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Incentives verboten

Amazon zieht bei manipulierten Kundenrezensionen die Zügel an

Amazon verschärft die Plattformrichtlinien zur Erstellung von Kundenrezensionen weiter. Erst vor Kurzem verbot der Online-Marktplatz anreizbasierte Rezensionen von Käufern. Händlern ist es damit nicht mehr möglich, Produkte vergünstigt an Rezensenten gegen eine Amazon-Rezension abzugeben.

Als weiteren Mechanismus gegen Bewertungen, die nicht von echten Kunden stammen, führte der Konzern jetzt eine Mengenobergrenze ein. Kunden, die keine Produkte im Rahmen eines verifizierten Verkaufs auf Amazon erworben haben, dürfen jetzt nur noch fünf Bewertungen pro Woche abgeben.

Bei einem sogenannten verifizierten Verkauf prüft Amazon, ob der Rezensent das Produkt selbst bei Amazon erworben hat. Wurde das Produkt vom Rezensenten also nicht bei Amazon gekauft, sondern ihm zum Beispiel von dem Händler einfach überreicht, kann er nur noch fünf solcher Produkte pro Woche bewerten. Das Modell „Produkt gegen Amazon-Bewertung“ war zwar in der Vergangenheit durchaus verbreitet, aber stets wettbewerbsrechtlich umstritten.

Für Online-Händler bedeutet das: Nach der Amazon-Richtlinienänderung dürfte es künftig als unlautere Schleichwerbung einzustufen sein, wenn eine Amazon-Bewertung ohne Kennzeichnung erfolgt und zuvor ein Produktrabatt als Gegenleistung für diese Bewertung ausgegeben wurde. Händlern, die sich an die neuen Vorgaben nicht halten, droht ab sofort eine Kontosperre.

Eine rechtlich denkbare Lösung für Online-Händler, die über Amazon verkaufen: Käufer nicht zu Produktrezensionen verpflichten, sondern nach dem Kauf um freiwillige Bewertungen bitten. Doch auch hier ist Vorsicht geboten. Etliche Gerichte stufen schon diese Bewertungsbitte als illegalen Spam ein, deshalb sollten Online-Händler darauf achten, sich die Genehmigung zum Werbeversand einzuholen. ❚

Christian Solmecke


Das sollten Sie beachten:

• Die Vergabe von Produkten als Gegenleistung für eine Amazon-Bewertung ist wettbewerbsrechtlich problematisch.

• Wer Kunden um eine Rezension bittet, sollte zuvor das Einverständnis zum Werbemail-Versand eingeholt haben.


Werbung mit Garantien im Online-Shop

Sabine Heukrodt-Bauer, LL.M.

Rechts- und Fachanwältin für Informationstechnologierecht in Mainz www.res-media.net

Wird in einem Online-Angebot mit einer Garantie geworben, müssen dem Verbraucher vor Vertragsschluss Informationen über den Inhalt der Garantie bereitgestellt werden (Oberlandesgericht Hamm, Urteil vom 25.08.2016, Az.: 4 U 1/16).

Ein Online-Händler bot seine Artikel über eine Handelsplattform mit dem Zusatz „5 Jahre Garantie“ an. Weitere Informationen zur Garantie fehlten. Er wurde wegen Verstoßes gegen fernabsatzrechtliche Informationspflichten abgemahnt. Zu Recht, wie das Oberlandesgericht Hamm entschied. Verbraucher müssen über das Bestehen und die Bedingungen von Garantien informiert werden, bevor sie eine Bestellung abgeben können.

Richten sich Online-Angebote an Verbraucher, ist in der Artikelbeschreibung detailliert über das Bestehen etwaiger Garantien und die Garantiebedingungen mit allen Infos, die für die Geltendmachung der Garantie erforderlich sind, zu informieren. Dazu gehören die Dauer und der räumliche Geltungsbereich sowie Namen und Anschrift des Garantiegebers. Zusätzlich ist auf die gesetzlichen Rechte des Verbrauchers hinzuweisen sowie darauf, dass sie durch die Garantie nicht eingeschränkt werden.

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