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Expansion trotz Brexit

Der Leuchten-Online-Händler Lampenwelt ist im letzten Jahr um 36 Prozent gewachsen und will jetzt noch internationaler werden. Nächstes Ziel: Großbritannien

Leise, solide, eigenfinanziert und profitabel: So ist Lampenwelt.de seit 2009 im Netz unterwegs. Erst seit letztem Jahr lässt sich der Online-Händler, der im beschaulichen Schlitz bei Fulda sein 9.500 Quadratmeter großes Lager aufgebaut hat, ein bisschen in die Karten schauen. Dabei gibt es nichts zu verstecken. 2015 hat Lampenwelt einen Umsatz von 50 Millionen Euro erzielt, 36 Prozent mehr als im Vorjahr – ohne Fremdfinanzierung, ohne große Marketingkampagnen, dafür aber mit viel Liebe zum Detail: „Wir haben seit 2009 in unserer Branche die führende Position im Google-Sichtbarkeitsindex eingenommen und bis heute nicht hergeben müssen“, so Geschäftsführer Andreas Rebmann. Bei über 45.000 Produkten im Sortiment keine Kleinigkeit, aber so zurückhaltend klingt mittelständischer Erfolg in Schlitz.

Der zweite Schlüssel zu diesem Erfolg – und der Unternehmensbereich, in den der Lampenhändler am meisten investiert – ist für Rebmann die Logistik. Deshalb behält er diesen wichtigen, aber aufwendigen Prozess lieber in eigener Hand. „Unseren Anforderungen in der Logistik können Dienstleister oft noch nicht gerecht werden“, so der Geschäftsführer. Deshalb hat der Online-Händler die Standardsoftware eines Logistikdienstleisters für die eigenen Zwecke adaptiert und optimiert. Die Mühe lohnt sich, ist Rebmann überzeugt: „Die Logistik in Eigenregie erlaubt es uns, in komplett abgestimmten, effizienten Prozessen zu arbeiten. Ich will den Dienstleister sehen, der das in dieser Perfektion leisten kann, und das auch noch zu bezahlbaren Konditionen.“ Zu den Eigenheiten dieser internen Prozesse gehört etwa der fast vollständige Verzicht auf die in größeren Versandlagern unumgänglichen Förderbänder. Die seien zu unflexibel für den mittelständischen Bedarf, meint Rebmann: „Entweder sind die Förderbänder nicht ausgelastet, dann sind sie zu teuer, oder sie sind ausgelastet, dann ist die Frage, was macht man mit den Überschüssen? Das ist vor allem bei saisonalen Schwankungen ein Problem.“

Internationalisierung: „überschaubare Hürden“

Auch in Sachen Shop-Software setzt Lampenwelt bisher auf eine Eigenkreation. Hier will man aber in Zukunft lieber auf eine Standardsoftware wechseln, ein Pitch läuft gerade. „Das sehen wir als Zwischenschritt an, um Sicherheit und Zuverlässigkeit zu gewährleisten“, erklärt Rebmann, der die Rückkehr zu einem selbst entwickelten System für die Zukunft nicht ausschließt.

Doch zunächst steht erst einmal die weitere internationale Expansion auf dem Programm. In zehn europäischen Ländern ist Lampenwelt bereits aktiv. Seit Anfang Juli ist die britische Variante unter www.lights.co.uk online, für den Anfang noch mit einem abgespeckten Sortiment von rund 12.000 Produkten. Der Brexit schreckt Rebmann dabei nicht. „Wir sind strategisch und operativ derzeit sehr gut aufgestellt, um in Großbritannien Fuß zu fassen“, so Rebmann. „Sicher ist es eine Herausforderung, sich im Ausland gut in den Suchergebnissen zu positionieren, auch die Übersetzung des Shops ist keine Kleinigkeit. Aber insgesamt sind die Herausforderungen durchaus überschaubar.“ ❚


Shop-Porträt

Sortimentca.

45.000 Lampen und Leuchten

Mitarbeiterca.

200 Mitarbeiter am Firmen-standort in Schlitz bei Fulda

Länderpräsenzen

Dänemark, Deutschland, England, Frankreich, Niederlande, Norwegen, Österreich, Polen, Schweden, Schweiz

Logistik

Individuelle Adaption einer externen Logistiklösung für das 9.500 Quadratmeter große Zentrallager

Umsatz

2015: 50 Mio. Euro (2014: 40 Mio. Euro)

WWW

www.lampenwelt.de

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