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„Das Rennen ist in vollem Gange“

Die Erlebnisgeschenke-Plattform Mydays profitiert von der Medienkraft des Investors 7 Commerce – und will online dem großen Konkurrenten Jochen Schweizer den Rang ablaufen

Fabian Stich ist Geschäftsführer von Mydays, einem Online-Portal für Gutscheine und Erlebnisgeschenke. Seit 2013 ist das Unternehmen Teil von 7 Commerce – seit 2015 zu 100 Prozent.

Medienkrise? Nicht für Pro Sieben Sat 1. Zum Wachstum der Gruppe trägt längst nicht mehr nur TV bei. Vielmehr macht sich zunehmend die Fokussierung auf den Bereich E-Commerce und auf Ventures bezahlt. Alle strategischen Beteiligungen im Online-Handel bündelt der Konzern in der Tochter 7 Commerce. Ein Start-up, das ganz besonders von den Medialeistungen des Senders profitiert, ist Mydays. Claas van Delden, Geschäftsführer 7 Commerce, und Fabian Stich, CEO von Mydays, erklären das Erfolgskonzept ihrer dreijährigen Zusammenarbeit.

Seit drei Jahren ist Mydays Teil der 7 Commerce. Was waren die Meilensteine?

Fabian Stich: Nach dem Kauf haben wir für die folgenden drei Jahre eine dreistufige Wachstumsstrategie entwickelt. Start war die konsequente Überarbeitung unserer Webseite im August 2013. Flankierend dazu lief unsere erste große TV-Kampagne. Im Dezember 2013 konnten wir ein Umsatzwachstum von 60 Prozent verbuchen. Innerhalb von drei Jahren haben wir den Umsatz mehr als verdoppelt und erzielen jährlich zweistellige Wachstumsraten deutlich über dem Markt. Nun wollen wir den Mobile-Markt erobern. Hierfür haben wir vor zwei Wochen unsere App gelauncht.

Was versprechen Sie sich davon?

Stich: Die App verfolgt einen anderen Ansatz als die mobile Webseite. Sie soll die User inspirieren und folgt einem „Wunschzettel-Algorithmus“. Damit kann der Nutzer gezielt für eine Person auf Geschenksuche gehen, indem ihm die App Vorschläge liefert. Die Anwendung ist keine Verlängerung der mobilen Webseite.

Wie hoch ist der mobile Traffic?

Stich: Unser mobiler Traffic liegt derzeit bereits bei 50 Prozent. Während der TV-Flights sogar zwischen 60 und 70 Prozent.

Wo ist die Conversion Rate höher?

Stich: Aktuell ist sie auf dem Desktop noch höher. Allerdings haben wir nicht zuletzt durch den Relaunch 2015 unsere Conversion Rate auf mobilen Endgeräten um 30 bis 40 Prozent gesteigert. Ein durchschnittlicher Warenkorb liegt bei etwa 110 Euro. Unsere Warenkörbe sind mobil um rund 20 Prozent höher als auf dem Desktop.

Mydays gehört zu 7 Commerce, dem strategischen Investment-Arm von Pro Sieben. Nach welchem Muster wird dort investiert?

Claas van Delden: Wir konzentrieren uns primär auf das digitale B2C-Geschäft. Dieses muss zu den Zielgruppen passen, die wir mit unserem Fernsehgeschäft und unseren digitalen Plattformen bedienen. Nur dann können wir die Marketing-Synergien voll ausschöpfen. Zudem wollen wir Anlagevermögen und Working Capital so gering wie möglich halten, wie etwa Investitionen in Lager etc. Also je mehr der Erfolg eines Unternehmens von hohen Marketing-Budgets abhängt, umso interessanter wird es für uns als Investmentobjekt. Denn dann greifen unsere Synergien ideal, sodass wir die Gesamtkosten der jungen Unternehmen signifikant senken können. Und es sollte sich um ein Geschäftsmodell handeln, das sich auch langfristig gegen Google, Amazon, Apple und Facebook verteidigen lässt.

Können Sie dafür ein Beispiel nennen?

Van Delden: Ein Beispiel ist unser Segment Beauty und Accessories, zu dem Flaconi oder Amorelie gehören. Das sind alles Unternehmen, die diese Kriterien erfüllen. Warum haben wir auf Flaconi gesetzt und nicht etwa auf den Bereich Elektrohandel? Weil die Waren bei Flaconi so nicht bei Amazon verfügbar sind. Das meinen wir mit „Verteidigbarkeit“.

Jochen Schweizer ist Ihr größter Konkurrent. Hätten Sie sich auch ohne 7 Commerce so gegen den Wettbewerber platzieren können?

Stich: Um gegen einen so starken Konkurrenten zu bestehen, war die Übernahme für uns natürlich sehr hilfreich – schon alleine wegen der Marketing-Kraft von TV. Allerdings haben auch andere Bausteine dazu beigetragen.

Van Delden: Als Mydays mit uns gestartet ist, hatte das Unternehmen eine Markenbekanntheit von etwa 50 Prozent, heute liegen wir bei 80 Prozent. Jochen Schweizer lag damals bei rund 80 Prozent Markenbekanntheit – und daran hat sich bis heute nichts geändert. Das Rennen ist in vollem Gange und wir haben gerade die höhere Geschwindigkeit.

Stich: Online sind wir schon heute der klare Marktführer.

Wie viele Bestandskunden verzeichnen Sie?

Stich: Rund 50 Prozent aller Verkäufe kommen von Kunden, die schon mehrmals bei uns eingekauft haben. Der Anteil der B2C-Kunden ist zurzeit noch deutlich höher. Allerdings sehen wir im B2B-Geschäft noch viel Potenzial, beispielsweise bei Mitarbeiter-Incentives. In diesem Team-Segment haben wir im Vergleich zum Vorjahr ein Plus von 50 Prozent.

Zurück zu 7 Commerce. Konkurrieren Sie mit anderen Venture-Firmen?

Van Delden: In der Regel treten wir gegen zwei Käufergruppen an: Finanzinvestoren, die sich stark mit dem Digital-Geschäft auseinandersetzen, und andere strategische Investoren wie Fernsehhäuser oder Verlage. Wir setzen dabei auf Differenzierung, indem wir Synergiepotenziale, wie Mediareichweite oder die Zusammenarbeit im Cluster, mit einbringen. Die kann ein Finanzinvestor nicht bieten. Darüber hinaus ermöglichen wir den gezielten Aufbau von Know-how, indem wir den Unternehmen operativ zur Seite stehen. Das reicht von CRM-Systemen, Performance-Marketing, TV-Aussteuerung oder der Erstellung von TV-Spots bis hin zum Aufbau von Analytics-Systemen oder Pricing.

Das heißt, Sie beobachten auch Player wie Ströer, die sich ja im E-Commerce-Markt mit Zukäufen wie Foodist oder Stylefruits stärker aufstellen?

Van Delden: Klar, wir beobachten ständig den gesamten Markt. Ströer arbeitet klar erkennbar an seiner digitalen Diversifizierung und da ist es gut möglich, dass sich unsere Wege auch einmal kreuzen. Während Ströer sich derzeit aber eher auf das Content-Geschäft fokussiert, konzentrieren wir uns auf das Transaktionsgeschäft. Beispielsweise haben wir von Ströer bereits Weg.de gekauft.

Wie risikobereit sind Sie bei 7 Commerce?

Van Delden: Hinter all unseren Investitionen stecken solide kaufmännische Kalkulationen. Wir erstellen Businesspläne mit konkreten ROI-Vorgaben und Risikoabwägungen und treffen auf dieser Basis unsere Entscheidungen. Unser Ziel im Transaktionsgeschäft sind zufriedene Kunden als eines der grundlegendsten Elemente eines erfolgreichen Markenaufbaus. Schließlich lebt jede Marke von Wiederkäufern und ihrer Stammklientel.

Heißt das, die zum Verkauf stehenden Unister-Portale sind nicht interessant für Sie?

Van Delden: Zu dieser Frage äußern wir uns nicht.

Interview: Susanne Gillner, Laura Melchior

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