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Bing: eine Alternative?

Der Marktanteil der Suchmaschine ist klein, aber Bing Ads sind immer einen Blick wert

„Das Werbeumfeld ist noch wenig kompetitiv, die Klickpreise sind niedrig“

Frauke Ewe, Head of Strategy & Partner Development bei Feed Dynamix GmbH www.feed-dynamix.de

Es herrscht Aufbruchstimmung bei Microsofts Suchmaschine. Im September dieses Jahres knackte Bing erstmals seit 2009 die Zehnprozentmarke im Suchmaschinenmarkt in Deutschland. Bereits im Mai wurden Bing Shopping Ads hierzulande gelauncht. Und auch in den USA macht Microsoft gerade mit der Integration eines neuen Coupon-Features in die digitale Suchassistentin „Cortana“ und weiteren E-Commerce Experimenten von sich Reden.

Bing bewegt sich also in Richtung E-Commerce. „Endlich“ könnte man fast sagen, denn eigentlich wartet hier schon länger eine zahlungskräftige Audience darauf, abgeholt zu werden. Als Händler in Deutschland muss man sich dennoch fragen: Lohnt es sich überhaupt, Budget für Bing Shopping als zusätzlichen Vertriebskanal freizuschaufeln?

Das Suchvolumen allein ist noch überschaubar

Der Blick auf das aktuelle Suchvolumen und die Integration des neuen Werbeformats lässt noch keine Euphorie aufkommen, sodass es im Moment auch noch keinen triftigen Grund gibt, Budget von Google weg und hin zu Bing zu transferieren. Bleibt Geld für Ebay, Idealo & Co, doch auch das tut weh, sobald man sich die Integration der Bing Shopping Ads ansieht. Diese kommen nämlich noch recht plump daher: Eine Kennzeichnung der Top-Angebote oder ein separates Shopping Vertical für die gezielte Produktsuche und den Preisvergleich gibt es nicht und auch die mobile Integration lässt in Deutschland noch auf sich warten. Auf welches Werbeziel zahlen Bing Shopping Ads also letztlich ein? Aktuell dienen sie Retailern als „Schaufenster-Anzeigen“ und sorgen für stärkere Präsenz ihrer Sortimente. Um unmittelbar auf den Kaufabschluss einzuwirken, ist die Integration noch zu schwach.

Ein Grund, Bing Shopping Ads als Instrument des Abverkaufs gleich gänzlich abzuhaken, ist das jedoch noch nicht, denn spannend wird die Entwicklung in den kommenden Monaten: Microsoft ist bekannt für die gute Verzahnung seiner Produkte. So ist Bing stark in Windows 10 integriert und generiert auch die Suchergebnisse der persönlichen Suchassistentin Cortana. Diese gibt US-Kunden seit dem jüngsten Update nun auch wertvolle Hinweise zu aktuell verfügbaren Shopping Coupons und wirkt damit direkt auf die Kaufentscheidung der Kunden ein. Es bleibt also abzuwarten, ob es Microsoft gelingt, weitere Werbeformate in Cortana, in Bing und in Windows 10 zu integrieren und damit Händlern weiteren Zugang zur Zielgruppe zu schaffen.

Wer sich unter den Early Movers wissen will, sollte jetzt testen und kostengünstig Erfahrungen sammeln, denn das Werbeumfeld ist aktuell noch wenig kompetitiv und die Klickpreise niedrig. Auch der Aufwand für das Kampagnen-Setup ist für diejenigen, die bereits Google Shopping nutzen, sehr gering. Das dürfte übrigens kein Zufall sein: Um Händlern den Einstieg ins Werbeprogramm leicht zu machen, hat Bing nämlich kurzerhand in guter alter „Wildwestmanier“ seine Datenfeed-Spezifikationen an die von Google angepasst. Auch bestehende Shopping-Kampagnen können einfach aus Google Adwords in Bing importiert werden. Ob die Online-Welt nun allerdings ein zweites Google Shopping braucht, ist ehrlich gesagt fraglich. Wenn Bing es aber schafft, deutliche Alleinstellungsmerkmale gegenüber den anderen Plattformen und vor allem Google gegenüber zu entwickeln, freuen wir uns auf echte Konkurrenz im Shopping-Werbemarkt.


Was andere schreiben

Microsoft ist mit Bing Ads erst deutlich später als Google in den Markt der bezahlten Suche eingestiegen und befindet sich noch in der Aufholphase. Zahlreiche Updates in der jüngsten Vergangenheit wie etwa Bing Shopping erlauben Bing Ads, sich nicht hinter Google Adwords verstecken zu müssen. Im Gegenteil: Durch das weitverbreitete Microsoft-Betriebssystem und die Vorinstallation von Bing Ads sollten vor allem B2B-Unternehmen das Potenzial von Bing Ads nicht länger ignorieren und von den günstigen Keyword-Geboten in Bing Ads profitieren.

Der wohl größte Unterschied zwischen Bing Ads und Google Adwords besteht darin, dass Bing bisher kein Display-Netzwerk bietet. Sie können Ihre Anzeigen über Bing also nur in der Suche schalten. Diese basiert – ebenso wie bei Adwords – auf Keywords in den unterschiedlichen Matchtypes. Sie unterteilen Ihre Kampagne also in Anzeigengruppen, die bestimmte Gruppen von Keywords beinhalten, und schreiben passend dazu Anzeigentexte.

Meine Erfahrung mit Werbung auf Bing ist bislang sehr positiv: Zwar gibt es generell weniger Suchvolumen als bei Google, das vorhandene ist aber meist relevanter und die Conversion-bzw. Klickkosten sind oft sehr viel geringer. Zudem darf man nicht außer Acht lassen, dass das Bing-Netzwerk gar nicht so „unbekannt“ ist. Dazu gehören: Windows (vor allem die Windows-10-Suche direkt über den Desktop), Xbox, Microsoft Office, Skype, MSN, Lumia und viele mehr. Auch hier werden täglich zahlreiche Suchen durchgeführt, die alle das Bing-Netzwerk bedient.

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