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Online-Hilfe für Modemarken

Hey Paula ist auch ein Online-Shop, aber mehr noch ein Zwischenhändler für kleine, junge Fashion Labels

„Kleine Marken können Shops schwer bedienen, oft sind ihre Waren schwer zu erhalten“ Marcel Brindö ünder und Geschäftsführer Cbecom und Hey Paula Hamburg www.heypaula.de

Auf den ersten Blick sieht Hey Paula aus wie ein gewöhnlicher Webshop für Mode und Accessoires. Doch wer sich durch das Angebot klickt, merkt: Hier gibt’s nur eher unbekannte Modelabels wie Anokhi, Blaumax, Better Rich, 7 for all Mankind, Eleven Elfs oder True Religion. Und die meisten Kleidungsstücke sind nicht in allen Größen verfügbar. „Den Shop haben wir für uns gemacht, um zu lernen und um eigenen Content zu nutzen“, sagt Marcel Brindöpke, Mitgründer und Geschäftsführer von Hey Paula: „Hey Paula ist ein Showroom. Wir sind Marktplatzhändler und beliefern Shops und Plattformen mit Premium-Modemarken.“

Die Hamburger haben vor vier Jahren das bekannte Geschäftsmodell Zwischenhändler digitalisiert. Die E-Commerce-Spezialisten helfen jungen Designern und Marken oder kleineren, internationalen Labels, die nach Deutschland streben, beim Online-Verkauf und platzieren Kollektionsware bei Amazon, Ebay, About-you, Otto oder Zalando. Dieses Konzept könnte auch in anderen Branchen Schule machen und den E-Commerce von mittelständischen Unternehmen oder jungen Marken beflügeln. „Die meisten Premium-Modemarken werden oft nur von wenigen Personen gemanagt“, begründet Brindöpke den wachsenden Bedarf. „Sie sind viel zu klein, um den E-Commerce und das aufwendige Online-Marketing selbst in die Hand zu nehmen.“

Als Zwischenhändler kauft und lagert Hey Paula oder die dahinterstehende Gesellschaft Cbecom Kollektionsteile, fotografiert, beschreibt und verschlagwortet diese für den E-Commerce und bietet die Inhalte Webshops an. Dazu addieren die Hamburger Fulfillment- und Logistikservices: Integrieren etwa Zalando oder Aboutyou die Angebote in ihr Sortiment, kommunizieren die Händler zwar mit ihren Kunden und stellen die Rechnung, doch Hey Paula kümmert sich um den Versand und das Retourenmanagement.

Konzentration aufs Wesentliche

Dieses Vorgehen nützt allen Beteiligten: Online-Boutiquen und Marktplätze rüschen ihr massentaugliches Sortiment mit begehrten Namen und seltenen, exklusiven Produkten auf. Die Marken ersparen sich Verhandlungen mit mächtigen, anspruchsvollen Händlern und konzentrieren sich auf Produktion oder Einkauf und Markenaufbau. Sie können Absatzzahlen und Preise sicherer kalkulieren, weil Hey Paula auf die in der Branche üblichen Rückgaberechte verzichtet: „Hey Paula bedient alle wichtigen Plattformen, und wir müssen nicht mit Zalando oder Aboutyou zusammenarbeiten“, sagt Marco Augustin, Vertreter des Düsseldorfer Labels Better Rich, eines Spezialisten für lässige Sportswear. „Wir konnten in den letzten drei Jahren unseren Umsatz so verzehnfachen.“

Von der Arbeitsteilung profitiert auch Hey Paula: Die 15 Mitarbeiter besorgen den Einkauf, die Angebotsbeschreibung und die Fulfillment-Aufgaben. Das Hamburger Start-up muss nicht in den Aufbau einer eigenen Marke investieren. Und Ladenhüter oder Überhänge, die aus dem Handel zurückkommen, vermarktet es bei Bedarf über Ebay und weitere Online-Outlet-Kanäle. Die notwendigen Handelskontakte und E-Commerce-Erfahrungen sammelte das Gründerteam um Marcel Brindöpke und Florian Curdt beim Aufbau von Marktplätzen für den Otto-Konzern.

„Premium-Fashion-Label sprechen zwar enge Zielgruppen an, erzeugen aber in diesen Nischen hohe Nachfrage“, erklärt Brindöpke. „Wir kaufen daher flach ein und nutzen ein breites Vertriebsnetz im Internet.“ So erwirtschaftet Hey Paula aus jedem Euro, der in die Vorfinanzierung von Ware fließt, mindestens 2,50 Euro durch die gezielte Vermittlung an Shops und Marktplätze. Im vergangenen Jahr setzte Hey Paula rund 2,6 Millionen Euro um. Bis zum Jahr 2020 wollen die Gründer den Umsatz mehr als verzehnfachen. Der Bedarf an ihrer Online-Verkaufshilfe wächst, weil immer neue Mode- und Designlabels auf dem zersplitterten Modemarkt erscheinen und zugleich eher unbekannte Namen aus dem Ausland nach Deutschland drängen. 2013 mit etwa zehn Marken gestartet, vertreibt Hey Paula inzwischen rund 30 Marken.

Bis 2010 sollen es mindestens 70 mehr werden, Wachstumschancen böte auch die Internationalisierung der E-Commerce-Hilfe. Das notwendige Kapital verschaffen sich die Hamburger, die die Gründung und die ersten Meilensteine bisher selbst finanzierten, gerade über die Crowdfunding-Plattform Seedmatch, auf der private Anleger und Fans investieren. Erstmals werden die Investoren hier aber nicht am Unternehmen oder am Umsatz beteiligt, sondern legen für ein Darlehen zusammen: „Venture Capital ist zu teuer und macht daher wenig Sinn, wenn es um die Vorfinanzierung von Waren geht“, stellt Brindöpke fest. „Das Crowd-Darlehen passt besser zu einem Händler und hilft uns außerdem, das Geschäftsmodell zu erklären und besser bekannt zu machen.“

Zwischenhändler, davon ist Brindöpke überzeugt, könnten sich durchaus auch in anderen Online-Segmenten etablieren. „Wo Verkaufspreise und das Markenbewusstsein hoch sind und Produktkategorien noch nicht richtig im E-Commerce angekommen“, so die Meinung des einstigen Sportjournalisten, „kann das Konzept klappen.“ ❚


Heypaula

ist der Online-Shop von Cbecom, einem Zwischenhändler für Trend-Modemarken.

• Das Unternehmen wurde 2012 von Marcel Brindöpke und Florian Curdt gegründet

• Hey Paula setzte 2015 rund 2,6 Millionen Euro um und steht jetzt kurz vor dem Break-even

• 15 Mitarbeiter

• Hey Paula vertritt 20 Marken und will bis 2020 mindestens 80 weitere Partner gewinnen

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