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Hologramm im Haus

Die Hololens von Microsoft ist jetzt auch in Deutschland erhältlich. Für Unternehmen könnten sich mit der neuartigen Brille interessante Anwendungen ergeben

Als die Hololens im Januar 2015 vorgestellt wurde, war die Fachwelt beeindruckt. Microsoft schien mit seiner Hightech-Datenbrille tatsächlich einen neuen Trend zu setzen. Es dauerte aber bis März dieses Jahres, bis erste Exemplare an vereinzelte Geschäftspartner geliefert wurden. Und erst jetzt ist die Hololens auch in Deutschland über den Microsoft-Store erhältlich. Unverbindliche Preisempfehlung: 5.489 Euro.

Eine Stange Geld, doch Experten wie Sebastian Raßmann von der Beratungsgesellschaft Trendone fordern Unternehmen dringend auf, sich mit der Wunderbrille zu beschäftigen. „Wir raten dazu, sich die neue Technologie genauer anzuschauen, sie zu testen und mit ihr zu spielen“, sagt Raßmann. „Denn die Hololens hebt Augmented Reality auf das nächste Level.“

Tatsächlich bietet die Brille eine Menge völlig neuer Anwendungsmöglichkeiten. Durch ihr Gesichtsfeld, das dem einer Skibrille ähnelt, kann der Betrachter hochauflösende Hologramme sehen, die er mit Kopfbewegungen oder einem Fingertippen in der Luft steuern kann. Weil die Hololens mit einer eingebauten Tiefenkamera den Raum misst, passen sich die Hologramme der Umgebung an. Virtuelle Menschen gehen im Zimmer umher, ohne sich an den Ecken zu stoßen. Dreidimensionale Abbildungen von Fahrzeugen oder Gebäuden lassen sich beispielsweise auf dem Tisch ablegen und können dann von allen Seiten betrachtet werden – auch von mehreren Hololens-Trägern gleichzeitig. Man kann sie aber auch wie Skulpturen einfach frei im Raum schweben lassen. Der Unterschied zu Virtual-Reality-Brillen wie der Oculus Rift: Die Microsoft-Brille bezieht die unmittelbare Umgebung mit ein (Augmented Reality). Bei Virtual Reality geht der User vollständig in einer virtuellen Welt auf, da er seine Umwelt nicht mehr wahrnimmt. Weiterer Unterschied zur Oculus-Brille: Die Hololens läuft mit Akkus, weshalb sich die Betrachter nicht ständig im Kabel verheddern. Dafür ist sie mit über 500 Gramm aber recht schwer.

Virtueller Laufsteg

Hunderte von Apps lassen sich inzwischen im Microsoft-Store herunterladen, die verschiedenste Anwendungen mit der Hololens erlauben. Dazu zählen ein Rundgang auf dem Mars, eine Skype-Konferenz und – natürlich – diverse Spiele.

Vor allem aber scheint die Brille für den Business-to-Business-Bereich sinnvoll. So hat die Thyssenkrupp Elevator AG aus Essen, einer der weltweit größten Produzenten von Aufzugsanlagen, eine Lösung entwickelt, bei der Techniker während der Reparatur durch die Brille blicken und Hinweise auf den Schaden und benötigte Ersatzteile erhalten. Damit, so CEO Andreas Schierenbeck, könnten die Wartungen vereinfacht und die für den Service benötigte Zeit auf ein Viertel gesenkt werden.

Sebastian Raßman von Trendone hat weltweit solche Beispiele zusammengetragen. Die Londoner Mode designerin Martine Jarlgaard stellte ihre neue Kollektion in einem leeren Raum vor – die Models tauchten virtuell auf, nachdem die Besucher die Microsoft-Brille aufgesetzt hatten. Der kanadische Inneneinrichter Dirrt bietet seinen Kunden an, mithilfe der Hololens die neuen Möbel zu Hause in die richtige Umgebung zu schieben. Und in Filialen des US-Einrichters Lowe’s können Kunden die gewünschten Küchenmöbel als Hologramm zusammenzustellen und von allen Seiten begutachten.

Auch auf Messen kann die Hololens sinnvoll sein. Raßmann: „Ein Kranhersteller kann seine Kräne künftig überall aufbauen, ohne sie tatsächlich herbringen zu müssen.“

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