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Marketing mit Echo

Sprachgesteuerte Lautsprecher wie Amazon Echo oder Google Home bieten Marken einen neuen Weg zu Nutzern und Kunden

Alexa, bestell mir ein Taxi zum Bahnhof! Alexa, was ist das Rezept des Tages auf Chefkoch.de? Alexa, mach das Licht im Wohnzimmer an! Alexa, koch meinen Lieblingskaffee! So oder so ähnlich wird es künftig häufiger durch deutsche Haushalte schallen. Seit Amazon Mitte September 2016 angekündigt hat, dass Amazon Echo und Alexa Voice Services bald in Deutschland erhältlich sein werden, werben bereits die ersten Marken damit, als Dienst auf dem sprachgesteuerten Lautsprecher verfügbar zu sein.

So ist beispielsweise der Nachrichtensender N-tv als „Alexa Skill“ auf dem Lautsprechersystem vertreten. Nach den Aktivierungsworten „Alexa“, „Amazon“ oder „Echo“ und der entsprechenden Frage oder Aufforderung liest Alexa unter Rückgriff auf den RSS-Feed des Senders die N-tv-Nachrichten vor. N-tv ist überzeugt, dass Sprachsteuerung und Spracherkennung bei Konsumenten gute Chancen haben akzeptiert zu werden. „Wir schauen uns jetzt erst mal genau an, wie sich das Thema Audio und Spracherkennung entwickelt, und ob es dann vielleicht bei Smart-Home-Varianten oder beim Car-Entertainment anwendbar sein könnte“, sagt Eva Messerschmidt, Ressortleitung Sales & Digital Products bei N-tv. Eine der menschlichen Kommunikation ähnelnde Verständigung mit einem Gerät zu programmieren, war eine Herausforderung, berichtet sie: „Alle Eventualitäten oder Fragen, die der Nutzer stellen könnte, müssen bedacht werden, damit Echo sie beantworten kann.“ Schließlich verlieren Konsumenten schnell den Spaß an sprachgesteuerten Systemen, wenn diese nicht gut funktionieren. Für die Entwicklung der Alexa Skill hat der Fernsehsender, der zur Mediengruppe RTL Deutschland gehört, einen Dienstleister beauftragt. Zu den Kosten macht das Unternehmen keine Angaben.

Licht und Heizung per Sprachbefehl steuern

Innogy, die neue Tochtergesellschaft der RWE AG, bindet ihre Smart-Home-Produkte an die Sprachsteuerung von Amazon Echo an. Einzelne Elemente wie Stecker, Schalter oder Thermostate können per Sprache gesteuert werden. Als Vorteil nennt Innogy, dass die Sprachsteuerung das Smartphone als Steuerungstool ersetzt. „Nicht nur Technik-Fans, auch Menschen mit eingeschränkter Mobilität werden den Service zu schätzen wissen“, so das Unternehmen. Für die Umsetzung verwendete Innogy die Alexa Smart Home Skills. Probleme habe es dank der offenen Schnittstellen von Innogy Smart Home und Amazon Echo nicht gegeben. Derzeit arbeitet das Unternehmen ausschließlich mit Amazons Sprachsteuerung.

Amazon stellt ein kostenloses Alexa Skills Kit bereit, eine Sammlung von Self-Service-APIs, Dokumentationen und Codebeispielen, mit der die Entwickler Anwendungen für die Sprachsteuerung Alexa programmieren können.

Aus Markensicht ist es konsequent, auf solchen neuen sprachgesteuerten Geräten vertreten zu sein und damit zu experimenientieren, schließlich wird Sprachsteuerung über kurz oder lang zum Alltag gehören. Auch Google hat gerade einen Assistenten fürs Zuhause, „Google Home“, vorgestellt.

Ähnlich wie Apps fürs Smartphone machen die Alexa Skills den Lautsprecher Echo erst interessant. Deshalb betont Amazon gern, dass es mittlerweile bereits 3.000 Alexa Skills gibt und dass die Zahl schnell wächst. Die Deutsche Bahn, die Zeitschriften „Kicker“ oder Spiegel Online, Mytaxi, BMW – laut Amazon arbeiten Hunderte deutsche Entwickler an sprachgesteuerten Skills.

Um die Sprachsteuerung voranzutreiben, hat Amazon gerade den Wettbewerb „Alexa Prize“ gestartet. Forscher sollen einen „Socialbot“ entwickeln, der sich mit Menschen 20 Minuten lang flüssig unterhalten kann. Ob die Sprachsteuerung in der Praxis tatsächlich so unkompliziert funktionieren wird, wie sich die Verbraucher das wünschen, muss sich noch zeigen. Der Lautsprecher Amazon Echo wird ab 26. Oktober 2016 verfügbar sein.


Alexa lernt deutsche Eigennamen

Arne Wolter

Chief Digital Officer von Gruner + Jahr

www.guj.de

Anregungen fürs Abendessen, Tipps für werdende Mütter oder Fragen zu Promis: Das Verlagshaus Gruner + Jahr testet, wie sich die Reichweite von Chefkoch.de und der Zeitschriften „Eltern“ und „Gala“ durch Amazon Echo ausweiten lässt. Arne Wolter, Chief Digital Officer von Gruner + Jahr, verspricht sich Lerneffekte.

Welche Schwierigkeiten mussten Sie beim Programmieren der sprachgesteuerten Skills für Echo lösen?

Arne Wolter: Wir waren ob der Deutschkenntnisse des in Amazon Echo integrierten Sprachassistenten Alexa sehr gespannt, da Deutsch erst die zweite Sprache nach Englisch ist, die Amazon eingeführt hat. Hier war der technische Entwicklungsgrad aber schon sehr weit fortgeschritten. Nur besonders komplexe Wörter oder deutsche Eigennamen mussten zum Teil noch manuell zum Alexa-Lexikon hinzugefügt werden. Eine „Schwierigkeit“ stellte dies aber nicht dar.

Was hat die Umsetzung gekostet?

Wolter: Da die Entwicklung der Skills inhouse erfolgte, waren die Kosten überschaubar.

Gruner + Jahr testet, wie sich die Reichweite von Marken über sprachgesteuerte Lautsprecher ausweiten lässt. Welche Mindestergebnisse muss der Test erfüllen, damit er erfolgreich bestanden ist?

Wolter: Wir experimentieren viel mit neuen Technologien und Plattformen, natürlich auch, um die Reichweite unserer Marken zu steigern. Im Fokus stehen hierbei keine konkreten Zahlen, sondern vor allem Lerneffekte. Wir versprechen uns viele Einblicke und Einsichten. Nicht zuletzt glauben wir an das Thema Sprachsteuerung – gerade in Bezug auf Mobile – und wollen bei dem Thema von Beginn an dabei sein.

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