INTERNET WORLD Business





Mehr als tausend Worte

An hochwertigen Produktfotos für den Webshop führt heute kein Weg vorbei. Doch wie sind passende Bilder zu bekommen, um die Artikel ansprechend in Szene zu setzen?

Was ist bei einer Kaufentscheidung im Internet wichtig? Der Preis? Die Bewertung des Produkts oder die Empfehlung des Shops? Die Qualität der Ware? Sicherlich spielen alle diese Faktoren eine Rolle. Doch auch die ansprechende Präsentation der Artikel kann den Ausschlag für oder gegen den Kauf-Klick geben.

Denn: Beim Online-Shopping können Kunden die Produkte nicht haptisch erleben, sie sind auf deren Abbildung angewiesen. Je genauer und besser die Fotos sind, umso größer ist das Vertrauen des Kunden in den Shop. Erstellt der Händler die Bilder in Eigenregie, kann er sich zudem von der Konkurrenz abheben. Denn oftmals verwenden viele Händler die gleichen Produktfotos der Hersteller. „Ohne eine Differenzierung geht es nicht mehr, hochwertiger Content ist ein Muss“, ist sich Robert Schneider, Geschäftsführer der W&Co Mediaservices München, sicher. Das Unternehmen hat sich auf die Fullservice-Medienproduktion spezialisiert. Auch Oliver Wanderscheck, Country Manager für Deutschland und Österreich bei Orbitvu, einem Anbieter automatisierter Produktfotografie, betont: „Amazon hat heute knallharte Vorgaben, was hochwertige Produktfotografie angeht.“

Doch wie kommen Online-Händler zu guten Abbildungen? Eine Möglichkeit ist, sie selbst zu erstellen. Gute Spiegelreflex-Digitalkameras sind bereits für rund 600 Euro zu haben. Inklusive Zubehör wie Blitzgeräten und einer Fotobearbeitungs-Software wie Photoshop kostet ein kleines Fotostudio rund 1.000 Euro.

Eine professionelle Nachbearbeitung solcher Fotos bietet zum Beispiel Pixelz an. Dabei entfernen die Spezialisten beispielsweise Hintergründe, schneiden die Bilder zu und richten sie aus, retuschieren Falten und passen Farben an. Um Tiefe zu erzeugen, können Schatten hinzugefügt oder 360-Grad-Drehungen erzeugt werden. Als besonderes Add-on für Bekleidung bietet der Pforzheimer Dienstleister das „unsichtbare Mannequin“: Die Software kombiniert dafür mehrere Fotos, die mit einer Schaufensterpuppe aufgenommen wurden. Zum Schluss wird die Puppe auf dem Foto entfernt.

Die Pixelz-Lösung ist bereits in verschiedenen Shop-Software-Lösungen wie Magento, Bigcommerce und Shopify integriert. Zudem bietet Pixelz eine Programmierschnittstelle (API) an, über die die Produktbildbearbeitung in den eigenen Workflow integriert werden kann.

Pixelz selbst hat für den Bildbearbeitungsprozess eine eigene Plattform entwickelt, um damit alle Schritte vor und nach der Bearbeitung automatisiert abwickeln zu können. Nach spätestens 24 Stunden, so verspricht es der Dienstleister, sind die Fotos fertig. Benötigt ein Händler weniger als 10.000 Bilder pro Jahr, starten die Preise bei 1,25 Euro pro Bild. Bei mehr als 10.000 Bildern jährlich erarbeitet Pixelz ein individuelles Angebot.

Händler, die nicht selbst fotografieren möchten, können den gesamten Prozess außer Haus geben. Die W&Co Mediaservices etwa bietet Shops dies an. Die Produkte werden dabei zum Beispiel am Modell, auf Büste, Torso oder als gelegte Ware fotografiert. Anschließend erfolgen die Bildbearbeitung und die digitale Bildauswahl. Die zu fotografierenden Artikel werden in das Tracking-System von W&Co eingebunden. Damit kann jeder Schritt nachvollzogen werden – vom Wareneingang über die Fotoproduktion bis zur Rücklieferung der fotografierten Produkte. Außerdem erstellt W&Co Artikeltexte und pflegt den Content von Web-Seiten. Zum Fullservice gehört für Robert Schneider die Beratung der Händler: „Wir möchten zum Beispiel wissen, welche Vertriebswege für unsere Kunden relevant sind. Davon hängt es ab, welche Darstellungsformen in Frage kommen.“

Über ein Test-Shooting den Leistungsumfang ausloten

Als Alleinstellungsmerkmal nennt W&Co die eigenentwickelte Software „Upload Pro“. Das Bilddatenmanagement für Model-Shootings an externen Locations ermöglicht es, Bilder direkt über definierte Workflows an Server und Datenbanken zur weiteren Nutzung zu übertragen. Dabei übernimmt die Software eigenständig Aufgaben wie Verschlagwortung oder Drehung zwischen Quer- und Hochformat. Damit Händler Einblick in den Status der Fotoproduktion haben, werden sie in den systemgestützten Workflow von W&Co eingebunden.

Um Preis und Leistung abzustimmen, vereinbaren die Münchner mit ihren Kunden zumeist ein Testshooting. „Bei der Fotografie hängt der Preis zum Beispiel von der gewünschten Qualität und der Anzahl der Darstellungsformen ab“, erklärt Schneider. Er nennt einen groben Richtwert: Für ein Foto in Vorder- und Rückansicht sowie in drei Details fallen inklusive Bildbearbeitung für Händler pro Artikel 25 Euro an. Bei Herstellern ist mit etwa 150 Euro zu rechnen.

Auch der Vredener Dienstleister Laudert bietet ein Komplettpaket aus Produktfotografie, SEO-Texten, Bildbearbeitung, Bilddatenbanken und Webshop-Pflege an. Für die Fotoproduktion hat das Unternehmen die Studio-Software „Laudert Contentflow“ entwickelt. Die Bilder der Kunden können anschließend im Produktinformations-Management-System „Laudert Mediaport“ gespeichert und von dort aus in die verschiedenen Kanäle wie Print oder Online ausgespielt werden.

Eine weitere Möglichkeit, hochwertige Produktbilder herzustellen, ist der Einsatz eines eigenen, kompletten Fotostudios, wie es zum Beispiel Sysnext mit seiner Produktreihe „Packshot Creator“ anbietet. Die Palette deckt unterschiedlichste Bedürfnisse ab: Mit dem „Packshot Creator Mini“ können kleinere Objekte wie Schmuck oder Brillen fotografiert werden, Produkte aus der Studio-Serie wie der „Packshot Sphere X5“ ermöglichen komplexe 360-Grad- und 3D-Animationen auf reinweißem Hintergrund.

Das Prinzip ist dabei grundsätzlich bei allen Varianten das Gleiche: Die Ware wird im Fotostudio platziert. Mithilfe einer Software wird das zu fotografierende Objekt im Live-View-Modus auf einem angeschlossenen PC oder Notebook angezeigt und die Kamera ausgelöst. So lässt sich beispielsweise ein Produkt aus verschiedenen Blickwinkeln fotografieren, um Mehrfachansichten zu erstellen. Durch eine integrierte Drehscheibe können interaktive 360-Grad- oder 3D-Animation, ein 360-Grad-Video oder 3D-Modelle erzeugt werden. Die „Packshot Creator“-Software ist nach Angaben des Unternehmens leicht bedienbar. Die „Packshot Creator“-Studios kosten zwischen 2.000 und 60.000 Euro.

Ab 1.000 Produktfotos kann sich ein Studio lohnen

Automatische Fotostudios bietet auch das Berliner Unternehmen Orbitvu an. Als Zielgruppe sieht Country Manager Oliver Wanderscheck Online-Shops, Dienstleister und Hersteller. Der Einsatz eines Orbitvu-Produkts lohnt sich laut Wanderscheck, sobald mehr als 1.000 Produkte fotografiert werden sollen.

Das Prinzip der Fotografie ist dabei ähnlich wie bei „Packshot Creator“. Wanderscheck betont: „Unsere Fotostudios sind spielend leicht zu bedienen, die Erstellung eines Fotos dauert nur wenige Sekunden.“ Für 2D-Fotos hat das Unternehmen ein optionales Plug-in für Magento entwickelt. Neben den Mini-Fotostudios für 2D- und 360-Grad-Fotografie bietet Orbitvu auch Kits wie Drehtische an.

Der Kunde platziert das Produkt auf diesen Tischen, Kameras und Beleuchtung werden in Stellung gebracht. Über einen PC oder Notebook, der mit der Software „Orbitvu Editor“ ausgestattet ist, lässt sich der Prozess steuern. Das Ergebnis sind Fotos in 2D und 3D sowie in 360 Grad.

Als offene Systeme, also ohne automatisch integrierte Lichtsteuerung, sind die Drehtische ab 1.500 Euro zu haben, geschlossene Systeme mit automatischer Beleuchtung und Freistellfunktion kosten ab 6.900 Euro. Der „Alpha-Table“, der sich für das Fotografieren von Bekleidung eignet, kostet 32.000 Euro, die vollautomatisierte Lösung „Imatik“ für ein hohes Volumen 42.000 Euro. ❚

Susann Naumann


Tools für die Bildproduktion

Das Angebot für die Fotoproduktion ist vielfältig. Hier eine weitere Auswahl von Anbietern:

Scancube – automatische Fotostudios (www.scancube.com)

Panotable – automatischer Aufnahmetisch (www.aufnahmetisch360.de)

360Shots – Fotodrehteller (www.360shots.de/portfolioentry/phillip-hardy)

Sport-Net GmbH – 360-Grad-Produktfotografie (www.360.ag)


Profi-Tipps für die Produktpräsentation

Ingolf Hatz Der professionelle Fotograf ausMünchen fotografiert seit über 15 Jahren für Magazine, Werbeagenturen und internationale Kunden. www.ingolfhatz.com

Der Shop-Kunde muss sich ein Bild von seinem Wunschprodukt machen können. Gut ausgeleuchtete Fotos aus verschiedenen Perspektiven und Zooms helfen dabei.

Warum sind gute Produktfotos für Online-Shops wichtig?

Ingolf Hatz: Käufer schätzen es, wenn sie genau erkennen können, worum es bei dem Produkt geht. Außerdem erscheint ein gut be-und ausgeleuchtetes Produkt wertiger. Noch besser ist es, wenn es zwei verschiedene Fotos gibt: ein neutrales auf weißem oder grauem Fond und ein weiteres, auf dem man die Waren im Umfeld sieht. Auf diese Weise sind etwa Größenverhältnisse gut nachvollziehbar und machen das Produkt attraktiver.

Worauf kommt es bei der Produktfotografie an?

Hatz: Licht, Licht und nochmal Licht. Daneben spielen Abbildungsgenauigkeit, Perspektive und Photoshop ebenfalls eine große Rolle. Für jedes Produkt sollten Zoom-Stufen konzipiert und durchgeführt werden. Dazu gehören Makroaufnahme, Close-ups, Freisteller und Fotos aus der Totale. Nur durch diese große Bandbreite an Fotos ist die medienübergreifende Produktkommunikation garantiert.

Für wen lohnt sich die Zusammenarbeit mit Profi-Fotografen oder einer Fotoagentur?

Hatz: In der heutigen Welt ist Fotografie nicht mehr wegzudenken. Sie ist eine Investition, die absolut notwendig ist.

Weitere Bilder
comments powered by Disqus