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Einladung zum Essen

Familienfest oder Unternehmensevent: Für die professionelle Einladung vermitteln neue Marktplätze und Plattformen jetzt den passenden Caterer

Fotoshooting in Berlin. Es wird bis in den späten Abend dauern. Fotografen, Stylistinnen und Models sind zu verköstigen. Sie wünschen sich Veganes, Low Carb und Asiatisches. Drei Tage braucht Therese Köhler, um einen Caterer zu finden, der diese Wünsche erfüllt. Vor der Buchung telefonierte, faxte, mailte sie und dachte immer: „Das geht doch schneller.“

Es geht viel schneller: Dafür hat Therese Köhler mit Sophie Radtke 2015 Heycater gegründet. Das Start-up baut an einem Marktplatz, der Unternehmen und Privatpersonen mit Caterern zusammenbringt. „Online“, stellt Mitgründerin Radtke fest, „verkürzt die Suche nach einem Caterer, gerade wenn es viele Vorgaben gibt oder es um große Veranstaltungen geht.“ Heycater hat sofort Konkurrenz bekommen. Das Feld Catering beackern zwischenzeitlich mindestens fünf weitere Jungunterneh men. Wie so oft gibt es Vorbilder in den USA: Hier bündeln Eatclub, Ezcater oder Zerocater Nachfrage und Angebot. Und natürlich sind bereits Investoren auf den Geschmack gekommen und finanzieren die neuen Services mit Millionen.

Milliardenmarkt mit Essen

Catering ist ein fragmentierter, aber aussichtsreicher Markt: Für Hochzeiten und andere Feste, vor allem aber für die diversen Veranstaltungen von Firmen werden Zulieferer von Speisen und Getränken gebraucht. Rund 17.000 Restaurants und spezialisierte Anbieter kochen hierzulande für andere, hinzu kommen Kochteams zum Mieten, Metzgereien, Bäckereien. Catering-Unternehmen wie Compass, Aramark oder Apetito setzen im Jahr Hunderte von Millionen Euro um. Insgesamt wird der Markt auf sieben bis acht Milliarden Euro Umsatz geschätzt, wobei etwa zwei Milliarden auf das Catering von Schulen, Seniorenheimen und anderen Kantinen entfallen, die per Ausschreibung vergeben werden.

Oliver Giese, Mitgründer von Catero in Hamburg, macht noch eine Rechnung auf: „In Deutschland werden pro Jahr rund 400.000 Hochzeiten gefeiert, wenn nur die Hälfte davon in einem größeren Rahmen stattfindet, kommen schnell 20 bis 40 Millionen Euro zusammen.“ Das schmeckt Investoren: Unternehmensentwickler Rocket Internet ist gleich bei zwei Anbietern, Lemoncat und Caterwings, dabei. Business Angel Lukasz Gadowski und die Investmentgesellschaften Point Nine und Target Global finanzieren Lemoncat. Heycater bekam Kapital von Atlantic Food Labs, 360 Capital sowie weiteren Unternehmen. Auch Holtzbrinck und Tengelmann finanzieren neue Caterer-Vermittler.

Deren Geschäfte ähneln sich, auch wenn sich einige Start-ups auf Geschäftskunden konzentrieren: Sie listen nach Städten geordnet Caterer, deren kulinarische Schwerpunkte und Leistungen auf. Kommen Buchung und Auftrag zustande, bezahlen die Lieferanten von Speisen bis zu 15 Prozent für die Vermittlung. Einzig Catero verlangt für die Marketing-Services Abo-Gebühren zwischen knapp 15 und 69 Euro im Monat. Die Hamburger wollen ihre Plattform außerdem mit Organisationstools für Caterer ausbauen.

Neue Chancen für Caterer

„Wir stellen kostengünstig die Online-Sichtbarkeit für Caterer her und vermitteln bereits vorqualifizierte Aufträge“, erklärt Giese das Konzept der Marktplätze. Profitieren die Caterer vom Online- und Suchmaschinenmarketing der Start-ups, liefern deren Fragebögen eine Struktur der Kundenwünsche und helfen so bei Planung und Angebot. Was nach wenig klingt, beinhaltet viele Chancen: „Es fängt mit Essen an und kann sich auch auf Dinge wie Geschirr, Servicepersonal, Event-Equipment und Möbel erweitern“, erklärt Doreen Huber, Gründerin von Lemoncat. Jetzt in der Startphase suchen die Gründer Wachstum erst noch in der regionalen Expansion und im Aufarbeiten von Caterer-Adressen der Großstädte. Caterwings ist schon in Großbritannien aktiv.

„Wir kennen die neuen Plattformen. Sie bieten viele Opportunitäten für unsere Branche“, sagt Kaspar Althaus, Geschäftsführer des Caterers Aveato, der bevorzugt Unternehmen beliefert. „Die Start-ups machen schon gute Umsätze mit uns, für uns ist das noch keine Riesengeschichte, aber die Plattformen sind ja noch nicht lange am Markt.“ Althaus ist überzeugt, dass die jungen Unternehmen vor allem Verbraucher zum Catering bringen. „Caterer sind meist super am Herd, aber zeitlich überfordert mit der Vermarktung“, sagt er. „Die Plattformen unterstützen ihn jetzt dabei und öffnen den Markt. Kleinere und innovative Caterer bekommen Zugang auch zu größeren Kunden, das bringt die Branche voran.“

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