was ebenfalls in diesem Jahr auf unserer Seite neu angeboten wird, sind unverderbliche Lebensmittel.

Im Oktober 2015 startete Amazon in Deutschland mit Pantry einen Lieferservice für Haushaltsartikel. Ist das jetzt für Sie nicht eine große Konkurrenz?

Van den Bergh: Ja, sicherlich. Aber wir schauen, dass wir für unsere Zielgruppe die Angebotswelten bieten, die für sie attraktiv sind. Wir müssen immer darauf achten, dass wir die Themen angehen, die für unsere Kunden Relevanz haben. ❚

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