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Mehr Bergerlebnis

Schnell erreichbare Serviceangebote und übersichtliche Hintergrundinformationen will der Deutschen Alpenverein seinen Nutzer bieten – mit viel Spaß und Inspiration

Wer sich in die Berge begibt, egal ob zu Fuß oder auf dem Mountainbike, der möchte etwas Besonderes erleben. Die User Experience, also das Nutzererlebnis, stand auch bei der neuen Webseite des Deutschen Alpenvereins im Vordergrund, die seit Anfang Juli online ist. „Unsere User Experience bestand vorher aus einer Handvoll schöner Bilder, sehr viel Experience gab es da nicht“, erinnert sich Jonas Kassner. Der Online-Redakteur zeichnet bei dem gemeinnützigen Verein inhaltlich für den Relaunch des Webauftritts verantwortlich.

Die sehr statische Seite wurde durch ein dynamisches Teaser-Konzept abgelöst: Auf der Startseite laden verschiedene Kacheln zum Entdecken und Stöbern ein, gleichzeitig findet der Nutzer Serviceangebote wie das Bergwetter oder die Hüttensuche auf einen Klick. „Wir wollten mehr inspirieren, der Nutzer soll spielerisch Neues entdecken und Spaß haben, zum Beispiel wenn er auf der Startseite Großansichten aufziehen oder Bildergalerien durchblättern kann“, beschreibt Kassner das Ziel.

Video auf der Startseite

Das Konzept für das neue Frontend stammt von den Spezialisten für User Experience der Münchner Agentur Coma. Ein besonderes Highlight sind die Videos, die der Nutzer ganz nach seinen persönlichen Vorgaben direkt auf der Startseite oder aber größer auf einer dahinterliegenden Detailseite anschauen kann. „Der Nutzer wird damit nicht zwingend von der Startseite runtergeschubst“, freut sich Kassner.

Im Kontrast zu solchen Aha-Effekten auf der Startseite stehen die informativen Detailseiten: Magazinartig in dreispaltigen Layout präsentiert der DAV die Artikelseiten. Viel Weißraum, abgesetzte Bilder und große Schriften sollen zum Lesen einladen. „Die Artikel haben wir bewusst sehr ruhig gestaltet. Sie sollen durch die gute Lesbarkeit ein gutes Nutzerlebnis schaffen und eine intensive Beschäftigung mit einem Thema erleichtern“, erläutert Kassner.

Zudem gibt das Layout dem Auftritt ein eigenes Gesicht, denn „eine dreispaltige Darstellung gibt es nicht so oft im Web“, freut sich Kassner. Redaktionell sind Spalten immer wieder eine Herausforderung: Die Texte und damit die einzelnen Spalten dürfen nicht zu lang sein, sonst verliert der Nutzer den Überblick, wo der Text weitergeht. Um Inhalte abzugrenzen, dient ein blauer Querstrich als optischer Trenner.

Da immer mehr User über mobile Endgeräte auf die Seite zugreifen, war auch eine Mobile-Optimierung überfällig. Das Design ist adaptiv: Die Inhalte werden dabei für drei vorab definierte Bildschirmgrößen in einem festen Layout optimiert. Auf ein Responsive Design, bei dem sich Design und Inhalte flexibel an die Bildschirmgröße anpassen, hat der Verein aus Kostengründen verzichtet. „Als gemeinnütziger Verein sind wir gezwungen, die Kosten genau im Blick zu behalten“, erklärt Kassner. Einen Betrag im untersten sechsstelligen Bereich musste er insgesamt für den Relaunch ausgeben.

Besonders schwierig war die Mobile-Anpassung des Servicebereichs. Während der Nutzer auf der Website das Bergwetter oder auch die Hüttensuche über interaktive Karten abrufen kann, muss er bei der mobilen Nutzung noch Abstriche hinnehmen – auch mit Blick auf das begrenzte Budget. „Der Servicebereich ist sehr komplex und eine hochauflösende interaktive Karte ist mobil sehr schwer abzubilden. Deswegen haben wir uns ganz pragmatisch dafür entschieden, lieber erst einmal darauf zu verzichten, als etwas anzubieten, das nicht richtig funktioniert“, so Kassner.

Aufwand unterschätzt

Trotz des komplett neuen Frontends konnte der DAV das bestehende von der Freiburger Agentur Esono entwickelte und eingerichtete Content-Management-System (CMS) „Chameleon“ beibehalten. Um die Inhalte redaktionell verwalten zu können, musste es allerdings angepasst werden: „Wir mussten die bestehende Modulverwaltung an vielen Stellen umbauen, um unserer Ideen realisieren zu können“, sagt Kassner. Unterschätzt habe er dabei vor allem den Aufwand für das adaptive Design. Die größte Schwierigkeit lag für ihn jedoch letztlich darin, das Bestehende und das Neue gut zusammenzuführen: „Es wäre vermutlich einfacher gewesen, komplett bei null anzufangen“, so sein Fazit. ❚


DAV Deutscher Alpenverein

• Gegründet 1869, Mitgliederzahl heute: 939.000

• 325 öffentlich zugängliche Berghütten, 700.000 Übernachtungen pro Jahr

• Webseiten-Relaunch im Juli 2016; Agenturen: Coma, München, und Esono, Freiburg

• Projektdauer: ein Jahr, Projektkosten: niedriger sechsstelliger Euro-Betrag

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