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Virtueller Bummel

Virtual-Reality-Anwendungen suchte man bislang im Handel vergebens. Jetzt preschen Ebay und die australische Warenhauskette Myer mit einem 3-D-Kaufhaus vor

Shoppen mit den Augen: Australische Konsumenten können seit Mitte Mai in einer virtuellen Dependance der Warenhauskette Myer einkaufen. Die hat mit Ebay Australien eine entsprechende iOS- und Android-App gelauncht – und ist damit einer der ersten namhaften Player aus der Handelsbranche, der die neue Hype-Technologie Virtual Reality für eine E-Commerce-Anwendung nutzt.

Das sieht auf den ersten Blick durchaus beeindruckend futuristisch aus: In der virtuellen Welt fliegen Produktcluster durch den Raum, drehen sich 3-D-Ansichten der beliebtesten 100 Angebote jeder Kategorie im Kreis, folgen Artikelbeschreibungen den Bewegungen der Augen. Insgesamt können sich die Kunden zurzeit bei ihrem virtuellen Einkaufsbummel rund 12.500 Produkte aus dem Sortiment von Myer ansehen und in den Warenkorb legen. Über Personalisierungsfunktionen wird das Sortiment bei jedem Besuch weiter an den persönlichen Geschmack der Kunden angepasst. Die Produkte, die für den Kunden wahrscheinlich interessanter sind als andere, werden dann zuerst dargestellt.

In-Shop-Navigation mit „Sight Search“

Damit die Nutzer im Shop navigieren, Produkte ansehen und in den Warenkorb legen können, hat Ebay mit der sogenannten „Sight Search“ eine brandneue Technik entwickelt. Mit ihr ist es möglich, den Augen des Nutzers zu folgen: Der Produktcluster, der fixiert wird, wird näher herangezoomt und kann genauer angesehen werden. Um ein einzelnes Produkt auszuwählen, müssen die Nutzer es drei Sekunden lang betrachten, dann fliegt es ihnen für eine genauere Betrachtung entgegen. Wird die Produktinformation fixiert, klappt diese auf und man erhält Zugang zu weiteren Informationen, die sich durch Augenkontakt nochmals filtern lassen. Auch das Verschieben eines Produkts in den Warenkorb funktioniert via Sight Search.

„Es war uns wichtig, dass wir das Online-Einkaufserlebnis nicht nur in eine virtuelle Umgebung verlegen“, sagt Jooman Park, Managing Director von Ebay Australien und Neuseeland. „Wir kombinieren die besten Elemente des klassischen Handels mit verbessertem Browsing, einer größeren Auswahl, Personalisierung und Effizienz.“ Myer kann im virtuellen Kaufhaus alle Produkte, Preise und Verfügbarkeiten in Echtzeit über die bestehende Ebay.com.au-API aktualisieren.

Das virtuelle Kaufhaus von Ebay und Myer ist für die günstigere Variante der VR-Brille gedacht – eine Smartphone-Halterung, die mit einem Kopfband vor den Augen angebracht wird. Um aber nicht nur die Nutzer anzusprechen, die bereits ein „Samsung Gear VR“ oder ein ähnliches Gerät besitzen, begleiten Ebay und Myer die Einführung ihrer VR-App mit einer Marketingaktion: Unter Ebay.com.au/VR können die Nutzer eine Smartphone-Halterung aus faltbarer Pappe (wohl eine Ebay-gebrandete Version des Google Cardboard) gratis bestellen. 20.000 dieser „Ebay Shopticals“ wollen die Partner so unter das potenzielle Shopper-Volk bringen.

Rund 12 Monate hat Ebay an der Entwicklung der VR-App gearbeitet. Dass ausgerechnet Australien zum ersten Testmarkt auserkoren wurde, hat seinen Grund: Internen Auswertungen von Ebay zufolge kauften australische Kunden bisher die meisten VR-Brillen. Mit der VR-Anwendung kommt Ebay dem Konkurrenten Amazon zuvor, der im März zwar ankündigte, eine VR-Plattform entwickeln zu wollen, diese aber noch nicht an den Start gebracht hat. Zudem soll das Amazon-Projekt eher das Videoportal „Amazon Prime Video“ ergänzen, als Shopping im virtuellen Raum zu ermöglichen. ❚

Daniela Zimmer/il

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