INTERNET WORLD Business





Schluss mit kostenlos?

Google hat angekündigt, den hauseigenen Keyword-Planer kostenpflichtig zu machen. Für SEOs ist das eine schlechte Nachricht

Er fehlt in keinem SEO-Ratgeber: der Google Keyword-Planer. Dieses Tool ist eigentlich für Werber gedacht, die Adwords-Kampagnen planen. Es hilft aber auch bei der Suchmaschinenoptimierung im organischen Bereich, denn es zeigt das monatliche Suchvolumen zu bestimmten Keywords an. Zumindest bislang noch.

Was ist ein großer Account?

Doch ein Eintrag einer Google-Mitarbeiterin im Google-Adwords-Nutzerforum Ende August kündigt gravierende Änderungen an. Die bisherigen genauen Daten sollen nur noch Nutzer erhalten, die ein großes monatliches Werbebudget in Adwords investieren. Wer weniger ausgibt, soll nur noch ungefähre Tendenzwerte bekommen. Dazu kommt, dass es ein Limit für Abfragen nach dem Suchvolumen geben soll. Ist der Keyword-Planer für SEO-Zwecke künftig perdu?

Christian Paavo Spieker, Chef der Münchner Performance-Agentur One Advertising, rät zu Gelassenheit: „Es weiß noch niemand, was passieren wird, es gibt wahnsinnig viele Mutmaßungen. Es ist auch nicht klar, wo die Grenze zwischen großen und kleinen Adwords-Accounts liegen wird.“ Zwar sei die Optimierung auf Keywords nach wie vor eine der wichtigsten SEO-Maßnahmen, sagt Spieker, doch schon jetzt seien die Zahlen aus dem Keyword-Planer mit Vorsicht zu genießen: „In die Suchvolumina-Zahlen fließen auch die ganzen Daten ein, die aus automatisierten Zugriffen entstehen. Es gibt Schwellenwerte, unterhalb derer kein Suchvolumen ausgewiesen wird, die Zahlen sind nicht ganz einfach zu lesen.“

Britta Kristin Böhle, SEO-Expertin beim Website-Zertifizierer Trusted Shops in Köln, rechnet damit, dass die Umsatzgrenze relativ niedrig angesetzt werden wird und somit die wenigsten Adwords-Kunden tatsächlich eingeschränkt werden. Massive Auswirkungen hätte die Änderung jedoch auf diejenigen, die Adwords generell nicht als Kanal nutzen möchten: „Diese werden für genaue Suchvolumendaten kostenpflichtige Tools wie beispielsweise den Moz Keyword Explorer oder das Keywordtool.io nutzen müssen, da es kostenfrei keine wirklichen Alternativen gibt.“ Malte Landwehr vom SEO-Analysetool-Anbieter Searchmetrics wittert ein gutes Geschäft: „Granulare Suchvolumendaten werden in Zukunft mehr wert sein. Für Digital-Agenturen, die bereit sind, in entsprechende Tools und Prozesse zu investieren, ist dies eine gute Möglichkeit, sich mit exakteren Suchvolumendaten vom Wettbewerb abzuheben.“

Agenturchef Spieker rät dringend dazu, bei SEO-Konzepten die Auswahl der wichtigsten Keywords an den Beginn der Planung zu stellen. Für Website-Betreiber, die ernsthaft Aufwand in die Keyword-Optimierung stecken wollen, hat er eine überraschende Empfehlung: „Es ist aus meiner Sicht schlau, einmal eine Adwords-Kampagne anzulegen. Das kostet zwar Geld, aber Suchmaschinenoptimierung ist auch nicht umsonst, da steckt ja auch viel Arbeit dahinter. Wenn du, um bei Google aktuelle Daten über Suchvolumina zu erhalten, 50 Euro pro Monat für Adwords ausgeben musst – dann mach’s halt!“ ❚

Weitere Bilder
comments powered by Disqus