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Das Drahtlos-Dilemma

Rechtliche Schranken für offene WLANs fallen – aber es bleiben Probleme

In Deutschland noch rar: Frei zugängliche WLANs sind in vielen Gegenden der Welt jedoch schon völlig normal

Deutschland ist Mobile-Entwicklungsland, zumindest wenn man die Zahl der frei zugänglichen WLAN-Hotspots betrachtet. Während ein offener Webzugang in den meisten asiatischen Metropolen völlig selbstverständlich ist, legt der Gesetzgeber in Deutschland Betreibern freier WLAN-Zugänge juristische Hürden in den Weg: Wer sein Funknetz Dritten öffnet, haftet bislang auch dafür, was diese damit tun.

Diese anachronistische Regel soll jetzt fallen: Eine Änderung des Telemediengesetzes, die Betreiber von WLAN-Netzen von der sogenannten Störerhaftung freispricht, wurde Anfang Juli vom Bundestag verabschiedet.

Gleichzeitig setzen die großen Kabelnetzbetreiber auf die Mitwirkung ihrer Kunden: Millionen von Routern in Privat haushalten sollen auch als öffentliche WLAN-Zugangspunkte genutzt werden.

Allerdings hat die massenweise Nutzung von offenen WLANs auch ihre Tücken: Vor allem Netze, in denen man sich nicht individuell anmelden muss, gelten bei Experten als Einfallstor für Cyberkriminelle. Außerdem befürchten Juristen, dass findige Abmahnanwälte auch nach dem Ende der Störerhaftung versuchen könnten, Café- und Ladenbesitzer abzumahnen, weil über ihr WLAN Urheberrechtsverletzungen begangen wurden. Sie würden dann zwar nicht für die Tat haften, könnten aber zur zukünftigen Unterlassung verpflichtet werden – Kostennote inklusive.

Derweil nutzen innovative Dienstleister die Daten, die Kunden im WLAN hinterlassen, zur Analyse von Besucherströmen. Selbst Retargeting wird möglich: Wer sich in einem Laden etwas angesehen hat, bekommt anschließend passende Werbung auf sein Smartphone. Mehr zum Stand der Drahtlos-Debatte ab Seite 8.

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