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Mytheresa der Tracht

Limberry sieht sich als größten Online-Anbieter von Premium-Trachten. Mit Unterstützung zweier DHDL-Löwen geht das Geschäft jetzt in großen Schritten voran

Dass man mit Online-Mass-Customization von Damenmode zwar leicht Innovationspreise, aber nur schwer Kunden gewinnen kann, das hat Sibilla Kawala, Gründerin des Trachtenversender Limberry, am eigenen Leib erfahren. Das ursprüngliche Geschäftsmodell sah vor, individualisierte Damenmode zu verkaufen, später spezialisierte sich der Shop auf Trachtenmode. Doch während die Presse begeistert war, blieb der Kundenansturm aus. Heute weiß die Gründerin: Das Thema Mass Customization birgt aus Kundensicht Hindernisse: Kunden bestellen – oftmals ohne Rückgaberecht – die Katze im Sack. Viele haben zudem Angst davor, selbst zum Designer zu werden. Und anschließend müssen sie auch noch einige Wochen auf ihr Kleidungsstück warten, während Amazon am nächsten Tag liefert. „Wir hatten wahnsinnig viele Besucher im Shop, aber der letzte Klick zum Kauf blieb aus“, erinnert sich Kawala an die Anfänge.

Mit breiterer Ausrichtung kam der Erfolg

Weil Aufhören für die Gründerin keine Option war, nahm sie den Namen, den sich ihr Unternehmen im Bereich Tracht erarbeitet hatte, als Basis und stellte sich insgesamt breiter auf. So wurde aus Limberry ein Designer-Shop für Dirndl – und der Konfigurator zum Marketing-Tool. „Auch wenn man da nicht kauft, verbringen Nutzer teilweise viel Zeit im Konfigurator. Da bleibt im Kopf, dass Limberry der Shop zum Selbergestalten ist“, sagt Kawala. Das sei ein riesen Alleinstellungsmerkmal.

Die ersten Trachtenlabels mussten noch mit Engelszungen überredet werden, ihre Modelle auch über Limberry zu vertreiben. Doch inzwischen ist der Shop der Hamburgerin der größte Anbieter für Premium-Trachten. Rund 550 Dirndl von 20 bis 25 Labels sind gelistet, darunter auch eine Eigenmarke, die gegenwärtig die am zweitbesten verkaufte Marke im Shop ist. „Wir waren einer der ersten, die Tracht zu was Modernem gemacht haben. Wir wollen das Mytheresa der Trachten werden“, hat Kawala sich als Ziel gesteckt: „clean, stylish und doch traditionell.“ Das kommt auch bei Promis an: Zuletzt zeigte sich Spielerfrau Cathy Hummels im Limberry-Dirndl auf der Wiesn.

Die beste Entscheidung für Limberry aber war, bei der Vox-Sendung „Die Höhle der Löwen“ mitzumachen. Carsten Maschmeyer und Judith Williams investierten in das Hamburger Start-up. Bis jetzt läuft die Zusammenarbeit super. Während das Team Williams Kontakte zur Promiwelt liefert, beim Design mithilft und Limberry bei HSE24 ins Gespräch bringt, unterstützt das Team Maschmeyer die Gründerin dabei, ihr Geschäft stärker anhand von Zahlen zu führen.

Als Herausforderung sieht Kawala die Saisonalität des Geschäfts. Mit Damenhandtaschen und Schmuck soll daher das Sortiment erweitert werden. Auch eine stationäre Präsenz sei denkbar. Vor allem aber steht eines auf der To-do-Liste für 2017: Prozessoptimierung.

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