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Youtube-Stars als Händler

Bekannte Youtuber steigen in den E-Commerce ein – mit eigenen Shops, Marken und Lizenzprodukten

Rosa Tüllrock, Hoodies in Pastellfarben: Das bietet Paola Maria an. Und Hunderttausende von Mädchen, die ihre Youtube-Videos gucken, wollen es haben. Deshalb verkauft Paola Maria ihre Mode jetzt in einem simpel aufgebauten Online-Shop.

Marcel Eris alias Montanablack88, der auf Youtube über Online-Spiele bloggt, steht auf Schwarz. Er verkauft ebenfalls Klamotten im eigenen Webshop, hat aber in diesen um einiges mehr Aufwand gesteckt: Follower probieren Hoodies und Hosen in der 3-D-Kabine und können durch Kommentare und Käufe ihr Ranking verbessern. „Ich wollte Produkte anbieten, die meinen Ansprüchen genügen“, sagt Eris zu seinem neuen Geschäft.

Das neue Selbstbewusstsein der Youtuber

Ob schnell zusammengestellt oder geplant: Youtube- und Blog-Stars entdecken, dass sie ihre Reichweite fürs Verkaufen nützen können und werden zu Händlern. Davon profitieren Marken, Merchandising-Spezialisten und Agenturen. „Dieses Handelssegment wächst, weil die Youtuber ihre Marktmacht entdecken“, berichtet Claudia Schindela, die sich bei Spreadshirt um den neuen Markt kümmert. „Der Trend schwappt jetzt aus den USA nach Europa.“

Wie andere Merchandising-Spezialisten bedruckt Spreadshirt Textilien für die neuen Händler. Das Leipziger Unternehmen hat dafür eigens die Produktlinie Pixel Cotton eingeführt und hilft beim Shop-Aufbau und Fulfillment. „Viele Youtuber verkalkulieren sich“, so Schindela, „siemeinen, sie könnten schnell Tausende von Shirts absetzen.“ Doch Reichweite allein treibt den Verkauf nicht an, zumal die Blog-Stars von den Fans abgestraft werden, wenn sie zu offensiv für Waren werben.

Den aufwendig gestalteten Shop von Montanablack besuchten in den ersten Wochen seit dem Start Anfang November etwa 100.000 Interessenten, 4.000 hinterlegten persönliche Daten, 1.400 gaben eine Bestellung auf: „Für den Anfang sind wir zufrieden“, sagt Dennis Ben Brahim, Geschäftsführer von Reason, der Hamburger Agentur, die Eris betreut, Kooperationen mit Marken einfädelt und für den Shop verantwortlich zeichnet. Montanablack wird nicht der letzte Shop der Agentur bleiben, die weitere Blogger unter Vertrag hat.

Montanablack spricht die Technik-Affinität der jungen, mehrheitlich männlichen Zielgruppe an und auch das Bonussystem verfehlt seine Wirkung nicht: „Fans müssen nicht unbedingt kaufen, um Vorteile zu ergattern, auch Likes und Kommentare bringen Punkte“, erklärt Ben Brahim. Durch Inhalte, die über die Videobeiträge hinausgehen, sowie durch die Vernetzung auf allen Social-Media-Kanälen motiviert Montanablack zum Besuch und zum Kauf. Ab 2017 soll das Sortiment um Hardware und Energydrinks erweitert werden – um Produkte der Marken, für die Montanablack in den Videos wirbt.

Marken und bekannte Filialisten spannen längst Youtube-Stars ein: Doch diese kooperieren nicht mehr nur für Gratisproben oder zur Absatzförderung mit ihnen, sondern geben ihren Namen für eigene Produktlinien. Montanablack etwa kooperiert mit Hersteller Eizo bei einem Monitor. Zu Weihnachten 2015 stellten die DM-Drogeriemärkte Duschgels und Shampoos der Bloggerin Dagi Bee ins Regal. Heute steht dort das „Schachtelglück“: eine Box voll mit Kosmetik von bekannten Youtube- und Blog-Stars.

Auch die Frauen starten mittlerweile im E-Commerce durch. Ob aber Paola Maria ihre Follower nachhaltig an ihren Shop binden kann, bleibt fraglich, befriedigt er doch nur den Wunsch nach schnellem Konsum. Bei Mueze.net, Anbieter von Strickmützen und Betreiber des Paola-Maria-Shops, gibt sich Geschäftsführerin Irene Sacharow zugeknöpft, wenn es um Zahlen und Sortimente geht. „Jeder Youtuber baut seine Bekanntheit über Jahre hin auf“, sagt sie. „Die Geschäftsmodelle sind schnell kopierbar.“

Eigene Inhalte warden zum Verkaufsmotor

Der Weg vom Blogger zur (Handels)Marke verläuft in der Regel so: mit persönlichen Inhalten auf Social-Media-Kanälen Reichweiten aufbauen, diese für Werbung nutzen, Merchandising-Produkte anbieten, einen Shop starten. Schauspieler und andere Prominente schlagen diesen Weg ebenfalls ein, auch Medienkonzerne haben ihn als Wachstumspfad entdeckt – Content ist ein neuer Verkaufsmotor. ❚


Die Dienstleister und Zulieferer der Youtube-Stars

Müze startete als Mützenladen, baut jetzt aber auch Shops für Youtube-Stars auf. Erste Partnerin: Mode- und Kosmetikbloggerin Paola Maria

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