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Die China-Connection

Wie chinesische Händler der deutschen Konkurrenz schaden

„In der Theorie müssen sich alle Online-Händler an Gesetze halten, in der Praxis nur deutsche“

Marion von Kuczkowsky, Online-Händlerin und Buchautorin www.take-me-to-auction.de

Ebay und Amazon laden immer mehr chinesische Verkäufer aktiv ein, auf den Plattformen zu verkaufen. Die Folgen bekommen deutsche Händler deutlich zu spüren.

Ein Beispiel: Ich verkaufe bei Amazon einen Artikel für 6,98 Euro, den ich selbst in China für 1,20 Euro gekauft und auf eigene Kosten nach Deutschland verschifft habe. Nun kommt ein Chinese, der sich einen Platz in der Buy Box sichern könnte, wenn er meinen Preis nur um einen Cent unterbieten würde. Stattdessen aber bietet er den Artikel (Prime) für 2,98 Euro an. Die Amazon-Kosten betragen 2,77 Euro. Bleiben 22 Cent übrig, dafür muss er den Artikel kaufen und nach Deutschland schicken. Da China laut Weltpostvertrag als Entwicklungsland eingestuft ist, werden die Versandkosten subventioniert.

Dem deutschen Staat entsteht dabei doppelter Schaden: Der chinesische Händler zahlt gar keine Steuern – und da ich diesen Artikel auch nicht mehr verkaufe, zahle ich auch keine Steuern. Auch Amazon macht weniger Umsatz. Die Chinesen sollten zwar Steuern zahlen, zum Beispiel Einfuhrumsatzsteuer, doch wenn sie es nicht tun, müssen sie keine Konsequenzen fürchten, weil es zwischen Deutschland und China kein Amtshilfeabkommen gibt.

Ärgerlich ist es auch, wenn ich als Unternehmer bei Amazon einen Artikel aus der Buy Box kaufe, um dann später festzustellen, dass der Verkäufer keine Rechnung ausstellen kann und ich bei einem deutschen Verkäufer unterm Strich weniger bezahlt hätte, weil er die Umsatzsteuer ausweisen kann. Zwar sollen Verkäufer, die keine Rechnung ausstellen können, darauf hinweisen, nur machen sie es nicht. Und wer schaut schon bei einem Kauf über Prime ins Impressum des Verkäufers?

Neuerdings sollen deutsche Verkäufer ihre FBA Ware (Fulfillment by Amazon) für den Versand aus anderen europäischen Ländern freigeben. Wenn sie sich dafür entscheiden, werden sie in anderen Ländern umsatzsteuerpflichtig, und dieser Aufwand kostet. Alternativ bleibt die Ware in Deutschland, kostet dann aber pro Sendung einen Aufschlag von 0,25 Euro. Wieder ein Wettbewerbsvorteil für die Chinesen, weil sie ihre Ware verteilen können, ohne sich um steuerliche Anmeldungen Gedanken zu machen.

In der Theorie müssen sich alle Online-Händler an eine Vielzahl von Gesetzen halten, in der Praxis können (und werden) nur deutsche Unternehmen geprüft und müssen bei Verstößen mit empfindlichen Geldstrafen rechnen. Bei chinesischen Firmen können weder Prüfmuster angefordert noch Bußgelder verhängt werden. Entsorgungsgebühren, Verpackungsverordnung: Das alles interessiert den chinesischen Händler gar nicht – kein Wunder also, dass wir in vielen Produktkategorien gar nicht mehr wettbewerbsfähig sind.

Inzwischen denken einige Unternehmen bereits darüber nach, selbst nach China auszuwandern, allerdings kann das nicht das Ziel sein. Als hilfreich wird es immer wieder angesehen, wenn man eine eigene Marke aufbauen kann. Doch wenn dann bald jeder seine Produkte selbst labelt, finden wir bei Ebay & Amazon das identische Produkt mit unterschiedlichen Markennamen in x-facher Ausfertigung, und ob das dann zu einem „Kauferlebnis“ für die Kunden führt, darf bezweifelt werden. ❚

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