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Adidas übt Mobile Retail

Der Sportartikelhersteller verkauft seinen neuen Fußballschuh „Glitch“ in Großbritannien exklusiv über eine eigene App. Die Commerce-Technologie stammt von Newstore

Glitch-App von Adidas: Kundenservice und Einkauf laufen über das Smartphone

Für den Verkauf der neuen „Glitch“-Fußballschuhe setzt der Sportartikelhersteller Adidas auf Mobile und Social Commerce. Nicht nur der Mobile-Retail-Ansatz ist neu, sondern auch die Verkaufsstrategie und das Design der Schuhe: Die Fußballschuhe, bestehend aus Innen- und Außenschuh („Skin“ genannt), können nur über die mobile Adidas Glitch App in Großbritannien erworben werden. Alle Bestellungen und Transaktionen sowie der Kundenservice erfolgen über die App, die aktuell für das mobile Betriebssystem iOS und später auch für Android verfügbar ist.Harm Ohlmeyer, Senior Vice President Digital Brand Commerce bei Adidas, erhofft sich von dem mobilen Verkaufsansatz eine Steigerung der Kundenbindung: „Die starke mobile Interaktion steigert die Konversionsrate und festigt die Kundenbeziehung zur Marke Adidas.“ Über den Mobile-First-Ansatz für Glitch soll den Kunden Neuheit und Exklusivität vermittelt werden.

Die Bedeutung von Smartphones beim Einkaufen werde zunehmen, meint Marc Makowski, Director Business Development Adidas Football: „Glitch ist ein erster Schritt in diese Richtung und wird uns ermöglichen, viele Erkenntnisse in Bezug auf mobiles Einkaufsverhalten zu erlangen.“

Kunden benötigen einen Einladungscode, um die Glitch-Schuhe kaufen zu können. Diesen erhalten sie, wenn sie sich der Community anschließen. Sobald sie ihr „Starter-Pack“, das aus einem Innenschuh und zwei äußeren Skins besteht, gekauft haben, erhalten sie selbst Einladungscodes, die sie dann an Freunde weitergeben können.

Damit der Schuh gut passt, ist eine persönliche Anprobe Teil des Konzepts. Diese „Fitting Sessions“ werden über die App gebucht, sie finden ausschließlich auf fünf Fußball-Anlagen in London statt. Zusätzlich zu diesem Produkttest auf dem Platz räumt Adidas eine zweiwöchige Frist fürs Anprobieren der Schuhe ein.

Lieferung am gleichen Tag

Auch bei der Auslieferung beschreitet Adidas mit Same Day Delivery neue Wege, allerdings nur in London. Wer seine Glitch-Boots während der Woche vor fünf Uhr abends oder am Samstag vor elf Uhr morgens bestellt, bekommt sie während der nächsten vier Stunden an einen Ort seiner Wahl geliefert. Adidas weist darauf hin, dass es für dieses Same Day Delivery ein Kapazitätslimit gibt. Alle Bestellungen außerhalb Londons werden am nächsten Tag geliefert.

Der Sportfachhandel dürfte diese ersten Gehversuche von Adidas mit dem Direktvertrieb von Schuhen ausschließlich über den mobilen Kanal kritisch beäugen. Schließlich bleibt er bei diesem Social-Commerce-Ansatz erst einmal außen vor. Adidas will sich über die Erkenntnisse, die im Zusammenhang mit Glitch gesammelt werden, mit den wichtigsten Handelspartnern austauschen und mit ihnen diskutieren, inwieweit diese in künftige Angebote einfließen können.

Mobile im Mittelpunkt

Wann die Adidas Glitch App nach Deutschland kommt, ist noch offen: „Unser Fokus liegt aktuell komplett auf London, das als Ballungsraum mit vielen aktiven Fußballern einen wichtigen Markt darstellt“, erklärt Makowski. Das Unternehmen werde jedoch in den nächsten Monaten erörtern, ob es einen weiteren Rollout von Glitch geben wird und wie dieser aussehen könnte.

Für die technische Umsetzung hat sich Adidas für die Mobile-Retail-Plattform von Newstore entschieden. Newstore ist das dritte Unternehmen von Stephan Schambach, dem ehemaligen Gründer von Intershop und Demandware. Für ihn ist die Mobile-Komponente Dreh- und Angelpunkt in der Kundenbeziehung. „Marken, die ein attraktives Einkaufserlebnis liefern wollen, müssen ,mobil‘ in den Mittelpunkt ihrer Commerce-Strategie stellen“, ist Schambach überzeugt.

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