INTERNET WORLD Business





EU-weite Regeln für alle

Nach der Reform des EU-Datenschutzgesetzes beginnt jetzt dessen Ausgestaltung

Viele Firmen legen Nutzerprofile für die Werbeaussteuerung an

Das EU-Parlament hat Mitte April 2016 neue EU-Datenschutzvorschriften verabschiedet. Die Verordnung wird 20 Tage nach der Veröffentlichung im EU-Amtsblatt in Kraft treten und zwei Jahre später, also ab 2018, wirksam sein.

Jetzt müssen die Mitgliedstaaten die Bestimmungen in nationales Recht umsetzen. Deswegen lässt sich derzeit nur schwer sagen, welche konkreten Auswirkungen das neue Gesetz auf Unternehmen der Online-Werbebranche in Deutschland haben wird. Denn die Verordnung umfasst Vorgaben, die den einzelnen Mitgliedstaaten eine genauere Regelung überlassen. „Die Verordnung enthält neue Klauseln und Ausdrücke, deren Bedeutung teilweise erst noch gefunden werden muss“, sagt Christoph Bauer, Geschäftsführer der Beratungsfirma ePrivacy GmbH. Neu ist beispielsweise, dass die Verordnung eine „Online-Kennung“ zur Identifizierung und Standortdaten als personenbezogene Daten definiert. Aufgrund dieser erweiterten Definition von personenbezogenen Daten ist Bauer der Ansicht, dass die praktischen Auswirkungen auf die Online-Branche zum Teil erheblich sein können. Sachiko Scheuing, European Privacy Officer bei Acxiom, einem Unternehmen, das Profildaten für Online-Werbezwecke sammelt, erklärt: „Als Nächstes müssen Experten aus den jeweiligen Bereichen diese Verordnungen interpretieren, sodass sie im Alltag ihre Anwendung finden können. Erst dann können wir sehen, was die Gesetze für Unternehmen genauer bedeuten.“ Scheuing ist auch Vorsitzende des Verbands Fedma (Federation of European Direct and Interactive Marketing), einer Brüsseler Interessenvertretung von Unternehmen und Verbänden, die im Direktmarketing tätig sind.

Sie empfiehlt Unternehmen, die kommenden zwei Jahre bis zum Inkrafttreten zu nutzen und im ersten Schritt eine Inventur zu machen: „Welche Daten wurden und werden erhoben? Wie werden diese verarbeitet und genutzt und gibt es eine Dokumentation?“ Nur so seien die Unternehmen auch in der Lage, die künftigen Anforderungen zügig umzusetzen.

Der Bundesverband Digitale Wirtschaft (BVDW) meint, dass die Datenschutz-Grundverordnung für die Digital-Wirtschaft „perspektivisch ein Rückschritt“ sei. Die Verordnung lasse notwendige Differenzierungen und Risikoabstufungen im Umgang mit Daten vermissen. Der Bayerische Landesbeauftragte für den Datenschutz, Thomas Petri, betrachtet das neue Gesetz differenziert. Auf manche Forderungen der Datenschützer ist der EU-Gesetzgeber eingegangen, auf andere nicht, beispielsweise bei der ausdrücklichen Willensbekundung bei der Einwilligung. Petri ist optimistisch, dass es künftig in der EU einheitlichere Datenschutzregeln und ein stärker koordiniertes Vorgehen der Datenschutzbehörden geben wird. ❚

Ingrid Schutzmann


Shop-Daten für Produkt-suchmaschinen optimieren

Andre Kröger, Geschäftsführer der Onmacon GmbH www.onmacon.de

Allein in den Bereichen Mode und Lifestyle platzieren über 9.000 Online-Shops in Deutschland ihre Produkte auf Produktsuchmaschinen. Wer dort von potenziellen Kunden gefunden werden will, darf seine Daten aus dem Shop nicht 1:1 übernehmen, sondern muss sie für die Produktsuche optimieren. Drei Tipps, die Shop-Betreiber beachten sollten:

1. Am Anfang steht die Recherche nach den passenden Keywords für die Suche nach Ihrem Produkt. Definieren Sie die wichtigsten Suchanfragen, die zu Ihrem Produktportfolio passen und leiten Sie hieraus die entsprechenden Keywords für Ihre Produkte ab. Nicht jeder, der einen Kapuzenpullover kaufen will, sucht auch nach einem Kapuzenpullover. Tatsächlich wird viel häufiger nach dem Begriff „Hoodie” gesucht. Weitere Synonyme sind etwa „Kapuzensweatshirt“ oder „Hoody“.

2. Steigern Sie Ihre Produktdatenqualität. Um für Ihre Produkte eine hohe Suchanfragerelevanz zu schaffen, ist es notwendig, die Daten umfangreich und spezifisch zu pflegen. Reihen Sie nicht einfach Ihre Keywords im Titel oder in der Beschreibung aneinander. Wenn in der Titelzeile einer Produkt-anzeige zu viele Keywords stehen, hat sie keine spezifische Relevanz mehr für eines dieser Keywords und wirkt für den potenziellen Kunden daher oft nicht ansprechend. Außerdem: Pflegen Sie alle für Ihre Produkte relevanten Attribute und fügen Sie die wichtigsten in die entsprechenden Bereiche wie Titel und Beschreibung ein.

3. Schaffen Sie eine gute Steuerungsbasis. Nutzen Sie Ihre Produktdaten als Basis und für die Steuerung Ihrer Gebotsstrategie. Enthalten sein sollte beispielsweise die Wahrscheinlichkeit, wie ein Produkt konvertiert. Faktoren können die Verfügbarkeit oder die Lieferzeit sein. Hierbei sollten Sie möglichst differenziert vorgehen: Bewerten Sie sortiments- und größenspezifisch und berücksichtigen Sie, wie lange der Lagerbestand reicht.

Weitere Bilder
comments powered by Disqus