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Alles neu bei Gambio

Der Shop-Software-Anbieter will mit der komplett überarbeiteten Version GX3 mehr externe Entwickler und Agenturen gewinnen und arbeitet an einer Cloud-Variante

Daniel Schnadt

ist Geschäftsführer der Gambio GmbH in Bremen. Das Unternehmen ist eigenkapitalfinanziert, hat also keine Investoren an Bord, und arbeitet laut Schnadt profitabel.

Seit elf Jahren bietet Gambio die gleichnamige Shop-Software-Lösung an. Nun präsentieren die Bremer die neue Version „GX3“. Gambio kann zwar nicht mit großen Markennamen als Referenzkunden aufwarten, doch immerhin setzen dem Unternehmen zufolge 20.000 kleinere und mittelgroße Shops in Deutschland, Österreich und der Schweiz auf Gambio. Im Gespräch mit INTERNET WORLD Business erläutert Geschäftsführer Daniel Schnadt, welche Ziele das Unternehmen mit Gambio GX3 verfolgt.

Gambio hat das Backend der Shop-Software komplett überarbeitet. Was ist jetzt anders?

Daniel Schnadt: Unsere derzeitige Lösung „Gambio GX2“ gibt es seit 2011. Wir veröffentlichen dafür regelmäßig Updates, mindestens eines im Monat. Es kommt also eher selten vor, dass es eine große neue Version gibt, doch jetzt ist es so weit. Anfang Mai führen wir die Version „Gambio GX3“ ein. Dieses neue Gambio hat mit dem alten recht wenig zu tun, weil wir die komplette Systemarchitektur überarbeitet haben. Bisher gab es keine Entwicklerdokumentation. Auch stand keine standardisierte Schnittstelle für Entwickler zur Verfügung, jetzt gibt es eine REST-API.

Warum war der Schritt nötig?

Schnadt: Einige Komponenten des Shop-Kerns in Gambio GX2 arbeiten zwar stabil, sind inzwischen aber in die Jahre gekommen. Die Lösung basiert auf einer Open-Source-Software, die von den ursprünglichen Entwicklern nicht mehr weiterentwickelt wurde. Auch die Technologien sind inzwischen überholt. Ein weiteres wichtiges Argument für die Überarbeitung war, dass Gambio GX2 für größere mittelständische Unternehmen nicht flexibel genug ist. Wenn ein Unternehmen größer wird und eine Agentur damit beauftragt, das Shop-System an die eigenen Anforderungen anzupassen, muss die Software mitspielen. Das ist mit Gambio GX2 schwierig.

Welche Technik steckt denn unter der Haube der neuen Version?

Schnadt: Für Gambio GX3 haben wir mit Bootstrap als Framework gearbeitet. Das bedeutet, alle Entwickler, die sich damit auskennen, können für die Shop-Software eigene Layouts und Templates entwickeln.

Was bedeutet das Release von Gambio GX3 für die Kunden? Müssen nun alle auf die neue Version wechseln?

Schnadt: Nein, es gibt keinen Zwang zu migrieren. Einige unserer Kunden nutzen schon einzelne Features der neuen Version.

Das Feedback ist gut. Wir bekommen schon viele Anfragen, weil viele migrieren wollen.

Wie lange wird die Version Gambio GX2 noch unterstützt?

Schnadt: Noch lange. Es gibt kein offizielles „End of life“-Datum. Selbst die Unterstützung der Vorgängerversion GX1 haben wir erst vor eineinhalb Jahren eingestellt, doch Sicherheitsupdates gibt es immer noch dafür.

Wie kompliziert ist der Wechsel von GX2 auf GX3?

Schnadt: Wir stellen dafür einen Update-Assistenten zur Verfügung, sodass der Wechsel einfach sein wird. Problematisch könnte es nur dann sein, wenn ein Shop-Betreiber mit schlechten Programmierkenntnissen viele eigene Umprogrammierungen vorgenommen hat.

Ihre Software ist kostenlos. Der Support kostet 149 Euro netto pro Jahr. Ändert sich etwas am Preis?

Schnadt: Nein. Für 149 Euro erhalten Kunden Zugang zum internen Kundenportal und ein Jahr lang regelmäßig Updates.

Welche strategischen Ziele verfolgt Gambio mit der Version GX3?

Schnadt: Wir haben bisher für die Shop-Software viel selbst gemacht. Künftig sehen wir unsere Aufgabe auch darin, ein Ökosystem für externe Entwickler zu schaffen, das es ihnen ermöglicht, eigene Features, Schnittstellen oder Templates zu programmieren. Wir wollen einen Marktplatz schaffen, auf dem sie ihre Produkte vermarkten können.

Wir arbeiten zwar bereits mit Agenturen zusammen, hatten aber kein Agenturprogramm. Da wollen wir perspektivisch hin und haben mit Gambio GX3 die Grundlage dafür geschaffen.

Wir selbst werden weiterhin viele Features entwickeln und auch die Ausrichtung auf die Zielgruppe beibehalten. Gleichzeitig wollen wir denjenigen Shop-Betreibern, die wachsen und größer werden, eine vernünftige Shop-Lösung bieten.

Ein Trend ist die Verlagerung der Shop-Software in die Cloud. Haben Sie Pläne dazu?

Schnadt: Ja, das ist für uns ein großes Thema und wir werden Gambio künftig als Software as a Service anbieten. Wann das sein wird, kann ich noch nicht sagen, auch nicht, wie die Preisstruktur aussehen wird. Es wird noch etwas dauern, aber wir haben die Ressourcen dafür intern aufgebaut. Wir wollen Shops die Möglichkeit bieten, dass das System mitwächst. Händler können dann mit der Cloud-Lösung beginnen. Wenn ihr Shop größer wird, können sie ihn selbst hosten. ❚

Interview: Ingrid Schutzmann


Gambio GX3

Diese Technologien hat Gambio für die neue Version GX3 verwendet:

• CSS-Werkzeuge wie „Sass“ und „Compass“

• das Tool „RequireJS“

• den Paketmanager „Bower“

• als Werkzeuge „Gulp“ und „JSHint“

• als Entwicklerplattform „Node.js“

• als Frontend-Framework „Bootstrap“

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